Grub am Forst
Wirtschaft

Philosophie im Blumentopf kommt aus Grub

Die Seed Evolution GmbH in Grub am Forst vermarktet mit ihren Meinwoody Pflanzsets die Idee, wieder mehr Bewusstsein für Natur und Umwelt zu wecken.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die umweltfreundlichen Pflanztöpfe für die Meinwoody Pflanzsets werden aus Kokosfaser hergestellt. Ozan Durukan und Michael Busch halten eine Version aus Hanffasern in Händen, die den Vorteil hat, dass der Rohstoff nicht aus Übersee kommt.Rainer Lutz
Die umweltfreundlichen Pflanztöpfe für die Meinwoody Pflanzsets werden aus Kokosfaser hergestellt. Ozan Durukan und Michael Busch halten eine Version aus Hanffasern in Händen, die den Vorteil hat, dass der Rohstoff nicht aus Übersee kommt.Rainer Lutz
+1 Bild
Ein Startup Unternehmen, das Kräuter, Gemüse, Blumen und sogar Bäume in biologisch abbaubaren Pflanztöpfen aus recycelter Kokosfaser anbietet, auf dem Land? Wer glaubt, so etwas geht nur in einer Großstadt wie Berlin, kennt die Seed Evolution GmbH in Grub am Forst nicht. Mit ihrem Produkt "Meinwoody" und einer besonderen Philosophie hat diese Firma von der fränkischen Provinz aus einen beachtlichen Markt erobert.
Geboren wurde die Idee 2011. Ozan Durukan, gelernter Einzelhandelskaufmann, hatte seinen Job bei einem regionalen Unternehmen aufgegeben. Er hatte das, was ein Existenzgründer am wichtigsten benötigt: einen Traum. Er wollte Bewusstsein für die Natur wieder verstärkt ins Bewusstsein der Menschen bringen. Seine Idee war, dies über ein Produkt zu tun, das exakt diese Philosophie eines nachhaltigen und bewussten Umgangs mit der Grundlage allen Lebens verkörpert.
"Ich hatte ein Startkapital von 100 Euro", beschreibt er Landrat Michael Busch, bei dessen Besuch im Unternehmen, die Anfänge seines Startups, dass tatsächlich mit dem Laptop auf dem Küchentisch begann. Kunden der Seed Evolution GmbH bekommen ein Pflanzset. Es besteht aus einem biologisch abbaubaren Pflanztopf aus Kokosfaser, mit Erde und Samen darin. Um die Anleitung umzusetzen, wie daraus lebende Pflanzen sprießen sollen, wird keinerlei gärtnerisches Wissen benötigt.
Der wichtige Unterschied zwischen Meinwoody und der Pflanzschale aus dem Supermarkt mit Kräutern, die auf der Fensterbank nachwachsen, besteht darin, dass der Anbau eigener Blumen, Kräuter, Gemüse oder Bäume bei Meinwoody hinter dem Zweck zurück tritt, eine Botschaft zu transportieren. Zu den Kunden von Ozan Durukan und seinen zurzeit sechs festen Mitarbeitern gehören daher nicht nur Hausfrauen und Hobbyköche mit ökologischem Bewusstsein. Auf der Referenzliste der Seed Evolution GmbH stehen Namen wie Adidas, Flixbus, Münchner Rück, oder die Stadt Hamburg. Teils gehören die Produkte aus dem Coburger Land dort zur Ausstattung großer Events, teils werden sie an Mitarbeiter gegeben, um ihnen zu vermitteln, dass ihr Unternehmen verstärkt Augenmerk auf einen schonenden Umgang mit der Natur und ihren Ressourcen legen möchte. "Nur in Coburg haben wir dafür bisher noch kaum Nachfrage", sagt Ozan Durukan.
Ein Umstand, den Martin Schmitz, Wirtschaftsförderer des Landkreises, bedauert. "Wir brauchen einen Strukturwandel in der Region, für den dieses Unternehmen beispielhaft stehen kann", sagt er. Das Coburger Land hat eine industrielle Geschichte. Das ist dem Wirtschaftsförderer klar. Doch in vielen Bereichen wären heute neue Wege oft aussichtsreicher, als an diese Geschichte anknüpfen zu wollen. Auch dafür mag die Seed Evolution GmbH als Beispiel dienen, die nach Anfangsjahren in Coburg in die Gebäude der ehemaligen Blaufabrik in Grub umgezogen ist und so einer Industriebrache eine ökologisch gefärbte Zukunft gibt. Ozan Durukan pflichtet ihm bei: "Die meisten Gründer wollen eine App entwerfen und damit schnell viel Geld verdienen. Aber das ist schon sehr weit ausgereizt", ist seine Einschätzung.
Für seine Anstrengung, gerade in dieser Zeit der zunehmenden Digitalisierung auf "analoge" Produkte zu setzen, wurde Durukans Startup als eines von 32 Unternehmen 2015 bundesweit ausgezeichnet und unter die so genannten "Kreativpiloten" aufgenommen. Damit verbunden ist ein Mentoring, das dem Seed Evolution Team half, bekannter zu werden, Kontakte zu knüpfen und Referenzen zu erwerben. So stieg der Umsatz rasch an.
Der Philosophie entsprechend, die hinter der Meinwoody-Idee steht, gibt das Unternehmen Gewinne bereits weiter, indem etwa ökologische Produkte gefördert werden. Aber auch dadurch, dass anderen Gründern in den Räumen der alten Blaufabrik die Möglichkeit geboten wird, ihr Startup auf den Weg zu bringen.


Porzellan für die Sterneküche

Eine, die diese Chance schon ergriffen hat, ist Alisa Ehrlicher (www.alisaehrlicher.com). Sie hat in Coburg Design studiert. Zusammen mit ihrer Studienkollegin Denise Knauft hat sie eine kleine Porzellanmanufaktur aufgebaut. Durch glücklich gefundene Kontakte arbeitet sie gerade an einem Auftrag für den Fernseh- und Sternekoch Alexander Herrmann. "Für seine vegetarischen Angebote machen wir Porzellangeschirr in der Form von Blättern", erklärt sie. Ein Auftrag, der zu Beginn einer Gründung kaum besser laufen könnte.
Sie hofft, dass sich bald noch weitere Gründer in der Halle ansiedeln, denn die Bedingungen in der Halle in Grub seien für den Start geradezu ideal.
Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren