Coburg
Fußball

Prestigeduell mit offenem Visier in Frohnlach

Der VfL Frohnlach und der FC Coburg zeigen rund 600 Zuschauern am Freitag beste Fußball-Unterhaltung. Das Derby endet 4:2 für die Gastgeber.
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Bester Spieler im Derby war Tayfun Özdemir (Mitte). Der Frohnlacher lieferte sich mit Eric Heinze (rechts) im Mittelfeld packende Duelle; links Coburgs Innenverteidiger Daniel Kimmel. Foto: Lisa Hümmer
Bester Spieler im Derby war Tayfun Özdemir (Mitte). Der Frohnlacher lieferte sich mit Eric Heinze (rechts) im Mittelfeld packende Duelle; links Coburgs Innenverteidiger Daniel Kimmel. Foto: Lisa Hümmer

Langweilig wurde es zu keinem Zeitpunkt. Das knackige Landesliga-Derby zwischen dem VfL Frohnlach und dem FC Coburg stand auf Messers Schneide und bot bis zum - aus Coburger Sicht - bitteren Ende beste Fußball-Unterhaltung. Fair, aber farbig ging es auf dem satten Grün zu. Sechs "Kisten" sahen die knapp 600 Zuschauer. Einen verschossenen Elfer, einen Pfosten-, zwei Lattenkracher und jede Menge Torraumszenen.

Der 4:2-Sieg der Gastgeber geht in Ordnung - über ein 3:3 hätte sich niemand beklagen können. VfL-Abwehrchef Lauterbach klärte in der 87. Minute auf der Linie einen scharfen Schuss von Guhling aufs lange Eck per Scheitel. Ein Wahnsinns Safe des Innenverteidigers! Wenig später machte "Joker" Kleylein auf der anderen Seite den Deckel drauf.

Viele Fehler - viele Chancen

Überhaupt ging es in diesem attraktiven Prestigeduell rasant hin und her. Auffallend waren dabei die schwachen Abwehrreihen. Dank vieler Unkonzentriertheiten der Verteidiger sahen die überwiegend neutralen Beobachter Chancen im Minutentakt. Und immer wenn Frohnlach traf, kamen die Vestekicker mit dem ersten Angriff nach dem Anstoß sofort zu 100-prozentigen Möglichkeiten.

Nach dem schnellen 1:0 von Özdemir (11.) glich Sam postwendend aus (13.). Nach dem erneuten Führungstor der "Blau-Weißen" durch Hartmann (23.) kam eine Minute später wieder Sam frei zum Kopfball. Was dem "Knipser" nicht gelang, schaffte wenig später der aufgerückte Alles nach einem Freistoß aus dem Halbfeld: 2:2 nach 27 Minuten.

Sam schießt Elfer an den Pfosten

Apropos Sam: Der fleißige Unruheherd in vorderster FCC-Front hatte viel Zeit für das 3:2. Der Ball lag nämlich auf dem Elfmeterpunkt nach einem Handspiel im VfL-Strafraum. Doch der Lange bombte an den Pfosten. "Ich wäre lieber mit einer 3:2-Führung in die Kabine gegangen", kommentierte Coburgs Coach Frederic Martin den Lapsus seines Leaders in der Pause. Wahrscheinlich hatte er so etwas wie eine Vorahnung...

Seinen indisponierten Linksverteidiger Lars Teuchert ließ er weiterspielen, obwohl der bei beiden Gegentreffern schlechte aussah. Auch Innenverteidiger Kimmel erwischte nicht seinen besten Tag.

Auf der anderen Seite machte Keeper Hempfling bei beiden Coburger Einschüssen keine gute Figur, weil er lieber auf der Linie klebte, anstatt die brenzliche Situation durch entschlossenes Herauslaufen im Keim zu ersticken. Aber gerade diese individuellen Fehler waren das Salz in der Suppe und sorgten für den hohen Unterhaltungswert im Willi-Schillig-Stadion.

Die rot-blaue Hatz ging auch nach dem Wechsel munter weiter. Die Spieler begegneten sich stets bissig, die Zweikämpfe gingen mit wenigen Ausnahmen unter die Gürtellinie. Frohnlach hatte ein leichtes Übergewicht, weil Tayfun Özdemir im Zentrum knapper Punktsieger gegen Coburgs Sechser Eric Heinze blieb. Bei "Tay" war der Ball sicherer als im Safe einer Schweizer Bank. Und noch ein Plus für den Frohnlacher Spielmacher: Er strahlte immer wieder Torgefahr aus. Ging dahin, wo es weh tut. Traf nicht nur zum 1:0, sondern auch fulminant in Durchgang eins aus 28 Metern das Gebälk. Außerdem legte er in der Nachspielzeit noch den K.o.-Treffer auf. Prima Leistung.

