Rödental
Erweiterung

Ebersdorfer Unternehmen Martin expandiert

Die Firma Martin Stanz- und Umformteile erweitert ihr Werk 2 in Rödental. Gute Erfahrungen gibt es mit der Ausbildung und Qualifizierung von Flüchtlingen.
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Die Martin Metallverarbeitung GmbH expandiert am Standort Rödental. Durch den im August begonnenen zweiten Bauabschnitt (blau markierter Bereich) entsteht Raum für Produktions- und Logistikbereiche. Noch vor dem Jahreswechsel werden zwei weitere Großpressen mit 800 Tonnen Presskraft in Betrieb genommen.  Foto: Martin Rohm
Die Martin Metallverarbeitung GmbH expandiert am Standort Rödental. Durch den im August begonnenen zweiten Bauabschnitt (blau markierter Bereich) entsteht Raum für Produktions- und Logistikbereiche. Noch vor dem Jahreswechsel werden zwei weitere Großpressen mit 800 Tonnen Presskraft in Betrieb genommen. Foto: Martin Rohm

"Wir werden als Martin-Firmengruppe am Standort Deutschland weiter investieren und kontinuierlich wachsen. Und das gelingt uns nur, wenn wir hier weiterhin genügend qualifizierte Fachkräfte beschäftigen können." Dieses Statement des Geschäftsführenden Gesellschafters Peter Martin bezieht sich auf den Baubeginn für den zweiten Bauabschnitt der Erweiterung von Werk 2 im Industriepark Rödental-Blumenrod vor wenigen Tagen.

Die Inbetriebnahme erfolgt voraussichtlich zum Jahreswechsel 2018/2019. Die Werkserweiterung schafft Raum für die vorgesehene Vergrößerung des Presswerkes. Der Pressenschacht für eine neue 800-Tonnen-Presse ist bereits fertiggestellt; die Anlieferung der 140 Tonnen schweren Anlage ist für Ende September vorgesehen, eine weitere folgt gegen Ende des Jahres. Verbunden damit ist einer Pressemitteilung zufolge die Einführung neuer Umformtechnologien für hoch- und höchstfeste Stähle sowie eine moderne Energierückgewinnung. Weitere Schritte sind die Inbetriebnahme einer großen Schweißanlage und die Erweiterung des Lager- und Logistikzentrums. Alle Aufträge des zweiten Bauabschnitts wurden an Handwerker und Dienstleister aus der Region Nordbayern/Südthüringen vergeben. Die neuen Investitionen schaffen Beschäftigung für Fachkräfte in technischen und kaufmännischen Bereichen.

Ausbildung von sechs Flüchtlingen

In diesem Zusammenhang betont Geschäftsführer Peter Martin den hohen Stellenwert der Ausbildung: 60 der 700 Mitarbeiter an den fünf Unternehmensstandorten sind Auszubildende. Allein in Ebersdorf und Rödental werden laut Martin derzeit sechs Flüchtlinge ausgebildet. Ein junger Mann aus Afghanistan und fünf Syrer erlernen nach dem von der IHK zu Coburg entwickelten Modell "1 + 3" technische Berufe. Die Erfahrungen des Unternehmens mit dem deutschlandweit einzigartigen Integrationsprojekt für junge Flüchtlinge sind durchweg positiv. Die Flüchtlinge besuchen seit 2016 die damals eingerichteten "1+3"-Fachklassen an der Staatlichen Berufsschule I Coburg. Im ersten Jahr geht es um sprachliche und technische Grundkenntnisse, ab dem zweiten Jahr werden die Jugendlichen in den gleichen Klassen wie ihre deutschen Altersgenossen unterrichtet.

Abschiebung macht alle Anstrengungen vergeblich

Peter Martin stimmt IHK-Präsident Friedrich Herdan zu, der zum Ausbildungsbeginn 2018 dem bayerischen Innenminister Joachim Hermann versicherte: "Das Projekt läuft in Coburg dank des hohen Engagements der Ausbildungspartner bestehend aus den beteiligten Unternehmen, den Berufsschulen und der IHK hervorragend gut." Umso wichtiger sei es, dass die Auszubildenden mit Flüchtlingshintergrund ein Bleiberecht erlangten und nicht abgeschoben würden. Dadurch wären alle Anstrengungen der Unternehmen letztlich vergeblich. Peter Martin: "Wir brauchen sie, und sie brauchen uns!"

Hintergrund: Wie die Martin Metallverarbeitung GmbH von "1 + 3" profitiert:

Das Unternehmen Die Martin Metallverarbeitung GmbH, Ebersdorf, wurde 1967 von Günther und Helga Martin gegründet und kontinuierlich erweitert; seit 1998 wird das Unternehmen in zweiter Generation von Peter Martin geführt. 2005 nahm das Unternehmen sein Werk 2 im Industriepark Blumenrod in der Nachbarstadt Rödental in Betrieb. Zur Martin Gruppe gehören die Martin Stanz- und Umformtechnik GmbH in Parsberg/Oberpfalz, die Metec UAB in Vilnius (Litauen) und die AT Werkzeugbau Nürnberg GmbH. Die Martin Gruppe fertigt mit über 700 Mitarbeitern Stanz- und Umformteile sowie Baugruppen für Fahrzeugkarosserien. Zu den Kunden zählen namhafte Automobilhersteller und zahlreiche Automobilzulieferer. Die ständige Erweiterung der technologischen Kompetenz ist zentraler Bestandteil der Firmenstrategie.

Einen hohen Stellenwert nehmen daher neben der Entwicklungspartnerschaft mit den Automobilherstellern vielfältige Kooperationen mit Hochschulen und die eigene Ausbildung ein: Aktuell erlernen in der Firmengruppe 60 Auszubildende einen technischen oder kaufmännischen Beruf.

Das 1 + 3 Modell Das Besondere an "1+3" ist, dass von Anfang an Spracherwerb und Berufsausbildung durch Besuch der Berufsschule und Ausbildung im Betrieb parallel erfolgen. Hierdurch verlängert sich zwar die Berufsausbildung insgesamt um ein Jahr, dennoch stehen die jungen Leute dem Arbeitsmarkt als qualifizierte Fachkräfte früher zur Verfügung als durch in Bayern übliche Modelle mit vorgeschalteter zweijähriger Integrations- und Sprachschulung. Durch Zahlung einer Ausbildungsvergütung analog der Vergütung inländischer Azubis wird den Geflüchteten selbstbestimmtes Leben ermöglicht und so die Integration in die Berufswelt und die Gesellschaft zusätzlich motivierend gefördert.



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