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Coburg
Corona

Pufferzonen in der Gaststätte

Volle Stornierungs-Ordner, kaum mehr Reservierungen: Die Gastronomen und die Hoteliers der Region bekommen die Folgen der aktuellen Pandemie unmittelbar zu spüren. Politische Forderungen und besondere Konzepte sind die Folge.
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Tina Raab (links) lässt immer einen Tisch als Puffer zwischen den Gästen in der Künstlerklause.  Foto: Sven Dörr
Tina Raab (links) lässt immer einen Tisch als Puffer zwischen den Gästen in der Künstlerklause. Foto: Sven Dörr

"Letzte Woche war es ganz brachial. Die Storno-Ordner haben sich stark gefüllt. Es kommen viel weniger Gäste." Kerstin Pilarzyk kommt – wenn sie von der Corona-Problematik spricht – schnell auf den Punkt. Die örtliche Vorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) spricht sogar von "existenzbedrohenden Ausmaßen" – vor allem für kleinere Betriebe. So seien der Januar und der Februar für viele in der Branche ohnehin schwierige Monate.

Ein fehlender Aufschwung im Frühjahr werde somit zu einem großen Problem. "Die Gäste bleiben aus, die Mitarbeiter müssen aber trotzdem bezahlt werden – du kannst ja niemanden einfach wegen Corona kündigen. Der Wareneinsatz macht vielleicht 30 Prozent der Gesamtkosten aus, der Rest sind Fixkosten und die müssen bezahlt werden – unabhängig von der Gästezahl", erklärt sie die finanziellen Schwierigkeiten vieler Gastronomen in Bezug auf Covid-19.

Geschäftskunden bleiben aus

Die Hoteliers wiederum sind – Pilarzyks Angaben nach – vor allem von den abgesagten Messen und Tagungen betroffen. Schon zur Mitte des vorigen Monats sei der Rückgang spürbar gewesen. So seien die Geschäftskunden aus Risikogebieten in Asien fern geblieben. Die Stornierungen italienischer Geschäftsreisender seien anschließend hinzugekommen. "Der Höchststand ist noch nicht erreicht. Wir können uns aktuell nur auf die Angaben des Robert-Koch-Instituts berufen und schauen, was die Politik macht", sagt Pilarzyk.

Von den Politikern erwartet sie konkrete Maßnahmen. Aus ihrer Sicht wäre eine Senkung der Mehrwertsteuer im Bereich der Gastronomie auf sieben Prozent sinnvoll. Solch eine direkte Kostenminimierung helfe mehr als etwa die Möglichkeit, schnell günstige Darlehen aufzunehmen. "Die müssen ja auch zurückgezahlt werden. Dafür fehlt aber das Geld, weil die Umsätze einbrechen", urteilt sie. In einer Pressemitteilung fordert ihr Verband deshalb "Liquiditätshilfen mit hundertprozentiger Haftungsfreistellung" sowie "ein effektives Beihilfeprogramm in Form von Finanzhilfen/Zuschüssen."

Weitere Entlastungsvorschläge

Tina Raab, Betreiberin der Künstlerklause in Coburg, hat weitere Ideen zur Entlastung der Gastronomen. Aus ihrer Sicht wäre eine rückwirkende Abrechnung der Gewerbesteuer nach tatsächlichen Umsatzzahlen ein sinnvoller Schritt – aktuell wird im Voraus gezahlt. "Auch die Reduzierung der Pacht für die Außenbereiche auf städtischem Boden wäre eine Option", fügt sie hinzu.

Um den laufenden Betrieb in ihrer Gaststätte aufrechtzuerhalten, hat sie ein besonderes Konzept: Die Tische sind ohnehin schon mindestens einen Meter auseinander. Jeweils einer zwischen den Gästen bleibe zudem frei – als Puffer. Die Wahl zwischen Hauptraum und Bistro trifft jeder selbst. Ein Desinfektionsspender steht im Eingangsbereich. Dennoch merke auch sie, dass weniger Gäste kommen: "Es gab zwar noch keine Stornierungen. Es kommen aber auch keine neuen Reservierungen dazu." Raab ist der Meinung, dass das soziale Leben trotz des Virus' in einem gewissen Umfang stattfinden soll. Für die Absagen größerer Veranstaltungen hat sie jedoch vollstes Verständnis: "Die Entscheidung ist absolut korrekt."