Es beginnt harmlos: "Man probiert das BMX-Rad vom Freund aus", sagt Fabian Müller. So hat er es gemacht, vor gut fünf Jahren. Da war er 15. Für einen BMX-Fahrer ist das relativ spät. Doch er holte den Rückstand schnell nach. Heute macht ihm bei Footjams (Balancieren auf dem Vorderrad) und Tailwhips (das Rad wird in der Luft gedreht) so leicht keiner mehr was vor. Im Juli darf er bei den Weltmeisterschaften in der Klasse der "Fortgeschrittenen" starten, der Klasse für Halbprofis. Dafür qualifizierte er sich beim Vorausscheid in Köln, wo er gegen 48 Konkurrenten den zehnten von zehn möglichen Starterplätzen ergatterte.


Arbeitseinsätze organisieren



Vor drei Jahren holte Markus Grempel Fabian Müller in sein "Fun-Box"-Team. Grempel fuhr früher selbst bei BMX-Wettbewerben, war 1993 und 1996 Weltmeister in der Half-Pipe. "Die Fun Box unterstützt uns mit Klamotten und Teilen, dafür fahre ich bei Contests im Fun-Box-Trikot", erzählt Müller. Er ist derzeit der einzige BMX-Fahrer im Team. "Wir haben noch drei Skateboarder, und einer fährt Scooter." Nebenbei engagiert sich Fabian Müller bei den Coburg Locals (früher Freie Turner). Als dritter Vorsitzender ist er für den Bereich Funsport und damit auch für die Skate- und BMX-Anlage an der Rodacher Straße verantwortlich. Unter anderem muss er die Arbeitseinsätze organisieren. "Es ist schwer, die jungen Fahrer zu motivieren, selbst was zu bauen", seufzt er.


Zuständig für die Bahn


Auf dem Skatepark ist Fabian Müller in fast jeder freien Minute zu finden. Auf den Rampen und in den Half-Pipes tummelt sich alles, was Rollen oder Räder unterm Hintern oder unter den Füßen hat: BMX-Fahrer, Skater und Rollerfahrer. Immerhin verfügt Coburg derzeit über Deutschlands größten Skatepark, "solange Berlin umgebaut wird", erzählt Müller.
Natürlich kennt Fabian Müller auch die Bahn in Berlin. Die Szene trifft sich bei den Wettbewerben, und Müller, den alle "Flori" nennen, hat sich da schon einen Namen gemacht. "Ich bin jedes Jahr in ganz Deutschland auf Contests unterwegs." Die German Open finde ja seit zwei Jahren nicht mehr statt, bedauert er. Aber es gebe ja noch den "Dead Sailor Jam" in Mühlhausen und "Highway to Hill" in Berlin, wo er regelmäßig bis ins Finale komme.


Keine Hand mehr am Lenker



Um den Startplatz bei der WM konkurrierten in Köln nicht nur deutsche Fahrer. "Sogar aus den USA war einer da. Die Australier und Amerikaner sind ja noch verrückter als wir", erzählt Fabian Müller. Immerhin: Höher als er springen nur wenige. "Ich habe die Tricks wesentlich höher als die anderen Teilnehmer gemacht, wie den Tailwhip und den No Hander, wo man in der Luft keine Hand mehr am Lenker hat. Ich beherrsche diese Tricks auch wesentlich sicherer als andere Fahrer", sagt der 20-Jährige selbstbewusst.

Erstes Rad vom Taschengeld


Vom BMX-Sport leben kann in Deutschland fast keiner. Im normalen Leben arbeitet Fabian Müller als Mechatroniker bei Lasco. Sein erstes Rad sparte er sich vom Taschengeld zusammen. Da konnten die Eltern gegen den Sport nicht mehr viel einwenden - höchstens, dass er nicht ungefährlich ist. Sein schlimmster Unfall, sagt Müller, sei der erste gewesen, mit einem Nasenbeinbruch. "Man lernt, zu fallen."


"Davon leben kann man nicht"




Vorgaben gibt es beim Freestyle-BMX nicht. Die Fahrer müssen die vorhandenen Rampen nutzen und ihre Tricks zeigen. Was sie vorführen, in welcher Reihenfolge und in welcher Kombination, ist ihnen überlassen. Für die WM wird in Köln eigens ein neuer Park aufgebaut, so dass alle die gleichen Startvoraussetzungen haben.
Gut abschneiden wolle er, bis zur WM noch einige neue Tricks lernen, sagt Müller, und "irgendwann zur Top-Elite Deutschlands gehören". Sein Sport wird ein Hobby bleiben, "davon leben kann man nicht".