Fischbach
Haustiere

Reptilien sind keine Kuscheltiere für jedermann

Exotische Reptilien werden in deutschen Haushalten immer beliebter. Eine Züchterin aus Fischbach und der Arten-Rechtler vom Landratsamt warnen aber vor unüberlegten Kaufentscheidungen.
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Ungewöhnlich zutraulich: Jemen-Chamäleon Toni klettert gerne auf den Arm seiner Besitzerin.  Fotos: Thomas Heuchling
Ungewöhnlich zutraulich: Jemen-Chamäleon Toni klettert gerne auf den Arm seiner Besitzerin. Fotos: Thomas Heuchling
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Toni richtet seine beiden Augen auf sein Ziel. Er wartet einen kurzen Moment. Plötzlich schnellt seine Zunge heraus, der Ast, auf dem er sitzt, wackelt. Innerhalb weniger Milli sekunden ist das Schicksal der Heuschrecke besiegelt - sie ist im Maul des Jemen-Chamäleon- Männchens gefangen.

Bevor Toni und die anderen Tiere ihre Nahrung verspeisen können, wartet viel Arbeit auf ihre Besitzerin, die Hobbyzüchterin Verena Schwarz. Sie macht gerade Salat für Toni, Peggy und den Rest ihrer Lieblinge. Als nächstes hat Schwarz Heuschrecken in einem kleinen Eimer mit Vitaminpulver bestreut und schüttelt diesen durch.
"So rund zwei Stunden brauche ich am Tag, für Pflege, Fütterung und das Sauberhalten der Terrarien", sagt Schwarz. Zur Zeit ist es sogar noch etwas mehr. Denn einige Tiere von Schwarz haben Jungtiere bekommen. Wenige Zentimeter große Jemen- und Vierhorn-Chamäleons hängen in ihren Terrarien unter den Lampen und sind zwischen Blättern und Ästen kaum zu erkennen.



Die Vierhorn-Chamäleons sind sehr selten und auch entsprechend teuer. Sie stehen bei Schwarz zur Zeit in einem Gehege im Garten. "Diese Art ist in den Gebirgen Kameruns und Nigerias beheimatet und verträgt nur Temperaturen zwischen 16 und 24 Grad", erklärt die Züchterin. Neben den afrikanischen Hochlandbewohnern hat Schwarz unter anderem Bartagamen aus Australien, ein Paar Glattkopf-Leguane aus der Karibik, Jemen-Chamäleons wie Toni und ein Paar Panther-Chamäleons aus Madagaskar.

Verteilt auf zwei Räume, einem großen Terrarium im Wohnzimmer und zwei im Garten. "Mehr Platz darf ich auch nicht nutzen, sonst meckert mein Mann", scherzt Schwarz. Angefangen hat ihre Leidenschaft für die Welt der Reptilien vor sieben Jahren: "Mein Tierarzt hatte mich damals gefragt, ob ich drei Bartagamen aufnehmen könne und ich habe bejaht."

In der Zwischenzeit ist Chamäleon Toni auf den Arm von Verena Schwarz geklettert und schaut mit seinen beiden Augen in verschiedene Richtungen. "Seine Färbung verrät, dass er nicht sonderlich unter Stress steht. Je nach Gemütszustand haben manche Arten sehr spektakuläre Farben", erklärt Schwarz.

Toni klettert wieder in sein Terrarium. Ein kurzer Blick weg vom tropischen Wohnraum und wieder zurück: Toni ist nicht mehr zu entdecken. Für Kuschel-Freunde und Kurzentschlossene sind die anspruchsvollen Tiere nicht geeignet. "Es gibt viele Leute, die diese Tiere interessant finden und sich unüberlegt eines kaufen. Nach kurzer Zeit setzen sie die Tiere dann einfach aus. Diese haben in der Natur keine Überlebenschance", kritisiert Schwarz.

Dass der Trend im Haustierbereich in den vergangenen Jahren vermehrt zu Exoten geht, hat auch Tim Hofmann beobachtet. Er ist seit 2008 am Landratsamt zuständig für das Artenschutzrecht. "Der Verkäufer muss den Kunden zwar informieren, aber letztendlich ist der zukünftige Besitzer in der Pflicht sich über die Herkunft des Tieres abzusichern", sagt Hofmann. Er rät davon ab, sich Tiere auf den Reptilienbörsen zu kaufen: "Dort gibt es viele Trickser hinsichtlich der Nachweispapiere. Aber generell verteufeln sollte man die Börsen auch nicht", so der Artenschutz-Rechtler. Toni mampft derweil noch eine zweite Heuschrecke. Die nächsten gibt es erst wieder in einigen Tagen.

Das ist wichtig vor dem Kauf und bei der Haltung von Reptilien:

Vorher Vor dem Kauf sollte genau überlegt werden. Je nach Art werden Reptilien zwischen 6 und 12 Jahre alt.

Kosten Ein großes Terrarium verursacht im Jahr zwischen 100 und 150 Euro Stromkosten. Für Futter und Vitamine kommen monatlich rund 20 Euro dazu. Tierarztkosten sollten auch nicht vergessen werden.

Anschauen Reptilien sind keine Kuscheltiere. Sie sind stressanfällig und lassen sich nur ungern in die Hand nehmen. Beim Umgang mit Reptilien ist auf Hygiene zu achten.

Futter Viele Reptilien fressen Insekten, Gemüse oder Obst. Ekel vor Grillen oder Heuschrecken sollte man nicht haben.

Meldepflicht Einige Arten müssen bei der lokalen Naturschutzbehörde angemeldet werden. Bei Missachtung drohen Geldstrafen. Beim Kauf eines Tieres sollte man auf einen Herkunftsnachweis bestehen.

Internet Die Homepage von Verena Schwarz: www.reptilienzauberwelt.de
Das Landratsamt Coburg informiert über diese E-Mail-Adresse über die Haltung und Anschaffung von Reptilien: tim.hofmann@landkreis-coburg.de





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