Coburg
Interview

Revolverheld lässt auch in Coburg das Licht an

Vor drei Jahren lockte Revolverheld 7000 Fans auf den Schlossplatz. Was es am 19. August 2018 zu erwarten gibt, verrät Gitarrist Niels Kristian Hansen.
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Revolverheld spielen am Sonntag, 19.  August, auf dem Schlossplatz in Coburg.
Revolverheld spielen am Sonntag, 19. August, auf dem Schlossplatz in Coburg.
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Am Sonntag, 19. August, spielt die Gruppe Revolverheld ("Ich lass für Dich das Licht an") beim HUK-Coburg-Open-Air-Sommer ein Konzert auf dem Coburger Schlossplatz. Eintrittskarten im Vorverkauf gibt es in der Tageblatt-Geschäftsstelle in der Hindenburgstraße 3a in Coburg; Abonnenten des Tageblatts erhalten zehn Prozent Rabatt.

In einem Interview verrät der Gitarrist von Revolverheld, Niels Kristian Hansen, was die Fans beim Konzert in Coburg erwartet.

Wie ist es wieder auf Tour zu sein? Wie geht es euch?
Niels Kristian Hansen: Uns geht es ganz hervorragend. Wir haben jetzt fast ein Jahr lang unser Album aufgenommen und insofern waren wir die ganze Zeit im Studio, nicht viel unter Menschen. Man wird ja so ein bisschen verschroben, wenn da so fünf, sechs, sieben Leute immer aufeinander hocken, an Songs feilen und über Monate sich einschließen. Insofern ist es gerade eine wunderbare Zeit, dass wir nun endlich rausgehen, live spielen können und unter Menschen sind. Das ist alles ganz hervorragend!

Wie händelt ihr das mit der Familie? Die seht ihr in der Zeit wahrscheinlich eher seltener?
Ach das geht eigentlich. Wir haben jetzt eine kleine Clubtour gespielt, das waren so zehn Termine, da sind wir bisschen länger weg gewesen. Aber im Vergleich zu internationalen Bands, die dann erstmal zwei Jahre auf Welttournee verschwinden, ist das zu verschmerzen. Jetzt im Sommer sind wir immer mal paar Tage auf Festivals unterwegs, kommen dann aber zwischendurch immer nach Hause und dann sehen wir auch unsere Familie. Das ist eigentlich kein Problem.

Wie lange seid ihr insgesamt unterwegs für die Open Airs?
Wir sind bis Mitte September noch unterwegs. Natürlich nicht jeden Tag, sondern immer mal, Festivals sind ja meistens am Wochenende. Zwischendurch ist auch kurz Zeit für ein bis zwei Wochen Urlaub. Ansonsten sind wir noch den ganzen Sommer unterwegs und freuen uns auch aufs nächste Jahr, weil dann unsere Arenatour losgeht im März. Da sind wir dann ganz groß unterwegs einmal quer durch Deutschland und das wird auch natürlich dann nochmal was ganz besonderes. Aber erstmal haben wir jetzt einen schönen Sommer vor uns, wir freuen uns natürlich, auf das live Spielen sowieso, aber natürlich auch auf die Open Airs und das draußen sein. Wir haben bisher totales Glück gehabt mit dem Wetter. Wenn das so weitergeht über den Sommer, umso besser. Das ist eine ganz besondere Zeit im Jahr.

