Bad Rodach
Kommunalwahl

Prominenter Name steht weit oben

Die Freien Wähler der Coburger Kreistagsfraktion wollen auch ab Mai 2020 Impulse setzen. Neuzugang Elke Protzmann aus Neustadt steht auf Platz sechs.
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Auf Platz sechs befindet sich mit Elke Protzmann der bekannteste Neuzugang der FW.  Foto: bek
Auf Platz sechs befindet sich mit Elke Protzmann der bekannteste Neuzugang der FW. Foto: bek

Angeführt vom Rödentaler Bürgermeister Marco Steiner gehen 60 Kandidaten des Kreisverbands der Freien Wähler (FW) am 15. März 2020 in das Rennen um die 60 Sitze im nächsten Kreistag. Ihr Ziel: wieder eine starke Fraktion zu stellen. Als "beste Liste der letzten Jahre" bezeichnete Kreisvorsitzender Christian Gunsenheimer die Reihung der Kandidaten, die er am Sonntagmorgen im Restaurant der "Therme Natur" in Bad Rodach präsentierte.

Kein "Triumphgefühl", aber Freude

Auf Platz sechs befindet sich ein prominenter Neuzugang: Elke Protzmann. Die stellvertretende Bürgermeisterin von Neustadt, ehemalige Bezirksrätin und amtierende Kreisrätin hatte, wie berichtet, am vergangenen Dienstag nach 36 Jahren Mitgliedschaft ihren Wechsel von der CSU zu den Freien Wählern verkündet. Als Grund gab die 63-Jährige "persönliche und menschliche Erfahrungen" in ihrem Ortsverein seit September 2017 an. Ob er ein "Triumphgefühl" verspüre, sei er nach der Protzmanns Ankündigung gefragt worden, erzählte Gunsenheimer. Dies verneinte er: "Als Triumph empfinde ich es nicht, aber es freut uns natürlich sehr, dass Elke zu uns gefunden hat." Als Erfolg verbuchte es der Kreisvorsitzende, dass es überhaupt gelungen sei, die profilierte Politikerin weiterhin in der Kommunalpolitik zu halten. Das Neu-Mitglied dankte den Freien Wählern für das Angebot zur Zusammenarbeit: "Ich fühle mich willkommen, akzeptiert und schon jetzt gut aufgenommen", betonte Protzmann bei ihrer Vorstellung.

Hinter der Neustadterin finden sich auf den Plätzen sieben bis 17 weitere "Spitzenkandidaten", wie Bürgermeisterkandidaten und bisherige Kreisräte. Mit Max Kräußlich (FW) und Andreas Carl (DGN) buhlen auf den Plätzen elf und 13 gleich zwei Konkurrenten um das Weitramsdorfer Bürgermeisteramt auf einer Kreistags-Liste um Wählerstimmen. Ein Novum. Auch deshalb bezeichnete Gunsenheimer die Liste als "ungewöhnlich". Die restlichen Listenplätze belegen im Block Kandidaten verschiedener Ortsvereine, entgegen dem Uhrzeigersinn in einem Bogen von Meeder bis Rödental.

Kandidaten besser finden

Ein Angebot, das den Wählern laut dem Vorsitzenden das Finden der Kandidaten aus der eigenen oder Nachbarkommune erleichtern soll. Dies habe sich schon bei der letzten Wahl bewährt. Vergeblich suchen werden Wähler auf der Liste die beiden FW-Urgesteine Gisela Böhnel (Rödental) und Hendrik Dressel (Seßlach), die auf eine erneute Kandidatur verzichteten. Beide seien nicht nur stimmenmäßig ein großer Verlust, so Gunsenheimer: "Wir werden auch ihren Rat und ihre Taten vermissen." Dagegen kandiert Gerold Strobel erneut (Platz 14): Der frühere Bad Rodacher Bürgermeister und FW-Fraktionsvorsitzende im Kreistag gilt als Experte in Sachen Regiomed. Tagtäglich müsse darum gekämpft werden, dass der Klinik-Verbund in kommunaler Hand verbleibe, bekräftigte Gunsenheimer.

Neben dem Dauerbrenner Regiomed nannte der Kreisvorsitzende drei Schwerpunkt-Themen: die Haushaltspolitik, den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) sowie den Komplex erneuerbare Energien/Klimapolitik. Um eine solide Haushaltspolitik bemühe sich die FW-Fraktion stets.

Maximilian Neeb und Max Kräußlich widmeten sich dem ÖPNV: Dieser müsse für alle Generationen attraktiv sein, forderte Seßlachs Bürgermeister Neeb. Dazu müsse er für Senioren, Arbeitnehmer und Jugendliche preiswert und gut zu kombinieren sein. Neeb: "Nur ein unkompliziertes System ist attraktiv." Derzeit funktioniere nicht einmal die Internet-Seite des Rufbusses. Neeb regte eine "Fahrplan-App" an, um das Angebot den Bürgern näherzubringen. Was die Region über Parteigrenzen hinweg zu leisten imstande sei, verdeutlichte Listenführer Marco Steiner (Rödental) anhand der erfolgreichen Proteste gegen die zusätzliche Stromtrasse. "Wir haben es geschafft aufzustehen, als Region mit einer Stimme zu sprechen und an einem Strang zu ziehen", sagte Steiner. Auch die Infrastruktur (Schulen und Straßennetze) und die Wirtschaftsförderung gilt es dem Fraktionsvorsitzenden im Kreistag zufolge nicht zu vernachlässigen. Was die Zusammenarbeit mit der Stadt Coburg angeht, so forderte Gunsenheimer, "Befindlichkeiten beiseite zu schieben" und die Kräfte zu bündeln.

Mit einer starken Fraktion möchten die Freien Wähler auf Kreisebene ab Mai 2020 wieder die "sehr tragende Rolle" spielen, betonte Gunsenheimer. Mit dem Anspruch, "für die Bürger da zu sein, ohne gleich jedem populistischen Thema nachzurennen", wollen sie punkten.

Einstimmig segneten die Anwesenden die vom Vorstand erarbeitete Kandidatenliste ab. Dass zwar gut zwei Drittel der 60 Kandidaten, aber nur 26 Stimmberechtigte anwesend waren, liege daran, dass nur beim Kreisverband als eigenem Verein eingetragene Mitglieder abstimmen dürften, erläuterte der Kreisvorsitzende.

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