Coburg
Gericht

Prozess um Einbruchserie in Neustadt fortgesetzt

Der Prozess um eine Einbruchsserie im Raum Neustadt und Kronach wurde fortgesetzt. Es ging vor allem um verfahrenstechnische Details.
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Symbolfoto: Christopher Schulz
Symbolfoto: Christopher Schulz

Verteidiger Rechtsanwalt Andreas Kittel arbeitet sehr genau. Schon am ersten Prozesstag hatte er manchen Zeugen auf seine Glaubwürdigkeit hin abgeklopft und somit relevante Informationen für die Bewertung der Beteiligung seines Mandanten an den ihm vorgeworfenen Taten dem Gericht präsentiert.

Seinem Mandanten wird die Beteiligung an mehreren Einbrüchen und Diebstählen in Diskotheken und Lokalen im Raum Neustadt zur Last gelegt sowie gefährliche Körperverletzung an seinem ehemaligen Freund und Komplizen.

Weitere Zeugen geladen

Dieser hatte Anzeige gegen sich selbst und den Angeklagten gestellt, nachdem es zu einer Auseinandersetzung zwischen den beiden gekommen war.

Ob nun die Weigerung des Komplizen, weitere Einbrüche zu begehen, Ursache für die Eskalation war - oder der erhöhte Alkoholpegel des Zeugen, das muss das Gericht beurteilen.

Auch der Grad der Beteiligung des Angeklagten ist noch nicht eindeutig geklärt. Sein ehemaliger Freund - die beiden Anfang 30-Jährigen kennen sich seit der Jugend - stellt es so dar, dass er einerseits seinem Freund helfen wollte und andererseits später aber von diesem unter Druck gesetzt wurde, da er zeitweise beim Angeklagten lebte.

Weitere Erkenntnisse erhofft sich Kittel, Strafverteidiger des Angeklagten, von weiteren Zeugen, die er für die Sitzung am Freitag, 27. September, beantragt hat.

Gehen wird es dabei unter anderem darum, zu eruieren, ob und inwiefern der 31-jährige Angeklagte die Taten initiierte, plante und welche Rolle er bei den Einbrüchen spielte.

So hatten die beiden mutmaßlichen Täter versucht, eine Postfiliale in der Nähe von Coburg aufzubrechen. Der Zeuge hatte angegeben, den Ort mit dem Angeklagten ausgekundschaftet zu haben.

Nun sollen die weiteren Befragungen zeigen, dass der Komplize auch alleine hätte handeln können. Nicht nur, dass er Auto fahren kann, obwohl er keinen Führerschein hat, auch soll er regelmäßig mit dem Firmenbus seiner zeitweiligen Arbeitsstelle an genau jener Postfiliale vorbeigefahren sein, in die er später versucht hat einzubrechen. Das würde die mögliche Initiative und Tatbeteiligung des Angeklagten relativieren.

Verfahrenstechnische Details

Ähnlich verhält es sich mit einer bei der Hausdurchsuchung gefundenen verborgenen Schrankwandkammer. Die soll nach Aussage des Hauptbelastungszeugen von dem 31-Jährigen selbst eingebaut worden sein.

Das will der Strafverteidiger in Frage stellen und zeigen, dass sich dieses Versteck beim Einzug seines Mandanten bereits dort befunden habe - schon seit 1996. Überhaupt ging es am zweiten Verhandlungstag vor allem um verhandlungstechnische Details.

Die Besitzer der geschädigten Lokale wurden gehört, die Schadens- und Verlustwerte noch einmal beziffert. Insgesamt beläuft sich der Wert der Beute auf etwa 16 000 Euro. Außerdem wurde die Vorgehensweise der Polizei und Staatsanwaltschaft kritisiert. Der Verteidiger Andreas Kittel legte etwa Widerspruch gegen die Hausdurchsuchung bei seinem Mandanten ein. Diese sei bei dieser Sachlage rechtswidrig gewesen. Die mündliche Erteilung des Staatsanwalts sei nicht notwendig gewesen, führte die Verteidigung aus.

Die beiden mutmaßlichen Täter seien in der Nacht festgenommen worden, weswegen es ausreichend Zeit für eine schriftliche Abfassung des Beschlusses gegeben hätte. Außerdem würde die Dokumentation der Durchsuchung in den Ermittlungsakten den gesetzlichen Anforderungen in dieser Sachlage nicht entsprechen.

Wie sich das entscheidet, wird sich heute zeigen, wenn die Staatsanwaltschaft die Anordnung geprüft hat. Wichtiger jedoch war eine Verlesung, die der verteidigende Rechtsanwalt Kittel zu verhindern suchte.

Schon einmal verurteilt

Richtern Jana Huber plante, Ausschnitte aus einem vorherigen Prozess aus dem Jahr 2013 zu verlesen. Inhaltlich wollte Huber sich auf die persönlichen Verhältnisse und die Taten beziehen. Der Strafverteidiger wollte die Verlesung verhindern. Das zu verlesende Verfahren stehe nicht im Zusammenhang zum aktuellen und sollte daher keine Bedeutung erlangen. Das Gericht sah das nach Rücksprache anders. Es bedürfe keines direkten Zusammenhangs, sagte Richterin Huber, da es der Einführung in die Verhältnisse und Umstände des Angeklagten diene.

Verurteilt wurde der jetzt erneut vor Gericht stehende wegen schwerem Bandendiebstahls. Die Einbrüche in den Jahren 2012 wurden zu dritt und nach ähnlichem Muster durchgeführt, wie es dem Angeklagten in diesem Prozess vorgeworfen wird.

Der Angeklagte hatte in seinen Einlassungen zu seiner Person von einem "Vorfall" gesprochen, wegen dem er 2013 ins Gefängnis musste.

Der Prozess wird am 27. September und am Montag, den 30. September fortgesetzt.

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