Was ist denn in den letzten 5 Jahren bei euch passiert, seit dem letzten Album?
Da ist so einiges passiert. Vor fünf Jahren ist Johannes Vater geworden (Johannes Strate ist der Sänger von Revolverheld; Anmerkung der Redaktion), und das ist natürlich eine Veränderung gewesen für ihn. Und ich werde dieses Jahr auch Vater. Mittlerweile geht man die Chance an, sich thematisch auch mit anderen Sachen zu beschäftigen. Als wir 20 waren, haben wir einfach andere Themen gehabt, als wir frisch aus der Schule rauskamen und studiert haben. Mittlerweile denken wir auch an die Generation nach uns, überlegen "Was passiert so in der Welt?". Das hat dazu geführt, dass auf "Zimmer mit Blick", auf dem neuen Album, auch ein bisschen nachdenklichere Themen sind. "Zimmer mit Blick", der Titelsong des Albums, ist der politischste Song den wir je hatten. Da geht es eben darum, dass wir bei all den Krisen, Irrungen und Verwirrungen, die es auf der Welt gibt, oft dazu neigen, dass man sich zurückzieht und versucht abzuschalten und oft in dieses Phlegma verfällt, dass man sich aus seiner Komfortzone nicht so richtig rausbewegen möchte und denkt "Ach lass das mal die anderen machen". Das ist eben nicht der richtige Weg. Wir finden, man sollte sich mit den Themen auch auseinandersetzen, sich möglichst informieren und auch eine Haltung zeigen, sich positionieren bei gewissen Sachen: Ok nein, so geht es nicht! Da muss ich mich vielleicht mal ein bisschen mehr engagieren, den Mund aufmachen, mich auch mal dagegen stellen. Es gibt einfach so viel auf der Welt, was man jetzt nicht einfach so ignorieren kann und sagen kann "Ja ok, nach mir die Sintflut", weil mittlerweile trägt sich so viel zu, wir müssen auch daran denken "Was ist denn mit unseren Kindern? Was für eine Welt hinterlassen wir denen?" Insofern ist auch mal ein sehr politischer und sehr gesellschaftskritischer Song dabei rausgekommen.

Euer Song "Zimmer mit Blick" sticht auf jeden Fall total heraus. Was hat euch denn dazu bewegt gerade jetzt Haltung zu zeigen und nicht schon vorher?
Naja, es ist einfach an der Zeit gewesen, da mal einen Song draus zu machen. Wir sind jetzt nicht so die allerpolitischste Band, die jeden Tag einen "Heal The World"-Weltverbesserungssong macht, sondern bei uns muss das natürlich wachsen. Irgendwie war es an der Zeit da mal einen Song zu machen, aber wir haben uns jetzt auch nicht hingesetzt und gesagt "Wir müssen jetzt mal so einen Song machen", sondern die Themen müssen auch natürlich entstehen. Wir haben uns in den letzten Jahren viel über solche Sachen unterhalten. Johannes ist Vater geworden, ich werde jetzt Vater, da fängt man auch nochmal mehr an darüber nachzudenken "Was passiert mit unserer Welt? Wie soll das denn für unsere Kinder aussehen?", man hat natürlich auf einmal eine ganz andere Perspektive. Es kommt dazu, dass man generell ja älter wird, das geht nicht nur Musikern so, sondern allen Menschen. Es ist so, dass mit zunehmendem Alter sich Themen auch verändern, über die man sich Gedanken macht. Als wir so 20, vor mittlerweile fast 20 Jahren, wars dann eher "Liebe", "Feiern", "Ich bin froh aus der Schule raus zu sein", "Ich will mein Leben genießen" und sowas, das ist natürlich von der Themenvielfalt her nicht so wie es jetzt ist auf dem Album, was auch ganz normal ist. Es ist völlig normal, dass man sich als Mensch auch weiterentwickelt und sich dann irgendwann andere Gedanken macht. Natürlich haben wir auch einen Liebessong auf dem Album. Liebe ist ein wichtiges Thema, das wird uns auch immer begleiten, das begleitet alle Menschen. Darüber macht man sich natürlich auch viele Gedanken. Zum Beispiel gibt es auch einen Song jetzt auf dem neuen Album, der heißt "Unsichtbar", da geht es im weitesten Sinne um das Thema "Glauben". Religion schließt das mit ein, aber grundsätzlich, dass da viele Sachen sind, die wir uns nicht erklären können und dass das nach wie vor natürlich auch zu vielen Krisen führt, wenn alle meinen, dass sie die absolute Wahrheit für sich gepachtet haben. Natürlich gibt es viele Sachen, die man sich nicht erklären kann. Der eine erklärt sich das dann mit Religion, aber warum soll der eine Gott besser sein als der andere? Diese ganzen Glaubensfragen beschäftigen uns schon und werden da mal so ein bisschen aufgegriffen und auch verarbeitet in einem Song.

