Coburg
gastspiel

Publikum in London feiert die Musiker aus Coburg

Aus Anlass der Feierlichkeiten für Queen Victoria und Prinz Albert spielte das Philharmonische Orchester des Landestheaters Coburg in der Londoner Cadogan Hall. Es könnte der Beginn einer besonderen Freundschaft sein.
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Abschlussbeifall für das Philharmonische Orchester des Landestheaters Coburg und (im Vordergrund von links) die Solistinnen Francesca Paratore und Laura Inco, Coburgs Generalmusikdirektor Roland Kluttig, der englische Dirigent Richard Cooke (Royal Choral Society) sowie der Londoner Tenor Peter Aisher.Foto: Simone Bastian
Abschlussbeifall für das Philharmonische Orchester des Landestheaters Coburg und (im Vordergrund von links) die Solistinnen Francesca Paratore und Laura Inco, Coburgs Generalmusikdirektor Roland Kluttig, der englische Dirigent Richard Cooke (Royal Choral Society) sowie der Londoner Tenor Peter Aisher.Foto: Simone Bastian
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Begeisterte Zuhörer, fast schon euphorische Musiker, ein beeindruckter Botschafter: Das erste Auslandsgastspiel des Philharmonischen Orchesters des Landestheaters Coburg war ein voller Erfolg. Gemeinsam mit der Royal Choral Society gab das Orchester am Samstag ein Konzert in der Londoner Cadogan Hall, nahe gelegen beim Museumsdistrict, den es ohne Queen Victoria und vor allem Prinz Albert gar nicht geben würde.

Dass Queen und Prinz in diesem Jahr 200. Geburtstag haben, war der Anlass für das Konzert - und es könnte der Auftakt zu einer "fortdauernden Zusammenarbeit" sein, wie der Coburger Generalmusikdirektor Roland Kluttig nach dem Konzert beim Empfang im Foyer der Cadogan Hall sagte. "Unsere Zusammenarbeit hat gerade erst begonnen", versprach Richard Cooke, der Dirigent der Royal Choral Society. Er hatte den zweiten Teil des Konzerts dirigiert, Felix Mendelssohns "Lobgesang", ein umfangreiches Werk mit einem langen Orchestervorspiel für Chor und drei Solisten. Die waren wie das übrige Orchester aus Coburg angereist, und Kluttig nutzte die Gelegenheit, Werbung für das "Opera-House" in Coburg zu machen, das über so formidable Musiker verfüge.

Kluttig war es auch, der den Kontakt zur Royal Choral Society hergestellt hatte - über E-Mail. Sofort habe Richard Cooke geantwortet, und die Zusammenarbeit war schnell vereinbart. Geprobt wurde getrennt, erst am Nachmittag vorm Konzert kamen Orchester, Solisten und der 130 Sänger starke gemischte Chor erstmals zusammen.

Den ersten Teil des Konzerts hatte Kluttig dirigiert - Mendelssohns "Hör mein Bitten" und seine fünfte Symphonie. Dazwischen eine Premiere: das "Ständchen" von Prinz Albert, eigentlich komponiert für Klavier und Singstimme, von dem jungen britischen Komponisten Richard Miller für Orchester arrangiert. Miller sei von Alberts Komposition so begeistert gewesen, dass er angekündigt habe, weitere Werke arrangieren zu wollen, sagte Kluttig.

Gesungen wurde ausschließlich auf Deutsch. "Wundervoll" zu singen seien die Mendelssohn-Chöre, "Musik, wie sie Sänger lieben", schwärmte hinterher Richard Reeves, der "General Manager" der Royal Choral Society, der ebenfalls mitgesungen hatte. Freilich: Mendelssohn sei gerade nicht sehr angesagt. Das mag der Grund gewesen sein, warum die Cadogan Hall mit rund 600 Zuhörern nicht ganz ausverkauft war. Diejenigen, die da waren, zeigten sich umso begeisterter. Auch die Musiker selbst zeigten sich angetan, vor allem von der Akustik der Halle, in der jeder Ton glasklar zu hören war.

Lob vom deutschen Botschafter

Lobende Worte fanden hinterher der deutsche Botschafter in Großbritannien, Peter Wittig, Coburgs Oberbürgermeister Norbert Tessmer (übersetzt von Landestheater-Intendant Bernhard F. Loges) und Peter Dart, Vorsitzender der Royal Choral Society. Er dankte auch der Stadt Coburg, die das Gastspiel finanziert hatte - bis hin zu dem Wein vom "Queen Victoria Weinberg" aus Deutschland. Die fruchtig-süße Spätlese war aber mehr nach dem Geschmack der britischen Gäste als nach dem der Deutschen. Und bei allem Lob für das Gemeinschaftsprojekt, bei aller Begeisterung über die verbindende Kraft der Musik: Das Wort "Brexit" nahm niemand in den Mund.

Am 8. Juli wird die Royal Choral Society ein weiteres Konzert zusammen mit den Musikern des Landestheaters geben, allerdings mit einem anderen Programm: Der Chor studiert derzeit Edward Elgars Sea Symphony ein. Am 6. Juli singen sie das Werk in der Winchester Cathedral, zwei Tage später in Coburg.

Unter den Gästen am Samstag befand sich auch der Präsident der Royal Choral Society, Prince Edward Duke of Kent, ein Cousin ersten Grades von Queen Elizabeth II. (die Väter waren Brüder). Aus Coburg waren sowohl Andreas Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha als auch Sohn Hubertus und Schwiegertochter Kelly anwesend. Der Duke hatte nur zwei Worte für das Konzert: "Great success!"

Warum Mendelssohn? Hintergrund Sowohl Victoria als auch Albert schätzten Mendelssohn und seine Musik sehr. Sie waren sogar mit dem Komponisten befreundet, der bei seinen Besuchen Victoria am Klavier begleitete und dem Paar auch Kompositionen widmete. Albert und Victoria spielten Klavier, spielten und sangen oft zusammen. In jeder ihrer Residenzen, selbst auf ihrer Yacht, hatten sie Klaviere.sb

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