Coburg
Klimawandel

Plakate, Protest und Pinguine: Fridays for future auch in Coburg angekommen

Bei der Bewegung "Fridays for future" machten die Teilnehmer am Freitag auf dem Marktplatz ihren Ärger lautstark Luft. Viele Schüler fühlen sich machtlos.
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Schüler-Demo in Coburg für mehr Umwelt- und KlimaschutzJutta Rudel
Schüler-Demo in Coburg für mehr Umwelt- und KlimaschutzJutta Rudel
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"Ich bin ein klassischer Millennial," sagt Katharina Trapp. Sie darf als erste ins Mikro sprechen: "Ich bin 2000 geboren und würde 2050 gerne noch auf der Erde leben, ohne im Wasser zu versinken!" Schallender Jubel von rund 400 Demonstranten hallen ihr am Freitag auf dem Coburger Marktplatz entgegen. Die 19-Jährige hat die Bewegung "Fridays for future" in Coburg mitorganisiert.

"Hopp, hopp, hopp - Kohle stopp!" Um 11.30 Uhr zogen die Schüler der Gymnasien Alexandrinum, Casimirianum, Ernestinum und Albertinum mit Trommeln, Pfeifen und Lautsprechern gerüstet durch die Ketschengasse zum Marktplatz. "Wir sind hier. Wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!" Die Schüler sind energiegeladen, springen, rufen und heben Plakate in die Höhe. "Ist doch klar, die Zukunft ist Solar", "Klimaschutz statt Klimaschmutz" und "Keine Toleranz für Klima-Ignoranz" ist auf den gebastelten Schildern zu lesen.

Unmut und Machtlosigkeit

Die Demonstranten machen ihren Unmut laut - auch gegen die "Helikopter-Eltern", die ihre Kinder lieber im Unterricht gewusst hätten. Doch es gibt auch Eltern, die das Vorhaben unterstützen. "Ich war zunächst nicht begeistert, dass meine Tochter vom Unterricht fern bleibt. Wir haben uns dann aber zusammengesetzt und festgestellt: Wenn man nichts macht, bringt es auch nichts", erzählt eine Mutter.

Es wird schnell klar: Die Schüler sind nicht hier, weil sie keine Lust auf Unterricht haben, sondern weil sie für ihre Zukunft kämpfen. "Wir haben das Pech, vom Klimawandel betroffen zu sein, aber auch das Glück, dass wir noch etwas tun können", sagt Sprecher Elias: "Da drüben ist das Rathaus, da können wir davon ausgehen, dass wir von den Politikern gehört werden." Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) hat den Wink mit dem Zaunpfahl verstanden und greift kurz darauf zum Mikrofon. Er ist begeistert vom Engagement: "Es freut mich, ich bin stolz darauf und es ist zur Nachahmung empfohlen." Auch der Coburger CSU-Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach begrüßt die Aktion: "Die Jugend soll sich einmischen - das ist Demokratie! Und: Der Jugend gehört die Zukunft!"

Als junge Menschen Gehör finden

Wolfgang Weiß, Grünen-Stadtrat und Klimaschutzbeauftragter der Stadt, schildert, wie sich die Erde verändert: "Früher hieß es immer: Mund zu beim Fahrrad- oder Motorradfahren, wegen den ganzen Insekten." Heute würde es die kaum noch geben. Er prangert die "Wegseh-Politik" an: "Es ist eure Zukunft, euer Leben, das auf diese Weise verfrühstückt wird."

In den Redebeiträgen wird deutlich, wie machtlos sich die junge Menschen fühlen - auch das Entgegenkommen der Schulleiter scheint sie verärgert zu haben. Demnach erlauben sie die Teilnahme, wenn zuvor ein schriftlich begründeter Antrag auf Unterrichtsbefreiung vorliegt und die Eltern diesen unterschrieben haben. Ein Sprecher merkt an, dass die Direktoren Aufsätze erwarten, wieso man die Erde retten möchte, selbst aber mit "dicken Limos vorfahren". Dem stimmt eine Lehrerin zu, die sich am Rand des Platzes aufhält: "Die Schüler sind verärgert, weil so viel über ihren Kopf hinweg entschieden wird. Dabei ist es das Thema schlechthin." Ihr ehemaliger Kollege sagt: "Ich hoffe, dass es keine Einzelaktion ist. Sie sollten das ständig machen, damit die Politiker reagieren." Für die Schüler steht fest: Sie sehen nicht zu, wie der Klimawandel heruntergespielt und verdrängt wird.Sie nehmen ihre Zukunft selbst in die Hand. Und während sie sich für den Planeten stark machen, kommt sogar die Sonne heraus und beginnt zu strahlen.

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