Was meinst du würde "Revolverheld" von vor 16 Jahren, als eure Karriere begonnen hat, über die Band Revolverheld wie sie jetzt ist sagen?
Ich glaube wir haben uns grundsätzlich als Menschen gar nicht so stark verändert. Die Themen sind einfach ein bisschen breiter geworden und es sind einfach mehr Themen dazugekommen. Heute sind wir bisschen ruhiger. Wir sind früher immer so ein bisschen "Mit dem Kopf durch die Wand" gewesen, waren oft sehr ungeduldig, waren vielleicht einfach bisschen schneller unterwegs bei einigen Sachen. Jetzt sind etwas besonnener und etwas nachdenklicher geworden insgesamt, was aber eine ganz normale Entwicklung ist denke ich, von Anfang 20 bis 40, das geht allen Menschen so. Ich glaube wir würden uns jetzt nicht groß den Vogel zeigen, sondern ich würde das glaube ich ganz interessant finden. Wäre ja wirklich mal eine interessante Perspektive, wenn man das wissen würde wie das in 20 Jahren so ist.

Würdest du sagen ihr seid immer noch "Revolverhelden" im wörtlichen Sinne?
Wir haben immer sehr direkt getextet. Wir wollten immer klar und verständlich sein. Wir haben wenig davon gehalten, extreme Metaphorik bei uns in den Texten zu benutzen, nicht zehn Mal um die Ecke denken. Uns war es immer wichtig, weil wir eben eine Geschichte erzählen wollen und auch eine Message rüberbringen wollen, dass man uns versteht, was wir da meinen und haben uns dementsprechend klar und präzise ausgedrückt. Das war dann der Ansatz für den Namen. Aber wie das immer so ist bei Namen, man entscheidet sich irgendwann dafür und das wird dann mehr und mehr mit Inhalten gefüllt. Wir denken da heutzutage ehrlich gesagt nicht mehr drüber nach, warum wir uns wie genannt haben. Der Name war dann einfach da und fertig (lacht).

Ihr habt bei "Sing meinen Song" von Wir sind Helden das Lied "Denkmal" gecovert. Wieso habt ihr entschieden, das jetzt in euer Repertoire aufzunehmen und live bei euren Konzerten zu spielen?
Für uns war "Sing meinen Song" eine ganz tolle Sache, die sich ergeben hat. Wir haben die Anfrage bekommen da mitzumachen, wir fanden die Sendung immer ganz toll. Es ist sehr spannend wenn gestandene Künstler auf einmal gegenseitig sich interpretieren und Songs der anderen zu ihren eigenen Songs machen. Wir haben uns das in den letzten Jahren immer angeguckt und das verfolgt und fanden das ganz toll. Als wir dann gefragt wurden da mitzumachen, haben wir keine Sekunde gezögert sondern wirklich sehr sehr freudig uns darauf vorbereitet. Johannes hat diese Songs dann entwickelt und geguckt, welche Songs von welchen Künstlern vor allem für ihn als Sänger am meisten Sinn machen. Da war dann von Wir sind Helden, also Judith Holofernes, dieser Song "Denkmal" dabei. Den haben wir früher immer gehört natürlich, klar. Wir sind Helden ist eine riesengroße Band gewesen, wir haben das wirklich abgefeiert. Als wir als Studenten früher unterwegs waren in den Kneipen und dann der Song kam, haben wir lauthals mitgesungen und sicherlich haben die uns auf unserem Weg auch geprägt. Die Version ist so schön geworden in der Sendung, dass wir gesagt haben, warum sollen wir den jetzt nicht über den Sommer mal live spielen? Das machen wir sehr gerne und das macht sehr viel Spaß.

