Neustadt bei Coburg
Besichtigung

Rathaussturm der besonderen Art in Neustadt

Beim Tag der offenen Baustelle im Neustadter Rathaus zeigte sich, dass die energetische Sanierung des Gebäudes in vollem Gange ist.
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Elektrokabel sind für die weitere Verlegung vorbereitet. Foto: Manja von Nida
Elektrokabel sind für die weitere Verlegung vorbereitet. Foto: Manja von Nida
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Neustadts Oberbürgermeister Frank Rebhan (SPD) wird den Blick aus seinem Arbeitszimmer auf die Dächer der bayerischen Puppenstadt nach der Rathaussanierung nicht missen müssen. Das Oberbürgermeisterzimmer bleibt, wo es war, im 2. Obergeschoss. Auch die Stadträte werden an gleicher Stelle ihre Plätze im großen Sitzungssaal oben wiederfinden. Die Braut darf sich allerdings dann bereits im Erdgeschoss vom Bräutigam "über die Schwelle" ins Trauzimmer tragen lassen. Und Diplom-Bibliothekarin Brigitte Rößler-Reuß erhält ein großzügiges Leseparadies mit ganz viel Tageslicht. Am Samstag konnten die Neustadter beim "Tag der offenen Baustelle" schon einmal einen Blick ins Innere erhaschen.

Noch steht das umhüllte, innen inzwischen völlig entkernte Neustadter Rathaus wie ein gerade aufgestelltes Fertighaus da. Die Innenarbeiten laufen, das Innenleben nimmt Formen an. Momentan wirkt der gesamte Innenbereich derzeit wie ein noch nicht vollendetes Großraumbüro. Kabel und Strippen hängen an den Decken, aufgestellte Streben werden noch Wände erhalten. Wichtige Funktionsleitungen für Kabel- und Leitungstrassen sind verlegt und mit Isoliermaterial umhüllt. Nur die erkennbaren Treppen sind geblieben, alles andere ist weg, nichts erinnert mehr an früher.

Wie in einer Tropfsteinhöhle

Oft wurde OB Rebhan von Neustadts Bürgern auf der Straße angesprochen, wie die Sanierungsarbeiten im Rathaus laufen würden. Also organisierte OB Rebhan mit seinem Bauamt samt Planern und Architekten einen "Tag der offenen Baustelle" und führte durch die Baustelle, informierte und beantwortete Bürgerfragen. "Es hat sich schon einiges getan", sagte OB Rebhan dem interessierten Publikum. Dieses Rathaus sei schon fast 50 Jahre alt, "und war dringend sanierungsbedürftig, zwar sowohl in energetischer wie auch in baulicher Hinsicht". Rebhan sagte, man habe ihm bei seinem Amtsantritt gesagt, am Rathaus müsste was gemacht werden. Damals hätte die Stadt dies selbst bezahlen müssen. Stark geschädigter Sichtbeton der Außenfassade, großflächige, schlecht gedämmte Fensterelemente, überalterte Heizungsanlage mit Leitungsführungen, überalterte Ver- und Entsorgungssysteme von Strom, Trinkwasser, Datenleitungen, Kanal, verschlissene Büro- und Flurtrennwände, Dacheindeckung und vieles mehr mussten auf Vordermann gebracht werden. "Es war schon so, dass wir Tropfsteinhöhlen hatten. Die Schädigungen gingen viel tiefer, als ursprünglich gedacht."

Größere Flächen der Außenfassade mussten mit den Hochdruck-Wasserstrahllanzen bearbeitet werden. Rebhan dankte den Anwohnern und Gewerbetreibenden für ihre monatelange Geduld aufgrund der sehr lauten Fassadenarbeiten. Es werde eine Innendämmung statt einer Außendämmung erfolgen.Daher hätten sich die Proportionen im Inneren des Rathauses verschoben. Aus dem kommunalen Investitionsprogramm und aus Mitteln der Städtebauförderung gebe es erhebliche Fördergelder, dankte Rebhan den zuständigen Regierungsstellen. "Aber wir müssen auch selbst aktiv in die Tasche greifen. Es war zumindest nicht schädlich, dass ich in den Vergabegremien gesessen habe. Ohne diese Fördergelder wäre dieses Vorhaben für die Stadt nicht finanzierbar. Unser Verdienst ist, dass wir da sehr schnell und tief in die staatlichen Kassen gegriffen haben. Wir kriegen so um die fünf Millionen dafür", sagte Rebhan. Bei einer Summe von über 11 Millionen würden 6 Millionen bei der Stadt bleiben. "Aber nur mit dieser Förderung war es überhaupt möglich, das durchzuführen. Gab's früher alles nicht."

Ende 2019 fertig?

Die Innenausbauarbeiten laufen auf vollen Touren. Die Innendämmung an den Außenwänden wurde im 1. OG fertiggestellt. Restliche Fensterelemente im 2. OG folgen in den nächsten Wochen. Die Betonsanierungsarbeiten in der Tiefgarage würden im Zeitplan liegen. Sanierungsarbeiten der Sichtbetonaußenfassaden wie auch die Dacheindeckung würden witterungsabhängig in den nächsten Wochen fortgeführt und abgeschlossen. Sobald die restlichen Innenausbaugewerke (Fliesen/Bodenbeläge) termingerecht vergeben und die Innenausbauarbeiten ohne größere Probleme weiterlaufen, könne das Rathaus wie ursprünglich geplant, Ende 2019, fertiggestellt werden.

