Coburg
Auftritt

Orffs Klänge in Coburg faszinierend interpretiert

Wie zahlreiche Zuhörer in der Coburger Morizkirche das Benefizkonzert mit dem Deutschen Ärzteorchester und dem Deutschen Ärztechor erleben.
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Beeindruckend geriet das Benefizkonzert mit dem Deutschen Ärzteorchester und dem Deutschen Ärztechor vor zahlreichen Zuhörern in der Coburger Morizkirche. Am Dirigentenpult stand Alexander Mottok.Foto: Jochen Berger
Beeindruckend geriet das Benefizkonzert mit dem Deutschen Ärzteorchester und dem Deutschen Ärztechor vor zahlreichen Zuhörern in der Coburger Morizkirche. Am Dirigentenpult stand Alexander Mottok.Foto: Jochen Berger
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Hohe, helle Klänge, die durch den Raum schweben - schwirrende, immer wieder sich überlagernde Klänge, wie sie Benedikt Brydern in seinem Konzertstück "Glasperlenspiel" geschrieben hat.

Als Coburger Erstaufführung war das etwa zehnminütige Werk für zwei Soloviolinen und Orchester beim Benefizkonzert des Deutschen Ärzteorchesters in St. Moriz erleben - sehr eindringlich zu erleben.

Bestens vorbereitet

Denn das Deutsche Ärzteorchester ist zwar kein Profiorchester, unter professioneller Leitung aber zu bemerkenswerten Leistungen fähig. Alexander Mottok jedenfalls hatte den durch die Schlagwerkgruppe Pauls Andersons verstärkten Klangkörper bestens vorbereitet auf dieses Konzert, dessen Erlös der geplanten Erweiterung der Schuke-Orgel zugute kommt.

"Glasperlenspiel"

Bryderns "Glasperlenspiel" verknüpft unüberhörbar Einflüsse der Minimal Music sehr wirkungsvoll mit Filmmusik-Effekten. Als junges Solisten-Duo brillierten Tirza Bluhm und Friederike Trost unter Alexander Mottoks umsichtiger Leitung mit Virtuosität, präzisem Zusammenspiel und Tonschönheit.

"Carmina Burana"

Das Werk, das die Zuhörer in die Morizkirche gelockt hatte, stand als zentrales Stück zum Abschluss auf dem Programm: Carl Orffs "Carmina Burana", 1937 als szenische Kantate uraufgeführt. Orffs bis heute erfolgreichstes Werk, so eingängig seine Melodien sein mögen, hält für die Interpreten eine Fülle von Herausforderungen parat - vor allem rhythmischer Art.

Hervorragendes Solisten-Trio

Alexander Mottok aber gelang es bei der durchwegs spannenden Aufführung in St. Moriz, die große Schar der Mitwirkenden zu einer geschlossenen Einheit zu bündeln - den von Uta Singer sorgsam einstudierten, klangvoll und in den Stimmgruppen ausgewogen singenden Ärztechor und den Aquire Jugendchor Erlangen (Einstudierung Philipp Barth). Sehr überzeugend agierte das Solisten-Trio. Katharina Leyhe beeindruckte mit schlankem, klar artikulierendem Sopran, der Tenor Michael Connaire in der Rolle des singenden gebratenen Schwans ("Olim lacus colueram) machte aus seinem Part einen überaus wirkungsvollen szenischen Auftritt und der Bariton Dragutin Matic zog die Zuhörer mit seiner Gestaltungskraft und vokalen Durchschlagskraft nachhaltig in Bann.

Stehende Ovationen

Mit klaren gestalterischen Vorstellungen und prägnanten Impulsen war Dirigent Alexander Mottok nicht nur der stets umsichtige musikalische Leiter, sondern beflügelte Chöre, Solisten und Orchester regelrecht. Er entlockte der Partitur ihre Effekte, reizte die dynamischen Extreme aus und wurde auf diese Weise zum Garanten einer bis zum Schluss packenden Aufführung. Stehende Ovationen und eine umjubelte Zugabe.

Rund um das Benefizkonzert in St. Moriz

Der Deutsche Ärztechor wurde aus dem Wunsch heraus gegründet, mit dem Deutschen Ärzteorchester auch große Oratorien musizieren zu können. Der Chor kam Ende Dezember 2007 erstmals zusammen. Er besteht aus einem lockeren Zusammenschluss von mittlerweile mehr als 500 Ärztinnen und Ärzten sowie Angehörigen weiterer medizinischer und medizinverwandter Tätigkeitsfelder aus allen Teilen Deutschlands.

Das Deutsche Ärzteorchester wurde 1989 gegründet. Im Ärzteorchester spielen Mediziner aus ganz Deutschland, geprobt und konzertiert wird im Rahmen von drei bis vier Arbeitsphasen im Jahr. Seit 2003 leitet Alexander Mottok die Arbeitsphasen und Konzerte des Orchesters.

Schuke-Orgel Die Orgel von St. Moriz aus dem Jahr 1989 zählt bis heute zu den bedeutsamen Instrumenten ihrer Art in Oberfranken. Durch die Kirchenrenovierung haben sich allerdings die Akustik und der Klang des Instruments verändert: Der Bassbereich ist mittlerweile zu schwach. Für dieses Problem gibt es aber eine Lösung: Schon in der Barockzeit waren die Orgeln in den großen Kirchen oft mit tiefen Bassregistern ausgestattet, die für die nötige Klangabrundung sorgten. Deshalb soll die Orgel um die Pedalregister Untersatz und Posaune 32 Fuß erweitert werden. Diese Maßnahme kostet etwa 120000 Euro.red

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