Coburg
Gutachten

Rettungsdienst: In Bad Rodach künftig rund um die Uhr

Nach Gesprächen mit den Krankenkassen in München hat Landrat Michael Busch die Zusage für zwei neue Rettungswachen bekommen: Sie sollen in Bad Rodach und im Raum Ahorn errichtet werden.
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Jederzeit Einsatzbereit: Der 45-jährige Rettungslehrassistent Wolfram Krause (rechts) und sein Kollege, der 31-jährige Rettungsassistent Benjamin Linke, werden vermutlich auch weiterhin von der Rettungswache in der Sally-Ehrlich-Straße aus zu Einsätzen starten. Der Umzug der Station auf die Lauterer Höhe ist nämlich vom Tisch. Foto: Thomas Heuchling
Jederzeit Einsatzbereit: Der 45-jährige Rettungslehrassistent Wolfram Krause (rechts) und sein Kollege, der 31-jährige Rettungsassistent Benjamin Linke, werden vermutlich auch weiterhin von der Rettungswache in der Sally-Ehrlich-Straße aus zu Einsätzen starten. Der Umzug der Station auf die Lauterer Höhe ist nämlich vom Tisch. Foto: Thomas Heuchling
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Eine seit mehr als einem Jahrzehnt im Raum stehende Forderung könnte sich bereits im kommenden Jahr erfüllen: Der bislang nur zwischen 7 und 19 Uhr besetzte Rettungswagen-Standort Bad Rodach wird zu einer rund um die Uhr besetzten Rettungswache ausgebaut. Dies hat Landrat Michael Busch (SPD) nach Gesprächen mit den Krankenkassen als Kostenträgern des Rettungsdienstes in München mitgeteilt.

Doch dies ist nicht einzige Änderung, die die Umsetzung des von den Krankenkassen 2010 in Auftrag gegebenen "Trust"-Gutachtens im Coburger Land mit sich bringen wird. "Die Coburger Rettungswache wird voraussichtlich aufgeteilt", sagte Busch gestern bei einem Pressegespräch im Landratsamt.
Das heißt: Die bislang in der Sally-Ehrlich-Straße stationierten zwei Rettungswagen werden auf die neuen Standorte "Coburg-Nord" (voraussichtlich immer noch Sally-Ehrlich-Straße) und "Coburg-Süd" (im Raum Ahorn) verlegt.

Mit dieser neuen Struktur erhofft sich Busch als Vorsitzender des Zweckverbandes für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung eine große Verbesserung bei der Versorgungssicherheit der Menschen im südlichen Landkreis Coburg. Dort, insbesondere in einigen Seßlacher Stadtteilen, war zuletzt gar nicht daran zu denken, dass Rettungsfahrzeuge binnen der als Ziel gesetzten "Hilfsfrist" von zwölf Minuten bei den Patienten sein können.

Kein Umzug auf die Lauterer Höhe

Vom Tisch scheint damit auch die Idee zu sein, die zentrale Coburger Rettungswache von der Sally-Ehrlich-Straße auf das Gewerbegebiet an der "Lauterer Höhe" zu verlegen. "Die Sache ist vom Tisch", machte Busch klar. Er habe vom BRK als Betreiber der Rettungswache zuletzt das Signal erhalten, dass die Gebäude in der Sally-Ehrlich-Straße nun entgegen erster Befürchten doch in eine moderne Rettungswache umgebaut werden können.
Wo zwei neuen Rettungswachen stationiert werden, ist noch völlig offen. In Bad Rodach steht der Rettungstransportwagen derzeit am Feuerwehrhaus, in Ahorn gibt es noch überhaupt keinen Stellplatz.

Nach Angaben von Wolfgang Simon, dem Geschäftsführer des Zweckverbandes für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung, muss die neue Rettungswache auch nicht zwingend genau in Ahorn stehen. Der Ort liege freilich ideal, sei aber dennoch "nur" ein Arbeitstitel. "Es kann auch einer der südlichsten Coburger Stadtteile werden", sagte Simon.

