Meeder
Landtechnik

Roboter, die Rüben hacken, auf Coburger Äckern

Die Digitalisierung macht auch vor den Bauernhöfen nicht Halt, das zeigte sich beim oberfränkischen Projekttag "Landwirtschaft 4.0 - automatisches Hacken ".
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Der Roboter "OZ" von Naio sieht aus wie ein Kinderspielzeug. Er soll unliebsame Pflanzen zwischen den Maispflanzen beseitigen. Rainer Lutz
Der Roboter "OZ" von Naio sieht aus wie ein Kinderspielzeug. Er soll unliebsame Pflanzen zwischen den Maispflanzen beseitigen. Rainer Lutz
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Der Schlepper brummt über einen Maisacker und zieht eine Hackmaschine durch die Pflanzenreihen. Gespannt folgen zig Landwirte dem Gespann. Mit kritischen Blicken nehmen sie die Arbeit unter die Lupe. Hat er Maispflanzen mit erwischt? Hat er nicht. Kameras achten darauf, wo Pflänzchen stehen und sorgen über eine digitale Steuerung dafür, dass die scharfen Werkzeuge ihnen ausweichen.

Die Vorführung ist eine in einer Reihe der Veranstaltung "Landwirtschaft 4.0 - automatisches Hacken", die die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) zusammen mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Coburg und dem Verband landwirtschaftliche Fachbildung (VlF) ausgerichtet hatte.

"Hacken hatte stark an Attraktivität verloren", weiß Markus Demmel von der LfL. Er weiß aber auch: "Das ändert sich zurzeit wieder." Gesetzliche Rahmenbedingungen, Resistenzprobleme und nicht zuletzt geänderte Ansprüche der Gesellschaft an die Landwirtschaft nennt er als Gründe, Unkraut wieder lieber mechanisch zu entfernen. Mit der Hacke von Hand ist das aber bei modernen Betriebsgrößen illusorisch. Damit ist Demmel beim Stichwort Digitalisierung.

Es sind vor allem junge Landwirte, die in die Halle nach Meeder gekommen sind. Für sie wird das, was an diesem Tag in Vorträgen geschildert und auf Flächen von Gut Birkenmoor in der Praxis gezeigt wurde, die Zukunft auf ihren Betrieben sein. "Wir werden nicht drum rum kommen", ist etwa Michael Müller aus Kronach überzeugt. Immer weiter wird der Einsatz von Agrachemie eingeschränkt immer strenger werden die Auflagen für die Landwirte bei der Bodennutzung. "Die Landwirtschaft sollte da auch vorausgehen", sagt der junge Landwirt. Er will auf seinem Betrieb die Technik ausprobieren. In Kartoffeln oder Lupinen kann er sich das vorstellen. "Zuerst auf jeden Fall mit einem Leihgerät oder über den Maschinenring. Für einen einzelnen Betrieb ist die Anschaffung in Oberfranken nicht rentabel", sagt er. Doch er will auch für den Fall gerüstet sein, dass nach und nach alle Wirkstoffe wegfallen, die bisher auf dem Acker gegen unerwünschte Kräuter eingesetzt werden können.

Martin Gandorfer leitet an der Landesanstalt die Projektgruppe "Digital Farming". "Digitalisierung betrifft alle Akteure der Wertschöpfungskette", ist er überzeugt. Von der Produktion über den Handel, die Technik und die Verarbeitung bis zum Konsumenten führe kein Weg an der Zukunftstechnik vorbei. Er informiert über den Sachstand. Digital gesteuerte Anbaugeräte an den Schleppern, autonom fahrende Feldmaschinen, Roboter, die in Schwärmen zwischen den Pflanzreihen Unkraut jäten. Die Hersteller haben schon einiges zu bieten.

Noch ist die Technik oft für den Einzelbetrieb zu teuer, um rentabel eingesetzt zu werden. Gandorfer verschweigt auch nicht, dass nicht alles auf jedem Boden gleich gut funktioniert. Es macht noch Probleme, dass jeder Hersteller mit anderer Software arbeitet und diese untereinander meist nicht kompatibel sind, wie ein Landwirt betonte. Für autonom arbeitende Maschinen sind Sicherheits- und Rechtsfragen zu klären auch wenn sie so klein sind wie die Feldroboter, die zwischen den Pflanzreihen arbeiten. Und es wird auch nicht verschwiegen, dass es unter stromführenden Freileitungen schon zu Störungen der Technik kam.

Beat Vincent von der LfL referiert über Sensortechnik, die es ermöglicht, das Stickstoffmanagement zu optimieren. Die Landwirtschaft steht wegen der Nitratbelastung des Grundwassers in der Kritik. Die neue Technik kann dafür sorgen, dass punktgenau dort viel Stickstoff ausgebracht wird wo die Pflanzen viel brauchen und umgekehrt an anderen Stellen des Ackers weniger. Doch Vincent sagt auch: "Die große Ersparnis ist nicht drin." Der Imagegewinn ist größer.

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