Alu wackelte aber auch nach einem schulbuchmäßigen Kopfball von Sam Mitte der zweiten Halbzeit. Er hatte aus 14 Metern Maß genommen. Hempfling - zwei vor, eins zurück - war schon geschlagen, doch der Querbalken war ein willkommener Verbündeter des Keepers. Den Abpraller köpfte Carl geschickt Richtung langes Eck. Dann fischte Hempfling mit einem Katzensprung das Runde aus dem Eckigen. Schade FCC - das wäre die Führung gewesen!

Die fiel auf der anderen Seite nach der besten Aktion des ansonsten blass bleibenden Akut Civelek. Der Neustadter Türke profitierte wieder von einem Fehler auf der linken Coburger Seite. Der eigenwillige Ex-Drittligaspieler (in seinem Heimatland) hatte quer zum Tor plötzlich freie Bahn und nahm aus 22 Metern Maß. Der junge Krempel im Tor der Gäste - der ansonsten ein vielversprechendes Punktspiel-Debüt in der 1. Mannschaft gab - hätte den Flatterball, der relativ mittig hinter ihm einschlug, gerne gehalten, griff jedoch daneben.

Die Statistik

VfL Frohnlach gegen

FC Coburg 4:2 (2:2)

VfL Frohnlach: Hempfling - Simitci, Rebhan T., Lauerbach, Özdemir T., Scheler (ab 72. Rebhan Willy.), Hartmann (ab 89. Kleylein), Civelek A., Özdemir E., Riedel, Pflaum.

FC Coburg: Krempel - Kimmel, Alles, Teuchert L. (ab 90. Baur), Heinze, Carl, König (ab 71. McCullough), Guhling A., Dilauro, Sener S., Sam.

Tore: 1:0 Özdemir T. (11.), 1:1 Sam (13.), 2:1 Hartmann (23.), 2:2 Alles (27.), 3:2 Civelek A. (74.), 4:2 Kleylein K. (90.).

Gelb: Simitci, Riedel, Pflaum/ Guhling, Sener, Carl , Sam. Zuschauer: 600. - SR: Jochen Burkard (SG Schleerieth).

KOMMENTAR von Christoph Böger

Eine Frage der Perspektive

Winterpause. Gut so! Zeit zum Verschnaufen und Kräfte sammeln. Genügend Potenzial steckt in beiden Spielerkadern. Sowohl der VfL Frohnlach, als auch der FC Coburg sind stark genug, um in der Landesliga zu bestehen. Anderen Teams ist es in dieser Durchschnittsliga allerdings wesentlich häufiger gelungen, ihre vorhandenen Fähigkeiten in den letzten Monaten abzurufen. Das und vor allem die katastrophale Tabellenposition müssen Ansporn genug sein, um im März, April und Mai 2020 die fehlenden Punkte für den Klassenerhalt einzufahren.

Doch wie geht es danach weiter? Um den FC Coburg müssen sich deren wenige Anhänger keine Sorgen machen. Mit dem Nachwuchsleistungszentrum im Rücken ist die sportliche Basis für die nächsten Jahre geschaffen. Finanziell können die Vestestädter zwar keine großen Sprünge machen - selbst die Verpflichtung eines neuen Cheftrainers stellt sich nach der Absage von Wunschkandidat Dieter Kurth schwieriger heraus, als gedacht -, aber der Klub ist schuldenfrei und mit Wolfgang Gremmelmaier an der Spitze inzwischen gut aufgestellt.

Ganz anders die Situation beim VfL Frohnlach. Landesliga wird es dort nur so lange geben, so lange Gönner Eduard Mühlherr Lust darauf hat. Und wer den Sponsor, der nicht gerne in der ersten Reihe steht und aus seinen großzügigen Zuschüssen gerne ein Geheimnis macht, kennt, der weiß genau, dass ihm der Fußball gar nicht so wichtig ist. Trotzdem sind die "Blau-Weißen" von ihm abhängig. Das ist gefährlich. In Mühlherrs Adern fließt kein blaues Blut! Er hat nicht die emotionale Bindung wie einst Willi Schillig.

Der Kader trägt eindeutig die Handschrift von Bastian Renk, der wiederum nur dank der finanziellen Unterstützung Mühlherrs Schalten und Walten kann. So war es beim TSV Sonnefeld, so ist es in Frohnlach!

Sollte Renk nach der Serie das VfL-Schiff verlassen - und davon muss die Führungsriege um Vorsitzenden Ulrich Kossack zum jetzigen Zeitpunkt ausgehen - dann wird die Luft dünn und guter Rat teuer...

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