Coburg
SPD

Ratlosigkeit, Frust und Galgenhumor bei der SPD

Luftballons, SPD- und Bayernfähnchen: Der Saal im "Schwarzen Bären" in Beiersdorf war für eine Party dekoriert. Es wurde eher eine Trauerfeier.
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Betretene Miene bei Michael Busch (Mitte). Seine Niederlage zeichnete sich bereits früh ab. Foto: Simone Bastian
Betretene Miene bei Michael Busch (Mitte). Seine Niederlage zeichnete sich bereits früh ab. Foto: Simone Bastian

Die Hoffnung starb zwar zuletzt, aber beizeiten: Als um 18.30 Uhr die ersten Wahlergebnisse über coburg.waehlt.de aufgerufen werden konnten, lag CSU-Konkurrent Martin Mittag schon deutlich vor Michael Busch. Zwischenzeitlich, da nur Ergebnisse aus den Wahllokalen der Stadt eingespeist wurden, hatte sogar die Grünen-Kandidatin Ina Sinterhauf mehr Stimmen als Busch. Der tröstete sich mit dem Gedanken, dass ihn die Wähler offensichtlich als Landrat behalten wollen.

Grund zum Feiern gab es im "Schwarzen Bären" also am Sonntagabend nicht. Busch hatte dort kurzfristig den Saal reserviert, anstatt im Willy-Brandt-Haus in der Stadt Coburg aufs Ergebnis zu warten, wie es die Genossen sonst tun.

Allerdings stand im Saal weder ein Fernseher noch eine Leinwand zur Verfügung. Als um kurz nach 18 Uhr die ersten Hochrechnungen veröffentlicht wurden, scharten sich die Anwesenden um Buschs Ipad. Busch gab die Zahlen dann per Mikrophon im Saal bekannt. "Zehn Prozent für die SPD", hieß es da noch. Als die ersten Statements aus den Parteien kamen, hielt Busch kurzerhand das Mikrophon ans Ipad, damit wenigstens jeder mithören konnte, wenn es schon nichts zu sehen gab.

Doch schon bevor die ersten Hochrechnungen kamen, war für den Vorsitzenden des Coburger Stadtverbands, Stefan Sauerteig, klar, dass das Wahlergebnis Konsequenzen haben müsse. Die Außendarstellung der SPD sei sehr schwach gewesen, die Glaubwürdigkeit der Partei habe durch die Arbeit der Koalition in Berlin gelitten. "Die Leute wollen wissen, wofür wir stehen. Wir brauchen eine Vision", sagte Sauerteig. "Wir haben gute junge Leute. Man muss sie aber auch ranlassen." Der Wahlkampf in Coburg selbst sei gut gelaufen, betonte er. Noch am Vorabend seien die Jusos "bis nachts um zwei" mit Busch und dem Bezirkstagskandidaten Frank Rebhan im Steinweg unterwegs gewesen, berichtete Sauerteig. "Wir haben Feuerzeuge, Kondome und Lollis verteilt", sagte Busch. Doch nicht alle Parteimitglieder zeigten sich so motiviert wie die Jusos, wie Busch kritisch feststellte. "Einige Ortsvereine habe ich im Wahlkampf deutlich vermisst."

Die schlechten Umfragewerte für die SPD könnten sich da auf die Motivation ausgewirkt haben, stellte Busch fest. "Zu viele Sozialdemokraten waren nicht mehr couragiert, haben sich verdrückt und versteckt", sagte Frank Rebhan. Carsten Höllein, Vorsitzender des SPD-Kreisverbands, kündigte an, man werde auch "vor Ort die Strukturen überdenken". Schließlich wolle die SPD bei der Kommunalwahl 2020 ihre Stärke erhalten.

"Das Direktmandat war mein Ziel", sagte Busch. Das hätte ihm in der SPD eine starke Position verschafft. Er sei nun "enttäuscht und frustriert", dass es nicht geklappt habe. "Ich bin bei Umfragewerten von 16 Prozent eingestiegen und habe gehofft, dass es noch mal 18 oder 20 werden. Aber unter zehn Prozent - das ist eine Katastrophe." Ob Busch noch Chancen hat, über die Liste in den Landtag zu kommen, wird sich erst im Lauf des Montags zeigen. Dann steht fest, wie viele Ausgleichsmandate geschaffen werden müssen, wenn die CSU alle Direktmandate gewonnen hat.

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