Bevor die halbstündigen Führungen erfolgten, gab Architekt Marcel Ebert vom Coburger Architekturbüro Eichhorn noch ein paar Informationen: "Das Erdgeschoss hat natürlich die größte räumliche Veränderung und auch die wichtigste für Sie. Denn hier hat der Bürger, vom Marktplatz kommend, den direkten Zugang." Alles werde modern, mit unterschiedlicher Nutzung. Da gelte es auch, die Schmuddelecken ein bisschen auszuräumen und einen großen Raum zu schaffen. Viel Licht und Transparenz wolle man hineinkriegen. "Wo ich jetzt stehe, da stehen dann Braut und Bräutigam", so Ebert. 1969 sei hier der Grundstein gelegt worden. "Es ist ein hervorragendes Bauwerk als Kind seiner Zeit. Die Architekten hatten sehr viel Gespür."

Mediathek doppelt so groß

Stadtbauamtsleiter Richard Peschel führte ebenso durch die Stockwerke. "Wir haben viel Glas, wie Sie sehen. Das Rathaus war also eine Energieschleuder. Es war alles reif, da gibt es viel Verschleiß, zumal ein öffentliches Gebäude viel genutzt wird. Wir haben Sanierung energetisch gehabt, haben Verschleiß gehabt." Die Außenhülle werde in den nächsten Wochen fertiggestellt. Anschließend erklärte Peschel einzelne Details zu allem. "Die Mediathek wird doppelt so groß sein und es wird der Innenhof mitgenommen und überdacht. Wir haben jetzt so Riesenprojekte, die alle fünfzig Jahre passieren. Jetzt wird die Stadt noch mit dem Marktplatz umkrempeln anfangen und die Heubischer Schule wartet auch darauf".

Brigitte Rößler-Reuß sagte: "Das wird sehr schön, ich werde doppelt so viel Platz bekommen, da werden vor allem die Kinder mehr Platz bekommen. Es war vorher schon alles recht eng, wenn wir hier Publikum zu Veranstaltungen hatten. Wir kriegen ja einen richtig großen Multifunktionsraum. Ich hoffe nur, dass die Beleuchtung genauso gut sein wird."

Richard Peschel sagte: "Ich bin begeistert. Von der Bauleitung ist das nicht unbedingt ganz einfach. Wir sind bei dieser Baustelle mit 11 Millionen, die für die Stadt Neustadt gewaltig ist, und für uns auch als Bauamt. Wir sind ja nicht München oder Nürnberg. So ein Ding zu machen, ist schon an den Grenzen unserer Leistungsfähigkeit. Da brauchen wir Unterstützung, die wir über das Architekturbüro Eichhorn mit Architekt Ebert haben. Und insgesamt sind zehn Fachingenieure hier tätig. Für alles braucht man Spezialisten, denn alles kann man selbst als Architekt nicht mehr. Wir haben hier auch 20 Gewerke. Das muss alles koordiniert werden. Wir hatten ja auch Probleme mit den Vergaben, die ausgeschrieben wurden, teilweise europaweit , weil sich niemand meldete. Wir sind sehr froh, über 80 Prozent aller Leistungen sind vergeben. Viel könnte nicht mehr passen, dass wir so gegen Ende des Jahres einziehen können, ist unser Plan.

Ingrid Matthes: "Die Führung hat mir sehr gut gefallen. Wir haben uns ja im Anfang alle gefragt, ob das schon sein muss mit der Sanierung. Wenn ich denke, mein Haus ist schon 160 Jahre alt, ein Fachwerkhaus. Da ist natürlich andauernd was dran. Gut, früher war eben die Bauweise anders.Und auch die Stadt muss ihre Gebäude pflegen. Ein Rathaus ist auch klein wenig eine Visitenkarte."

Robert Matthes: "Die Leute, die hier arbeiten, sollen sich ja auch recht wohlfühlen. Ist viel Geld, wird dafür aber auch wunderschön."

Elisabeth Hofmann: "Ich finde es wunderbar, denn Neustadt profitiert ja nur davon. Wirklich, ich bin stolz auf das Gemachte und das Moderne ist zeitgemäß, wunderbar, es wird ein Kunstwerk."

Zweite Bürgermeisterin Elke Protzmann (CSU): "Das rege Interesse heute zeigt, dass das Rathaus für die Neustadter eine große Bedeutung im Zentrum unserer Stadt hat. Alles, was sich da bewegt, ist natürlich von hohem Interesse. Und es ist ja mehr recht und billig, dass man die entsprechende Information dazu gibt. Und die Bürger mit einzubinden, ist ja nie verkehrt."

OB Rebhan: "Ich nicht überrascht, dass das Interesse heute so groß war, weil ich ganz viel auf den Rathausumbau angesprochen worden bin. Die Neustadter haben ja nix gesehen, weil ja alles verhängt worden ist, und waren heute natürlich ganz stark interessiert, was da drinnen eigentlich passiert."

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