Coburg
Strafprozess

Räuberische Erpressung in Coburg: Haftstrafe oder weitere Therapie?

Der Angeklagte bedrohte einen Mann mit einer abgebrochenen Flasche. Weil diese eine Art Waffe ist, wird in Coburg wegen räuberischer Erpressung verhandelt.
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Weil er im vergangenen Sommer einen jungen Mann mit einer abgebrochenen Flasche bedroht und  ihm Handy und Geld weggenommen hat, steht ein 24-jähriger Coburger wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung vor der Dritten Großen Strafkammer am Landgericht Coburg. Foto: Jochen Berger
Weil er im vergangenen Sommer einen jungen Mann mit einer abgebrochenen Flasche bedroht und ihm Handy und Geld weggenommen hat, steht ein 24-jähriger Coburger wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung vor der Dritten Großen Strafkammer am Landgericht Coburg. Foto: Jochen Berger

Weil er im vergangenen Sommer einen jungen Mann mit einer abgebrochenen Flasche bedroht und ihm Handy und Geld weggenommen hat, steht ein 24-jähriger Coburger wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung vor der Dritten Großen Strafkammer am Landgericht Coburg.

Kurz nach der Tat habe er sich gedacht: "Was hast du jetzt wieder für einen Mist gemacht!", beschreibt der Angeklagte seine damalige Gefühlslage. Womöglich war das auch der Grund, weshalb er einen Teil der knapp 20 Euro Beute wieder zurückgab und sich zuletzt mit einem (bereits defekten) Mobiltelefon und knapp vier Euro vom Tatort entfernte.

Ein Mix aus Alkohol und Drogen hatte den jungen Mann an jenem Abend im Juli 2018 derart vernebelt, dass er sich zu dieser Tat hinreißen ließ. Mit ungefähr zwei Promille im Blut und einem knurrenden Magen habe er das 18-jährige Opfer am Bahnhofsplatz angesprochen, den Mann abgedrängt und in eine dunkle Ecke gezogen. Er habe Hunger gehabt und selbst kein Geld mehr, so erklärte er. Der Geschädigte war mit Freunden vom Kino unterwegs zum Bahnhof, um die Heimfahrt anzutreten.

Dann ging alles schnell. Der Angeklagte habe dann eine fast leere Weinflasche, die er bei sich trug, an einem Betonpoller abgeschlagen, den jungen Mann mit dem Flaschenhals bedroht und zur Herausgabe von Bargeld sowie des Handys aufgefordert. Dieser leerte seine Börse in die Hände des Angreifers und übergab auch das Telefon. "Ich hatte Angst, dass ich verletzt werde", so der Geschädigte, "deshalb habe ich gemacht, was er gesagt hat".

Er hatte etwas Mitleid mit dem Opfer

Kurz darauf erfassten den Täter dann doch Reuegefühle, denn er gab dem Bestohlenen 15 Euro wieder zurück. "Er meinte, er sei kein schlechter Mensch und ich müsse ja auch irgendwie mit dem Zug nach Hause kommen", berichtet der junge Mann.

Wenig später wurde der Täter von einer Streife festgenommen. Derzeit macht er eine Therapie im Allgäu. Dort ist er in ein Projekt einbezogen, das Suchtkranke in landwirtschaftliche Familienbetriebe eingliedert. Sie müssen im Bauernhaus mit der Familie leben, hart arbeiten und absolut abstinent sein, um so ihre Sucht in den Griff zu bekommen und eine Perspektive für die Zukunft zu erlangen. Diese Maßnahme absolviert der Beschuldigte, weil er bereits mehrmals wegen eines Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz und anderer Delikte auffällig war und Auflagen bekommen hatte.

Vor Gericht erscheint ein gefasster und durchaus einsichtiger Mann, der sich mehrmals entschuldigt und beteuert, dass er ab jetzt sein Leben in den Griff bekommen möchte. Die Arbeit auf dem Hof, die Gespräche mit den Therapeuten hätten ihm sozusagen den roten Faden gezeigt. Knapp drei Monate ist er nun dort und soll noch mehrere Monate in dem landwirtschaftlichen Betrieb bleiben, um Abstinenz und Lebensperspektive abzusichern.

Wie geht es weiter?

Sein Fehlverhalten vom vergangenen Juli könnte ihm da allerdings einen Strich durch die Rechnung machen. Wenn auch die Beute letztendlich nur 3,59 Euro betrug, so hatte er doch einen Menschen mit einem gefährlichen Gegenstand bedroht und beraubt. Das Strafmaß für diese Tat bewegt sich zwischen einem und zehn Jahren Haft, bei besonders schwerem Raub sogar nicht unter fünf Jahren. Damit wären alle bisherigen Bemühungen auf dem Bauernhof zunächst einmal dahin.

Gutachten lässt einiges offen

Deshalb wurde auch Gutachter Majd Chahoud zur Abhängigkeitserkrankung des Angeklagten gehört. Das Gutachten ließ zuletzt offen, ob der junge Mann nun an einer Alkohol- oder Drogensucht oder sogar an einer mehrstofflichen Sucht leidet. Laut Gutachter bestünde wohl eine Neigung, in manchen Punkten seien auch die Kriterien einer Sucht erfüllt, zum Tatzeitpunkt wolle er jedoch zwischen Sucht und Tat keinen Kausalzusammenhang herstellen. Insgesamt ließ das Gutachten etliche Fragen unbeantwortet oder nur vage beantwortet stehen.

Besonders Verteidiger Till Wagler überlegte deshalb, ob er es so akzeptieren wolle. "Für meinen Mandanten ist das nicht unerheblich, denn für ihn geht es um Haft in einer Justizvollzugsanstalt oder um Unterbringung in einem Krankenhaus mit Auflage zur Therapie", sagte Wagler. Wagler erklärte, dass der junge Mann vielleicht gerade jetzt auf dem richtigen Weg sei. Diese außergewöhnliche Suchttherapie in Form einer Arbeitstherapie trage erste Früchte. Verurteilte man ihn nun zu einer mehrjährigen Haftstrafe, wäre dieser Weg unterbrochen. Er forderte zwei Jahre auf Bewährung und Unterbringung in einer Entzugsklinik, falls sein Mandant die bereits begonnene Therapie auf dem Bauernhof nicht zu Ende bringen würde, dazu eine möglichst lange Bewährungszeit.

Die Staatsanwaltschaft hielt dem Angeklagten zugute, dass er geständig war und seine Schuld einsah. Auch der eigentliche Schaden sei sehr gering. Dennoch habe er einen Menschen bedroht und beraubt. In ihrer Forderung legte die Staatsanwaltschaft das Vorliegen einer Abhängigkeit und Suchterkrankung zugrunde und forderte zwei Jahre und sechs Monate, was bedeuten könnte, dass der Angeklagte seine laufende Therapie abbrechen und möglicherweise in den Maßregelvollzug in geschlossenem Rahmen müsste.

Das Urteil soll am Mittwoch um 8.30 Uhr gesprochen werden.



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