"Coburg war klasse!", erinnert sich zum Beispiel Matti Popesko. Der Erlanger ist wie die meisten Fahrer der Spitzengruppe Wiederholungstäter. Die "Quäl Dich!"-Tourhat ihren Namen vom berühmt gewordenen Anfeuerungsruf von Udo Bölts. Mit diesem Satz jagte er den damals schwächelnden Jan Ullrich bei der Tour de France einen Anstieg der Vogesen hinauf.
Nun, Jan Ullrich ist als Rennrad-Wettkampffahrer Geschichte. Aber jeder, der Rennrad fährt, erlebt irgendwann, was es heißt, sich einen Anstieg hinauf zu quälen. Daraus haben die Organisatoren der "Quäl Dich!"-Tour ein Prinzip gemacht: Sie radeln durch Deutschland und nehmen dabei die steilsten Bergauffahrten mit, die sie finden können. Das Motto lautet "Berge statt Doping", und die erste Tour wurde als Ersatz für die abgesagte Deutschlandtour der Radprofis gestartet. Engagierte Hobbyfahrer, "für die das gemeinsame Erlebnis einer Tour durch die deutschen Mittelgebirge mehr zählt als ein mit pharmakologischer Hilfe gewonnener Wettstreit" (so steht's im Netz), ließen die Idee einer nationalen Rundfahrt wieder auferstehen
In diesem Jahr führt die Tour durch Süddeutschland von Füssen nach Dresden. Coburg war am Donnerstag Etappenort zwischen Bad Alexandersbad und Hof. "Coburg ist deswegen dabei, weil's Coburg ist", sagt Oliver Krieg. Er gehörte wie Popesko zur Spitzengruppe, die zuerst in Coburg eintraf. Die "Quäl Dich!"-Tour ist keine Wettfahrt, es geht schlicht ums Bestehen. Die besten Fahrer starten zuerst, dann die nächsten Gruppen in fünfminütigem Abstand. Abends liegen dann bis zu drei Stunden zwischen den ersten und den letzten Ankömmlingen.
Diesmal bilden angehende Physiotherapeutinnen der Medauschule das Coburger Begrüßungskomitee und massieren den Männern Oberschenkel und Waden. "Luxus!", seufzt Matti Popesko genießerisch. Das Programm danach: "Duschen und Tour de France schauen", sagt einer, der sich gerade auf der Massageliege niederlässt. Auf seinem Trikot steht "Hauptsache bergauf!"
Sehr gequält wirken die Männer nicht, die da auf den sechs Massageliegen stehen. Sie scherzen, fragen ihre Physiotherapeutinnen, die kurz vor dem Abschluss stehen, nach deren Zukunftsplänen aus. Nur Oliver Krieg verzieht kurz das Gesicht, als Janina Wittkopp gezielt in seine Wadenmuskeln greift. "Ja, die sind hart." So ganz ohne waren die 1930 Höhenmeter zwischen Bad Alexandersbad und Coburg denn doch nicht.