Das Neustadter Krankenhaus, ein Betrieb der Dr. Drogula GmbH, befindet sich seit 8. Mai in der vorläufigen Insolvenz. Insolvenzverwalter Thomas Linse gibt sich gestern, einen Tag vor der Pressekonferenz, schmallippig: Er gebe keinen Kommentar ab, ließ er sein Sekretariat ausrichten.
Kein Kommentar - das lässt Raum für Spekulationen. Denn damit fehlt auch das Dementi, dass heute eine Übernahme verkündet wird. Laut Informationen von Stephan Sartoris, Rechtsberater des Betriebsrats im Neustadter Klinikum, gibt es drei Interessenten für das Neustadter Krankenhaus mit 92 Betten, 120 Mitarbeitern und anerkannten Spezialisten: Einen nicht näher bezeichnete Klinikgruppe aus Berlin, den Regiomed-Verbund und die Rhön Klinikum GmbH, die derzeit aber selbst Übernahmekandidat ist.
Die Frage wäre, ob die Regiomed GmbH mit einer ihrer Klinik-Gesellschaften als Übernehmer auftritt oder einer der Gesellschafter (siehe Kasten) oder eine der Besitzgesellschaften beziehungsweise der Krankenhausverband Coburg. Die räumliche Nähe von Neustadt und Sonneberg wäre ein Argument dafür, das Neustadter Krankenhaus den Medinos Kliniken zuzuschlagen. Das aber erscheint unwahrscheinlich, auch wegen der Struktur von Regiomed. Denn keine der Klinik-GmbHs im Verbund besitzt ein Krankenhaus. Und dass die Sonneberger Besitzgesellschaft Neustadt kauft, ist so gut wie ausgeschlossen. Damit kommt eigentlich nur der Krankenhausverband Coburg in Frage, allein schon wegen der räumlichen Zuständigkeit: Laut Satzung ist es seine Aufgabe, die medizinische Versorgung in Stadt und Landkreis sicherzustellen, und damit auch in Neustadt.
Sollte es so kommen, wären die Neustadter Liegenschaften beim Krankenhausverband. Der Betrieb könnte dann entweder der Klinikum Coburg GmbH übertragen werden, oder es wird für Neustadt eine neue gegründet, die dann entweder ein Tochterunternehmen von Regiomed sein könnte oder eins der Klinikum Coburg GmbH. Direkt unters Dach der Klinikum Coburg GmbH zu schlüpfen wäre für die Beschäftigten von Vorteil, erläutert Stephan Sartoris. Denn in der Klinikum Coburg GmbH gilt der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst, im Neustadter Krankenhaus nicht. Eine neu gegründete "Krankenhaus Neustadt GmbH" müsste lediglich alle bestehenden Verträge des Neustadter Krankenhauses ein Jahr lang erfüllen. "Das Richtige wäre aus meiner Sicht die Eingliederung in die Klinikum Coburg GmbH", sagt denn auch deren Betriebsratsvorsitzender Martin Lücke. Doch ob es dazu kommt, wusste er am Dienstag auch noch nicht. Sein Neustadter Amtskollege, der auch im Gläubigerausschuss des Neustadter Krankenhauses sitzt, wollte gestern zu dem Thema nichts sagen.