Johannes Haslauer ist Sprecher des Denkmalnetzes Bayern und als solcher appelliert er in einem Schreiben an Oberbürgermeister Norbert Kastner (SPD) und die Geschäftsführung der Wohnbau, den Abriss des Hauses Goethestraße 9 sofort zu stoppen. Das Denkmalnetz, ein Bündnis von über 80 Bürgerinitiativen und Vereinen, die sich für den Erhalt von bauhistorischem Erbe einsetzen, sei durch das Engagement der Altstadtfreunde auf die Baumaßnahme in der Ketschenvorstadt aufmerksam gemacht worden. Johannes Haslauer verweist in seinem Brief darauf, dass es sich bei besagtem Gebäude um ein denkmalgeschütztes handelt und der Abriss trotz des Einwandes vom Landesamt für Denkmalpflege Bamberg erfolgt.

Politische Entscheidung


Zum Hintergrund: Das Haus in der Goethestraße 9 wurde 1910 als Wohn- und Lagerhaus gebaut und stand nicht schon immer unter Denkmalschutz. Erst mit dem Beginn der Planung für die Sanierung der Ketschenvorstadt war es auf die Liste gekommen. Nun muss es der an dieser Stelle vorgesehenen Tiefgarage weichen. Das ist eine politische Entscheidung, getroffen vom Stadtrat und ausgiebig beraten im Bau- und Umweltsenat. Dem gehört auch Petra Schneider (SPD) an. "Bisher hat niemand über dieses Gebäude geredet, auch die Altstadtfreunde haben sich darum nicht geschert", sagt sie. Die Senatsmitglieder hätten nicht leichtfertig entschieden, das Haus abzureißen. "Wir wissen selbst, dass wir unsere Vergangenheit nicht kaputtmachen dürfen." Und nicht zu allen Abrissen würde sie heute noch ja sagen. Die Architektin verweist in diesem Zusammenhang auf den Abbruch des Alexandrinenb ades. Das sei aber mit dem Gebäude in der Goethestraße nicht zu vergleichen.
Dessen Abriss sei unbedingt notwendig, um in der Ketschenvorstadt die geplante Tiefgarage bauen zu können. "Wir müssen das Quartier entwickeln. Und zu den Wohnungen gehören auch die Stellplätze. Dafür bekommen wir die öffentlichen Fördermittel."
Der gleichen Ansicht ist Max Beyersdorf (CSU). Es habe lange Voruntersuchungen gegeben, wo der Eingriff in die Bausubstanz am geringsten ist. "In der Ketschenvorstadt entsteht ein hochwertiges Wohngebiet. Dafür müssen wir leider auf dieses Baudenkmal verzichten", gesteht Max Beyersdorf ein. Er verweist aber auch darauf, dass in Coburg ansonsten der Erhaltung historischer Bausubstanz viel Aufmerksamkeit geschenkt werde. "Es musste ein Kompromiss gefunden werden und mit diesem habe ich keine Bauchschmerzen mehr", sagt der Baufachmann. Christian Müller (CSB) fasst sich kurz: "Wir haben uns alle Argumente für und wider den Abriss angehört und abgewogen. Der Bausenat hat sich entschieden und wir stehen dazu."
Dass sich die Stadträte die Entscheidung nicht leicht gemacht haben, bestätigt auch Wolfgang Weiß (Bündnis 90/Die Grünen). "Ich habe bei anderen Anfragen immer mit nein gestimmt. Es wurde in der Stadt schon vieles ohne Not abgerissen." Diesmal sei er sich aber zum ersten Mal sicher, dass das Gebäude in der Goethestraße weichen muss. "Es soll in der Ketschenvorstadt vorangehen. Und ohne den Bau der Tiefgarage würde es nur Verzögerungen geben."
Als Architekt hat Peter Kammerscheid (Freie Wähler) schon etliche historische Häuser saniert. "Ich erhalte gern, was würdig ist, erhalten zu werden", erläutert er. Das Haus in der Goethestraße 9 sei es nicht. Das habe eine Besichtigung des Gebäudeinneren ergeben. Peter Kammerscheid bezeichnet es als Unding, das Bauwerk unter Denkmalschutz zu stellen, während die Diskussion über die Sanierung der Ketschenvorstadt noch im Gange war. "Das Haus stehen zu lassen, hätte allen Planungen widersprochen."
Und was sagt der Vorsitzende der Gemeinschaft Stadtbild und Stadtrat, Hans-Heinrich Eidt (FDP) dazu? Auch er findet, das Gebäude sei nicht so gut erhalten, dass es um jeden Preis stehen bleiben müsste. Vor allem nicht dann, wenn damit der Sanierungsplan für das gesamte Wohngebiet blockiert würde. "Das Thema ist ausdiskutiert, es wurde demokratisch entschieden. Für mich ist der Prozess damit abgeschlossen."