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Coburg
Stichwahl

Promi-Hilfe und Krisen-Rezepte

Globe, Landestheater - war da was? Die Corona-Krise hat die kommunalpolitischen Themen in den Hintergrund gedrängt - auch beim vermutlich letzten Aufeinandertreffen der beiden Oberbürgermeisterkandidaten vor dem Wahltag.
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Moderator Frank Ebert (links) spricht in die Kamera, die Kandidaten Dominik Sauerteig (Mitte, rote Socken) und Christian Meyer (rechts, schwarze Socken) sitzen ihm im menschenleeren Kongresshaus gegenüber. Die Aufzeichnung des Talks ist online bei itv-coburg.de zu finden. Foto: Simone Bastian
Moderator Frank Ebert (links) spricht in die Kamera, die Kandidaten Dominik Sauerteig (Mitte, rote Socken) und Christian Meyer (rechts, schwarze Socken) sitzen ihm im menschenleeren Kongresshaus gegenüber. Die Aufzeichnung des Talks ist online bei itv-coburg.de zu finden. Foto: Simone Bastian

Versammlungen, Infostände, Veranstaltungen mit Parteiprominenz: Nichts davon geht in Zeiten von Ausgangsbeschränkungen, Veranstaltungsverbot und geschlossenen Gaststätten. Zum Glück eröffnen die neuen Medien Kontakte zum Wähler, und die beiden Stichwahlkandidaten sind eifrig dabei. Christian Meyer (CSU) lässt Ministerpräsidenten Markus Söder für sich werben ("Christian Meyer kenne und schätze ich"), Dominik Sauerteig (SPD) die beiden Oberbürgermeister-Norberts Kastner und Tessmer ("ich vertraue ihm").

Auch der Stichwahl-Talk von iTV-Coburg, RadioEins und Coburger Tageblatt hätte vor Publikum stattfinden sollen, nämlich im Pfarrzentrum von St. Augustin. Stattgefunden hat er nun im menschenleeren Kongresshaus: drei Kameraleute von iTV Coburg, Berichterstatter von Radio Eins und Tageblatt bildeten das Publikum für Frank Ebert und die beiden Kandidaten. Die Corona-Krise hat aber nicht nur die Zuschauer verdrängt, sondern auch all die Themen, die bis zum 15. März wichtig waren. Es ging im Talk vor allem um Krisenmanagement und die Rolle des Oberbürgermeisters, denn: "Einen Welpenschutz wird es für den neuen Oberbürgermeister nicht geben. Die Amtskette wird wie ein Mühlstein um den Hals hängen", sagte Frank Ebert.

Wer immer die Wahl am Sonntag gewinnt, muss sich darauf einstellen, spätestens am 2. Mai Krisenbewältigung zu betreiben. Sowohl Christian Meyer als auch Sauerteig wollen aber nicht bis dahin warten, bis die Stadt Hilfe leistet und in Not Geratenen Hoffnung macht. Einig waren sich beide, dass die Stadt beziehungsweise die Wifög unterstützen muss, wenn Unternehmen bei Bund und Land Hilfen beantragen.

Deutlich wurde, dass die Stadt nur begrenzte Möglichkeiten hat, in Not geratenen Kleinunternehmern direkt zu helfen. Meyer wiederholt seine Forderung, die Stadt müsse schnellstmöglich einen Hilfsfonds auflegen, Sauerteig weist darauf hin, dass es oberfrankenweit Konsens sei, so etwas nicht zu tun. Arme und reiche Kommunen sollten da nicht konkurrieren. Denn nur wenige Städte und Gemeinden verfügen über genug Mittel. Stadt und Landkreis Bamberg schon, und dort sind jetzt solche kommunalen Hilfstöpfe angekündigt, gibt Meyer zu bedenken. Die Stadt könne bestenfalls Darlehen geben, sagt Sauerteig. Direkte Zuschüsse sind nicht erlaubt. Auch ein Überbrückungskredit könne schon eine Hilfe sein, betont Meyer. Doch nicht nur Unternehmen könnten Hilfen brauchen, auch Vereine, sagt Sauerteig - und die würden von den Rettungsschirmen von Bund und Land nicht erfasst.

Der Schlagabtausch bleibt sachlich, nur gelegentlich wird's leicht polemisch oder die Moralkeule ausgepackt: Meyer wirft Sauerteig vor, dass er schon vor der Stichwahl Bündnisse schmiede, wo doch das gemeinsame Vorgehen aller gefragt sei. Sauerteig erwidert, dass das gemeinsame Papier zur Corona-Krise von SPD, WPC und Grünen nach einem "vertrauensvollen Austausch" zustande gekommen sei. Ein Bündnis sei jedoch damit nicht begründet worden. "Es reden auch Leute von der WPC und der SPD mit der CSU." Beide Kandidaten sehen sich in der Lage, die Führung der Stadt sofort zu übernehmen: Meyer, weil er ohnehin dem städtischen Krisenstab angehört, Sauerteig, weil er sich intensiv mit dem Thema befasst.

Bleibt die Frage, was gestrichen oder verschoben werden soll, wenn die Corona-Krise auch die Finanzen der Stadt angreift. Das, sagen beide Kandidaten, müsse im gesamtgesellschaftlichen Konsens angegangen werden. "Es gibt Projekte, die für die Stadtgesellschaft wichtig sind", sagt Sauerteig. "Es wäre fatal, wenn wir die von vornherein auf die Streichliste setzen." Meyer nickt.

Sollten sie nicht gewählt werden, wollen beide "mit vollem Einsatz ihren Job machen", wie Meyer sagt. Was er nicht sagt: Als Geschäftsführer der städtischen Wohnbau müsste er aufs Stadtratsmandat verzichten.

Ein Link zu der Aufzeichnung des Talks ist am späten Mittwochabend hier zu finden.

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