Ihr ward jetzt auf Club- und Hallentour und jetzt kommen die ganzen Open Air Bühnen auf euch zu. Was macht da den Unterschied für euch aus zwischen Konzerten in der Halle und unter freiem Himmel?
Es ist natürlich bei einem Sommer-Open-Air eine ganz besondere Stimmung, gerade wenn das Wetter mitspielt. Wenn das ein lauer Sommerabend ist und die Leute da wirklich eine schöne Zeit haben, das kriegen wir auch total mit auf der Bühne. Das ist dann immer eine ganz gelöste Stimmung. Die Leute trinken ein Bierchen oder ein Kaltgetränk zusammen und schauen sich eine Band an, das wir wirklich etwas Besonderes, was da passiert. Diese Stimmung überträgt sich auch auf die Band, insofern sind das immer die großartigsten Abende, die man so erleben kann.

Welchen eurer Songs performt ihr live am liebsten?
Es gibt sicherlich nicht so "den" Song. Wir sind ja ein paar in der Band, da hat der ein oder andere seine Favorites für den Abend. Man muss tatsächlich sagen, so etwas entwickelt sich auch. Kein Abend ist wie der andere. Was an dem einen Abend ein besonderer Moment war, ist dann am nächsten Tag wieder vielleicht ein anderer Song. Ich finde es immer sehr bewegend, wenn das Publikum viel mitmacht, viel mitsingt. Natürlich ist das so ein Song wie "Ich lass für dich das Licht an", wo das Publikum lauthals mitsingt, weil alle den Song kennen und mögen. Aber gerade jetzt auch von der neuen Platte ist natürlich total spannend zu sehen wie die Sachen auch live ankommen. Natürlich ist dann so eine Nummer wie "Immernoch fühlen", vom neuen Album die Single, auch total schön, weil das auch eine tanzbare Nummer ist, alle mitmachen und Spaß haben. Das finde ich natürlich auch spannend und schön zu sehen.

Ihr spielt am 19. August in Coburg. In Franken gibt es bekanntermaßen die höchste Brauereidichte der ganzen Welt. Deswegen wollte ich dich zum Abschluss noch fragen, was dein Lieblingsbier ist. Oder habt ihr ein Bandlieblingsbier?
Ah (lacht). Ich glaube wir haben nicht so "das" Bandlieblingsbier. Was wir immer ganz toll finden und insofern freut mich das sehr, wenn es so eine hohe Brauereidichte bei euch gibt, wir haben nämlich bei uns im Cateringrider immer stehen, auch aus Nachhaltigkeitsgründen natürlich, dass wir immer gerne lokale Produkte essen wollen. Der Cateringrider ist immer die Anforderung, wo die Band gefragt ist, was wollt ihr denn essen und trinken. Da darf man angeben, was man gerne so hätte. Es gibt viele Künstler, die dann Mondwasser oder irgendwas von den Fidschi-Inseln wollen. Das ist bei uns überhaupt nicht der Fall. Wir sagen gerne natürlich Bio-Produkte und vor allem immer aus der Region. Das ist erstens lecker und zweitens nachhaltig. Insofern freuen wir uns, wenn auch ein lokales Bier auf der Liste draufsteht. Da lassen wir uns gerne überraschen, weil das ist das Spannende: In Deutschland rumfahren und überall die regionalen Unterschiede kennenlernen und das regional beliebte Essen auszuprobieren, das finden wir toll. Insofern lassen wir uns überraschen, was dann in Coburg passiert. Wenn es da so eine hohe Brauereidichte gibt, dann gibt es da sicherlich einiges im Angebot.
Das Interview führte Juliane Hönisch (Veranstaltungsservice Bamberg)



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