LKR Coburg
Aufsichtsratssitzung

Regiomed: Millionenbeträge für Berater

Der kommunale Klinikkonzern steckt erstmals seit der Gründung 2008 in roten Zahlen. Helfen soll ein Verzicht auf Berater und Honorarkräfte.
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Das Klinikum Coburg ist das größte im Regiomed-Verbund. Foto: CT-Archiv
Das Klinikum Coburg ist das größte im Regiomed-Verbund. Foto: CT-Archiv

Beträge wurden zunächst nicht genannt: Nach der Sitzung von Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung am Donnerstag verschickte die Regiomed-Pressestelle am Freitag eine Mitteilung mit dem Titel "Regiomed stellt sich den Herausforderungen". Erst auf Nachfrage bestätigte die Regiomed-Pressestelle, dass im laufenden Jahr ein Defizit von 4,5 Millionen Euro erwartet wird. 2017 hatte Regiomed noch "ein ausgeglichenes Ergebnis" erwirtschaftet, wie mitgeteilt wurde. Für 2016 wies der Geschäftsbericht (zu finden im Bundesanzeiger) einen Überschuss von 12700 Euro aus.

Betont wird in der Pressemitteilung, dass Regiomed an der wohnortnahen Versorgung im Verbandsgebiet festhalten wolle. Das umfasst die Landkreise Coburg, Lichtenfels, Hildburghausen und Sonneberg sowie die Stadt Coburg: 380000 Einwohner, sechs Klinikstandorte.

Regiomed wolle sich auf sein Kerngeschäft konzentrieren und laufende Projekte fortführen, heißt es da. "Dazu gehören unter anderem diverse Neubauten, die Entscheidung zur Weiterentwicklung des Standorts Coburg und die Stärkung des medizinischen Nachwuchses durch die Medical School." Zu den "diversen Neubauten" gehören ein "Seniorencampus" (Alten- und Pflegeheim) am Coburger Postgelände; bei der "Weiterentwicklung des Standorts Coburg" ist ein Neubau auf dem ehemaligen BGS-Gelände die bislang von der Geschäftsführung bevorzugte Lösung. Begründung: Eine Sanierung mit Ausbau an der Ketschendorfer Straße wäre langwierig, genauso teuer, komplizierter und würde Beschäftigte und Patienten zusätzlich belasten. Allerdings stehen dafür Kosten von einer halben Milliarde Euro im Raum, und das hat die Coburger Kommunalpolitiker durchaus aufgeschreckt.

Die Projekte hatte Hauptgeschäftsführer Joachim Bovelet in die Wege geleitet, der im September überraschend ausgeschieden war. Unter Bovelet hatte Regiomed stets Umsatzsteigerungen vermeldet. Ende 2013 zunächst als Interimsgeschäftsführer geholt, wurde er 2014 zum Hauptgeschäftsführer bestellt und sollte es eigentlich so lange bleiben, bis sein designierter Nachfolger Alexander Schmidtke Mitte nächsten Jahres von Augsburg nach Coburg wechseln kann.

Schmidtke ist derzeit Vorstandsvorsitzender des städtischen Klinikums Augsburg, das in eine Uniklinik umgewandelt wird. Bis dahin wird Regiomed von den Geschäftsführern Johannes Brachmann (medizinisch), Thomas Hergt (kaufmännisch), Roy Hönemann (operatives Geschäft) und Michael Jung geleitet.

Schmidtke stehe bereits jetzt "im engen Austausch mit den Verantwortlichen", heißt es in der Pressemitteilung. Ihm wurde es auch überlassen, die nächsten Schritte anzukündigen: "Regiomed wird sukzessive die hohen Kosten für sogenannte Honorarkräfte im ärztlichen und pflegerischen Dienst durch ein regionales Medizin- und Personalkonzept einsparen. Des Weiteren werden zukünftig extern vergebene Aufträge vermehrt von eigenen Mitarbeitern übernommen. Die Einsparungen bei den Honorarkräften und bei den Rechts- und Beratungskosten liegen bei mehreren Millionen Euro und sind ein erster Konsolidierungsschritt."

Damit werden die Gerüchte bestätigt, dass hohe Beraterkosten zu dem Defizit beigetragen haben. 4,9 Millionen Euro wandte Regiomed 2018 insgesamt für Berater (2,5 Millionen) und Honorarkräfte (2,4 Millionen) auf. 2017 waren es insgesamt fünf Millionen Euro (3,9 für Berater und 1,1 für Honorarkräfte). Künftig will der Konzern nur "in gut begründeten Fällen auf externe Unterstützung zurückgreifen", heißt es in der Mitteilung. Dort ist auch zu lesen, dass die Gesellschafter (die Landkreise Lichtenfels, Hildburghausen, Sonneberg sowie der Zweckverband Klinikum Coburg) sich "für eine externe Begutachtung" der Situation des Verbunds aussprechen. Der Hildburghäuser Landrat Thomas Müller (CDU) wird als Vorsitzender der Gesellschafterversammlung mit den Worten zitiert: "Wir nehmen die Situation ernst, aber wir gehen von umfangreichen Handlungsoptionen aus, die konsequent durchgeführt, zu raschen Verbesserungen führen werden."

Alexander Schmidtke kündigt neben den Einsparungen bei Beratern und Honorarkräften eine "standortübergreifende Medizinstrategie" an, die 2019 erarbeitet werden soll und die Leistungs- und Ertragsseite verbessern soll. Ziel sei es, überregional Patienten zu gewinnen und die teilweise Abwanderung von Patienten aus dem Regiomed-Gebiet einzudämmen. Im März soll der Aufsichtsrat den Wirtschaftsplan freigeben, der weitere Maßnahmen zur Ergebnisverbesserung enthalten soll.

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