Coburg
Gericht

Richterin am Coburger Landgericht musste laut werden

Weil er an mehreren Diebstählen in Diskotheken im Raum Neustadt bei Coburg beteiligt gewesen sein soll, steht nun ein 31-jähriger Mann vor Gericht.
Artikel drucken Artikel einbetten

Irgendwann reichte es Richterin Jana Huber: "Geht's noch. Das ist nicht erwachsen oder cool, das ist dummes Kindergartenzeug", entgegnete die Vorsitzende am Coburger Landgericht einem Zeugen.

Zuvor hatte dieser nicht nur dem Angeklagten versucht, ein Alibi zu verschaffen und sich bei den Erklärungen zunehmend in unglaubwürdige Erklärungen verstrickt.

Spielautomaten und Lichtanlagen

Schließlich sind die Vorwürfe keine Kleinigkeit. Dem 31-jährigen Angeklagten wird vorgeworfen, von Anfang 2018 bis Anfang 2019 gemeinsam mit einem damaligen Freund in verschiedene Gaststätten und Diskotheken in Neustadt, Kronach und Umgebung eingebrochen zu sein. Spielautomaten wurden aufgebrochen, Licht- und Soundanlagen sowie Traversen für die Bühne entwendet.

Dabei soll der Coburger, der selbst zeitweise eine Diskothek und einen Burgerladen betrieben hat, gar nicht selbst eingestiegen sein, sondern stets Wache gehalten haben.

Nachdem die beiden mutmaßlichen Täter in einer Neustädter Gaststätte aneinander geraten sind, soll der Angeklagte seinen Komplizen zu Boden gestoßen, am Hals gewürgt und getreten haben.

Auf den eigenen Anteil verzichtet

Gemeinsam sollen sie eine Beute im Wert von etwa 16 000 Euro erbeutet haben. Der meiste Teil des Bargeldes wurde unter den beiden geteilt, wie der in einem anderen Prozess angeklagte mutmaßliche Mittäter aussagte. Von den Geräten hätte er keinen Nutzen.Immer wieder, so berichtete der Zeuge vor Gericht, habe er sich darauf eingelassen, seinem alten Schulfreund zu helfen. Dessen Geldprobleme seien dafür ausschlaggebend gewesen. Teilweise habe er auf seinen Anteil verzichtet. "Er war mein Freund, das war für mich der einzigste Grund", sagte der gelernte Zerspanungsmechaniker.

Dann kam es zum Streit und zu Handgreiflichkeiten. Daraufhin ist der bereits vorbestrafte Mittäter unmittelbar zur Polizei und hat nicht nur die Taten gestanden, sondern auch die Körperverletzung seines einstigen Freundes angezeigt.

"Der Angeklagte wird sich schweigend verteidigen", gab sein Anwalt Andreas Kittel zu Beginn bekannt. Das heißt, auch zur Frage, ob und wieweit er an den Taten beteiligt war, sagte er nichts.

Kittel versuchte mit einer scharfen Befragung, die Glaubwürdigkeit des Zeugen und dessen mögliche Motive herauszuarbeiten.

So stellte er den Alkoholkonsum, aggressives Verhalten und zwei Suizidversuche heraus, die gerade die Handgreiflichkeit in ein neues Licht rücken sollten. Die Entlastung des Angeklagten wollten im Verlauf andere übernehmen. Zeitweise lebte er mit seinem damaligen Komplizen zusammen. Im gleichen Haus wohnten ebenfalls noch Freunde des Angeklagten, die als Zeugen geladen wurden.

Deren Aussagen aber waren es, die Richterin wie Staatsanwältin Carolin Eckert aufbrachten. Einer der Zeugen gab dem Angeklagten - zu - schnell und exakt ein Alibi, konnte es sogar mit einem Kalendereintrag auf seinem Handy belegen. Allerdings war dies der einzige Eintrag, den er darin gemacht hatte.

Lange dauerte es, bis er zugab, seine Aussagen über die Daten im Voraus abgesprochen zu haben. Auch die folgende Zeugin musste mühsam von der Richterin zu einer wahrheitsgemäßen Aussage geführt werden. Da wurde es zwischenzeitlich laut im Gerichtssaal. Sogar der Angeklagte musste von der Vorsitzenden an die Würde des Hauses erinnert werden. Kittel verwies nur auf sein Plädoyer.

Es ist also am Gericht, die Verwicklungen von ehemaligen und anhaltenden Freundschaften zu entwirren. Die Verhandlung wird an diesem Mittwoch fortgesetzt.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren