Coburg
Verunsicherung

Rettung der Bratwurst: Hat Monika Hohlmeier sich geirrt?

Vorige Woche noch Jubel über die gerettete Coburger Bratwurst, diese Woche sorgt sich der Obermeister der Fleischerinnung um die Wirkung der von der Europaabgeordneten angekündigten Maßnahmen. Sie aber bleibt zuversichtlich.
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Am Freitag vergangener Woche hat Monika Hohlmeier (rechts) auf dem Marktplatz eine Coburger Bratwurst gegessen und versprochen, sie als regionale Besonderheit zu retten. Foto: Helke Renner
Am Freitag vergangener Woche hat Monika Hohlmeier (rechts) auf dem Marktplatz eine Coburger Bratwurst gegessen und versprochen, sie als regionale Besonderheit zu retten. Foto: Helke Renner
Nach der ersten Euphorie um die Rettung der Coburger Bratwurst war der Obermeister der Coburger Fleischerinnung, Ralf Luther, zunächst gar nicht mehr so sicher, dass die Gefahr tatsächlich gebannt ist. Der Grund: Er hat sich die am vergangenen Freitag von der Europaabgeordneten Monika Hohlmeier (CSU) vorgestellte Änderung der Verordnung für die Höchstgehalte an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) und Benzo[a]pyren etwas genauer angesehen.

"In der Ausnahmeregelung für geräucherte Fleisch- und Wurstwaren stehen immer noch die Grenzwerte, die wir mit den über Kiefernzapfen gebratenen Würsten nicht erreichen", sagte er enttäuscht. "Das bringt uns kein Stück weiter." Erst ein Anruf von Monika Hohlmeier konnte seine Bedenken gestern etwas zerstreuen.

Zur Erinnerung: Die Europaabgeordnete hatte in der zurückliegenden Woche erläutert, dass die EU-Kommission bereit wäre, Deutschland in die Liste der Länder aufzunehmen, für die Ausnahmeregelungen gelten können. Denn: Eigentlich dürfen im Geräucherten seit dem 1. September dieses Jahres die Werte von 2,0 µg pro Kilogramm Benzo[a]pyren und 12,0 µg pro Kilogramm PAK nicht überschritten werden.

Für traditionelle regionale Produkte soll in einigen europäischen Ländern nun eine Ausnahme gemacht werden. Sie dürfen höhere Werte haben, aber nicht höher als 5,0 µg pro Kilogramm Benzo[a]pyren und 30 µg pro Kilogramm PAK. Und da genau liegt die Krux für Ralf Luther. "Das galt schon vor dem 1. September und genau das schaffen wir nicht oder nur in wenigen Fällen. Die Einflussfaktoren sind zu vielfältig." Kein Problem sieht er indes darin, die Bratwurst als geräuchertes Fleisch einzustufen. "Der Rauch ist bei der Bratwurst Bestandteil des Geschmacks."

Grenzwerte auf null fahren

Monika Hohlmeier nimmt die Sorge des Innungsobermeisters durchaus ernst, zerstreut sie aber: "Die Aufnahme Deutschlands und der Bratwurst in den angesprochenen Paragrafen der geänderten Verordnung wäre für die EU-Kommission die einfachste Lösung. Die dort angeführten Grenzwerte würden dann aber erst einmal auf null gesetzt und neu bewertet. Sollte es dennoch Bedenken bezüglich der Grenzwerte geben, dann besteht auch die Möglichkeit, eine Ausnahmeregelung speziell für Deutschland und die Bratwürste zu finden", sagt sie auf Tageblatt-Anfrage. "Die EU-Kommission gibt sich da sehr kompromissbereit." Es gehe vor allem darum, traditionelle regionale Produkte zu erhalten. Es gelte aber weiterhin das Gebot, die Grenzwerte so niedrig wie möglich zu halten.

Claudia Schuller, die Pressesprecherin des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsi cherheit (LGL) in Erlangen, bestätigt, dass "eine Initiative zur Änderung der einschlägigen EG-Verordnung angestrebt" wird. Über den Inhalt möglicher Änderungen könne aber vor deren Veröffentlichung nicht spekuliert werden.
Ralf Luther ist nun wieder etwas zuversichtlicher. Von der Neubewertung der Grenzwerte habe er nichts gewusst. "Wenn das aber umgesetzt wird, dann würde uns das freuen."


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