Der Zeitplan zur Umsetzung der "Trust"-Vorschläge ist überschaubar. Am 19. November treffen sich die Räte des Zweckverbands für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung zu ihrer nächsten Sitzung. Da wird Busch als Vorsitzender vorschlagen, die neuen Strukturen im Coburger Land umzusetzen. Sollte er dort erwartungsgemäß die Mehrheit der Verbandsräte hinter den Beschluss bringen, könnten die Planungen konkret in Angriff genommen werden. "Es müsste zu schaffen sein, dass wir das im Jahr 2014 komplett umsetzen", sagte Busch.

Sorgenkind Lichtenfels

Während die Nachricht über die neuen Rettungswachen im Coburger Land, auch bei den Rettungsdiensten, auf ein positives Echo stoßen, hat Busch als Zweckverbands-Vorsitzender im Landkreis Lichtenfels noch eine harte Nuss zu knacken. Landrat Christian Meißner (CSU) hat dort nämlich massiven Widerstand gegen den "Trust"-Vorschlag, die Rettungswache Burgkunstadt aufzulösen und auf zwei Standorte (Weismain und Zettlitz) aufzuteilen, angekündigt.


Busch selbst schließt sich als Nicht-Beteiligter grundsätzlich den Erkenntnissen des Gutachtens an: "Sie sind die beste Versorgung, die wir herausholen konnten." Gerade für die Menschen auf den Jura-Dörfern sei ein ganztägig verfügbarer Rettungswagen in der Stadt Weismain doch ein großes Plus an Sicherheit. Dennoch werde er seinen Landratskollegen, der bis November mit den Kostenträgern für den Rettungsdienst unbedingt noch einmal "nachverhandeln" will, da nicht in die Parade fahren.

Noch ein Standort: Sonnefeld?

Sollte Meißner Erfolg haben, könnte dies noch einmal Auswirkungen auf die rettungsdienstliche Versorgung im Coburger Land haben. Denn Meißner wünscht sich, dass die Rettungswache Burgkunstadt erhalten bleibt und im Raum Zettlitz ein Rettungsstellplatz im Probebetrieb eingeführt wird. Sollte ein Probebetrieb gegen alle Bedenken eine Zustimmung finden, dass rechneten die "Trust"-Gutachter schon jetzt in München vor, wäre dann allerdings Sonnefeld der ideale Standort für einen Rettungsstellplatz. Von dort könne man das Drei-Kreise-Eck rund um die Gemeinden Weidhausen (Coburg), Mitwitz (Kronach) und Marktzeuln (Lichtenfels) vermutlich am effizientesten versorgen.

Das "Trust"-Gutachten: Fakten & Hintergründe


Das Gutachten Zum Jahresbeginn 2010 beauftragten das Staatsministerium des Innern und die Sozialversicherungsträger in Bayern das Institut für Notfallmedizin und Medizinmanagement am Klinikum der Universität München (INM) mit der Fortschreibung und Pflege der Struktur- und Einsatzdatenbank und der Durchführung von Trendanalysen des Rettungsdienstes in Bayern (TRUST II).

Rettungswache Dort ist ein Rettungstransportwagen mit mindestens zwei Mann Personal stationiert. Ihre Erreichbarkeit: 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr. "Trust" sieht solche Standorte in der Region künftig in Coburg (Nord und Süd), Bad Rodach und Neustadt vor.
Stellplatz Dieser ist ebenfalls mit einem Rettungstransportwagen und zwei Mann Personal besetzt. Allerdings ist die Erreichbarkeit nur auf einen Teil des Tages begrenzt. Meist sind die Stellplätze zwischen 7 und 19 Uhr besetzt. Bislang gab es einen solchen Stellplatz in Bad Rodach - der könnte aber bald zur Rettungswache aufgestuft werden.

Notarzt Der diensthabende Notarzt fährt, in manchen Regionen mit einem eigenen Fahrer, im Pkw zu Notfalleinsätzen.

Landkreis Kronach Dort gibt es (und soll es künftig geben): Komplett besetzte Rettungswachen in Kronach, Steinwiesen, Pressig und Steinbach am Wald.
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