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Lautertal-Schalkau: Partnerschaft nach 29 Jahren Probezeit

Die Gemeinden Lautertal und Schalkau haben offiziell die seit fast drei Jahrzehnten bestehende Partnerschaft besiegelt.
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Mit ihren Unterschriften besiegelten Bürgermeisterin Ute Hopf (Schalkau) und Bürgermeister Sebastian Straubel (Lautertal) eine Partnerschaft, die schon seit 29 Jahren besteht.Martin Rebhan
Mit ihren Unterschriften besiegelten Bürgermeisterin Ute Hopf (Schalkau) und Bürgermeister Sebastian Straubel (Lautertal) eine Partnerschaft, die schon seit 29 Jahren besteht.Martin Rebhan
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Nach 29 Jahren "wilder Ehe" haben die Kommunen Schalkau und Lautertal nun ihre lange Partnerschaft hoch offiziell beurkundet. In Rahmen eines Festaktes wurde am vergangenen Donnerstag die Partnerschaftsurkunde von Bürgermeisterin Ute Hopf (Schalkau) und Sebastian Straubel (Lautertal) unterzeichnet. Damit wurde dokumentiert, was im Grunde schon seit den ersten Tagen der Grenzöffnung offen gelebt wird: die enge Verbindung der beiden Nachbarkommunen, die zunächst keine Nachbarn waren. Erst durch die Eingemeindungen von Emstadt mit seinen Weilern Görsdorf und Truckendorf zur Stadt Schalkau im Jahr 1994 hatten die beiden heutigen Partnerkommunen eine gemeinsame Grenze.

In der Urkunde heißt es unter anderem, dass es Ziel der Partnerschaft sei, die von den Einwohnern der Gemeinden begonnen Freundschaften zu vertiefen. Angefangen hat alles mit einem Satz des unvergessenen Emstadter Bürgermeisters Reinhold Meier, der in Görsdorf zu seinem damaligen Lautertaler Amtskollegen Klaus Forkel gesagt hat: "Bürchermaster, ihr müsst a Loach in dann Zau mach." Der Fall der Mauer und die erfolgte Wiedervereinigung waren dann das zentrale Thema, um dass sich die Reden rankten.

Bürgermeister Straubel betonte, dass das ein sehr glücklicher Moment der deutschen Geschichte war. Straubel weiter: "Ein großer Teil unserer Bevölkerung kennt nichts anderes, als in einem vereinten Deutschland zu leben." Für ihn war es ein Glücksfall, dass die beiden Kommunen sich nach der Wende nicht mit Skepsis begegnet seien, sondern sich gefunden, gemeinsam angepackt und sich geholfen hätten. Daraus ist eine Freundschaft entstanden, die fast 30 Jahre überstanden hat.

Für die Schalkauer Bürgermeisterin Ute Hopf ist es wichtig, die Zeit der DDR mit Todesstreifen und Schießbefehl nicht zu verschweigen, sondern an die Jugend weiterzugeben und dafür Sorge zu tragen, dass so etwas nie wieder passiert. "Wir leben in Franken, wir sprechen die gleiche Sprache", betonte die Schalkauer Bürgermeisterin.

Die selbst gestellte Frage warum erst nach 29 Jahren eine Partnerschaft besiegelt wird, die schon lange besteht, beantwortete sie mit den Worten: "Wir dachten es ist Zeit, nicht nur auf verschiedenen Gebieten zusammenzuarbeiten, sondern unsere Freundschaft auf diese Art zu festigen."

So sah es auch Landrat Michael Busch der meinte: "Lieber 29 Jahre als Partner gelebt als eine Partnerschaft zu beschließen, die nicht gelebt wird." Er führte vor Augen, dass die Räume Coburg, Sonneberg und Hildburghausen schon seit Jahren eng zusammenarbeiteten und es dadurch zu einer erfolgreichen Bildungs-, Wirtschafts- und Gesundheitsregion gekommen sei. Sonnebergs Landrat Hans-Peter Schmitz sprach von eine grenzenlosen fränkischen Region. Er erinnerte daran, dass das Gebiet zwischen Rennsteig und oberem Maintal schon seit Jahrhunderten eng miteinander verbunden war. "Nur ein verlorener Krieg teilte die Region", führte Schmitz vor Augen.

Die thüringische Landtagsabgeordnete Beate Meißner meinte, dass kleinen Geschehnisse nach der Grenzöffnung in keinem Geschichtsbuch stünden. Es sei darum umso wichtiger, diese Erinnerungen für die kommenden Generationen am Leben zu erhalten. MdL Jürgen Heike erzählte mit viel Emotionen, wie er die Grenzöffnung in Neustadt an der gebrannten Brücke empfunden habe. Pfarrer Andreas Orendt von der Johanniskirchengemeinde Schalkau stellte seine Betrachtungen unter das Bibelwort des Propheten Jeremia: "Suchet der Stadt Bestes, wenn's ihr wohl geht, so geht's euch auch wohl."

"Wir brauchen Partnerschaften und keine Abschottung", betonte die Lautertaler Pfarrerin Dorothea Eichhöfer-Wunder. Für sie steht auch fest, dass für die Ereignisse 1989 in der DDR nicht allein menschliches Tun verantwortlich war. Die ehemaligen Bürgermeister Klaus Forkel (Lautertal) und Reinhard Zehner (Schalkau) konnte als Zeitzeugen aus nächster Nähe interessant berichten, was sich in den Tagen nach der Grenzöffnung alles getan hat.

Für die musikalische Umrahmung sorgte der Posaunenchor Schalkau.



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