Coburg

Rasantes Tenor-Wirrwarr am Landestheater Coburg

Wie Gastregisseur Felix Seiler das Musical "Otello darf nicht platzen" als Erstaufführung in Coburg auf die Bühne des Landestheaters bringen will.
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Proben-Impressionen aus dem Landestheater: Gast-Regisseur Felix Seiler inszeniert die Coburger Erstaufführung des Musicals "Otello darf nicht platzen".Foto: Jochen Berger
Proben-Impressionen aus dem Landestheater: Gast-Regisseur Felix Seiler inszeniert die Coburger Erstaufführung des Musicals "Otello darf nicht platzen".Foto: Jochen Berger
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Beinahe-Katastrophen können manchmal zum Glücksfall werden - im Rückblick betrachtet. Vor allem dann, wenn sie sich im Theater ereignen und aus dem dramatisch erscheinenden Notfall unvermutet eine Bewährungsprobe mit Happy-End-Potenzial wird.

Auf vielen Bühnen erfolgreich

Genau davon handelt die Boulevard-Komödie "Otello darf nicht platzen, die ihrem Autor Ken Ludwig seit der Uraufführung 1986 in London einen durchschlagenden Erfolg auf vielen Bühnen bescherte - auch am Landestheater Coburg.

Viele Verwicklungen

Die verwicklungsreiche Geschichte um den Star- Tenor Tito Merelli (Dirk Mestmacher), der am Abend der ausverkauften "Otello"-Vorstellung, für die er als Gast verpflichtet wurde, plötzlich ausfällt - diese Geschichte kehrt nun nach Coburg zurück. Freilich nicht als Boulevard-Komödie, sondern als Musical, das auf dieser Komödien-Vorlage basiert. Erst 2013 erlebte das Musical seine deutsche Erstaufführung in Leipzig.

Gast-Regisseur inszeniert

Als Gast-Regisseur wird sich der junge Theatermacher Felix Seiler mit dieser Erstaufführung erstmals in Coburg vorstellen. Seiler vertraut in seiner Inszenierung ganz bewusst auf die inneren Mechanismen des in den 1930er Jahren in Cleveland spielenden Stückes. Das zeigte die Soiree im Landestheater, die erste Einblicke in die Produktion gewährte.

Im Geist der 30er Jahre

In der Zeit der 30er Jahre belässt auch Ausstatter Nikolaus Webern das Musical, der sich von "Otello"-Inszenierungen aus jener Zeit inspirieren ließ. "Otello darf nicht platzen" spielt dabei auf der fleißig in Bewegung gehaltenen Drehbühne des Landestheaters in wesentlichen Teilen in einer Hotelsuite sowie auf der Theaterbühne von der Probe bis zur am Ende umjubelten Aufführung.

Gutes Timing ist wichtig

Doch vor dem Happy End stehen in dieser turbulenten Musical-Komödie viele Verwirrungen und Verwechslungen. Unterhaltungstheater als leichte Übung für die Interpreten? Von wegen! "Bei diesem Stück kommt es sehr auf gutes Timing an", betont Dramaturgin Dorothee Harpain: "Jede Pointe muss sitzen". Mehr noch: Diese Coburger Erstaufführung ist in jeder Hinsicht eine große Produktion - eine spartenübergreifende zudem.

Schauspiel und Ballett dabei

Denn neben Darstellern des Musiktheaters samt Chor ist auch die Schauspielsparte mit Stephan Mertl als Opern-Impresario Henry Saunders und Lean Fargel als sein Assistent Max Garber beteiligt. Und das Ballett (Choreographie: Tara Yipp) soll dabei helfen, der Produktion Glamour zu verleihen.

Türen spielen wichtige Rolle

Noch gut eine Woche bleibt dem jungen Produktionsteam Zeit, um an den entscheidenden Details zu feilen. Zu diesen Details zählen übrigens Türen - Türen für viele Auf- und Abtritte, die möglichst präzis einstudiert sein wollen. Denn das Ziel ist unmissverständlich klar: "Otello darf nicht platzen."

Sie bringen "Lend Me a Tenor" in Coburg auf die Bühne

Premieren-Tipp "Otello darf nicht platzen (Lend me a Tenor)"

- Musical von Peter Sham (Buch und Gesangstexte) und Brad Carroll (Musik) nach der Komödie von Ken Ludwig | Deutsche Übersetzung von Roman Hinze - Samstag, 18. Januar, 19.30 Uhr, Landestheater Coburg Termine 23. Januar, 19.30 Uhr, 26. Januar, 15 Uhr, 4., 6., 21., 28. Februar, 4., 7., 11. März, 4., 13. April, 23. Mai, 20. Juni, jeweils 19.30 Uhr Produktions-Team Musikalische Leitung: Roland Fister; Chorleitung: Mikko Sidoroff;

Inszenierung: Felix Seiler; Bühne und Kostüme: Nikolaus Webern;

Choreografie: Tara Yipp; Lichtregie: Andreas Rehfeld

Besetzung Henry Saunders: Stephan Mertl

Max Garber: Lean Fargel

Diana Divane: Dimitra Kotidou

Maggie Saunders: Veronika Hörmann

Tito Merelli: Dirk Mestmacher

Maria Merelli: Emily Lorini

Ballett des Landestheaters Coburg; Chor des Landestheaters Coburg; Philharmonisches Orchester Landestheater Coburg

Felix Seiler wurde in Stuttgart geboren. Von 2004 bis 2009 studierte er Musiktheater-Regie an der Theaterakademie Hamburg. Ab 2009 arbeitete er zunächst an der Staatsoper Hannover und von 2011 bis 2017 an der Komischen Oper Berlin. Eine enge Zusammenarbeit verbindet ihn dort mit dem Intendanten und Chefregisseur Barrie Kosky, dem er beispielsweise bei "Monteverdi-Zyklus", "West Side Story", "Castor und Pollux" und "Ball im Savoy" und "Onegin" assistierte. Weitere Arbeiten führten ihn bisher zur Opera Australia an das Sydney Opera House, die English National Opera und das Royal Opera House Covent Garden London.

Auszeichnungen Felix Seiler ist Alumnus der "Akademie Musiktheater Heute" der Deutschen Bank Stiftung und stand 2011 im Semi-Finale des Ring Awards Graz, sowie 2015 im Finale des Europäischen Opernregiepreises in Madrid.

Karriere Eigene Regiearbeiten verwirklichte er beispielsweise an der Opera stabile der Hamburgischen Staatsoper ("Allemonde"), bei der Biennale für Zeitgenössische Musik in München, bei den Kunstfestspielen Hannover Herrenhausen, an der Komischen Oper Berlin ("Les Enfants Terribles", "Der Zauberer von Oz"), der Tischlerei der Deutschen Oper Berlin, am Stadttheater Bremerhaven ("Die Herzogin von Chicago", "Der Graft von Monte Christo"), den Schlossfestspielen Ettlingen ("Der Mann von La Mancha"), dem Theater für Niedersachen Hildesheim ("Death in Venice") und dem Theater Osnabrück ("Alice im Wunderland", "The Addams Family" und "Die Blume von Hawaii").

Aktuell In der laufenden Spielzeit 2019/2020 führen ihn neue Projekte zurück ans Theater Osnabrück ("Comedian Harmonists") und erstmalig ans Theater Heidelberg ("Im weißen Rössl").red

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