Heldritt
Ehrenamt

Ohne Ehrenamt läuft hier gar nichts: Was hinter den Kulissen der Waldbühne Heldritt passiert

Im Sommerurlaub wollen die meisten die Beine hochlegen und entspannen. Nicht so die Ehrenamtlichen der Sommeroperette Heldritt. Sie helfen freiwillig bei der Gastronomie, dem Auf- und Abbau sowie der Parkplatzeinweisung.
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Die ehrenamtlichen Helfer der verschiedenen Ortsvereine versorgen die Besucher vor, während und nach der Vorstellung mit belegten Broten, Pizza, Bratwürsten, Getränken und vielem mehr. "Wir helfen gern, wo auch immer wir können",   sagt einer der Unterstützer.Marieke Fiala
Die ehrenamtlichen Helfer der verschiedenen Ortsvereine versorgen die Besucher vor, während und nach der Vorstellung mit belegten Broten, Pizza, Bratwürsten, Getränken und vielem mehr. "Wir helfen gern, wo auch immer wir können", sagt einer der Unterstützer.Marieke Fiala
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"Hast du mal Tesa, Nicole?", ertönt es ungeduldig aus der Küche. "Tut mir leid, ich muss kurz...", entschuldigt sich die Helferin und eilt davon. In zwei Stunden startet die Premiere der Operette "Die Landstreicher" auf der Waldbühne in Heldritt. Jetzt muss jeder Handgriff sitzen. Schilder werden aufgehängt, Stühle und Tische abgewischt und Brote geschmiert. Von der Hektik hinter den Kulissen merken die Zuschauer später nichts mehr. Doch für die Sommeroperette Heldritt sind die ehrenamtlichen Helfer genauso wichtig wie die Darsteller auf der Bühne.

Ein Wirbelwind in der Küche

"Ich bin heute sowas von durch den Wind. Das kenn ich sonst überhaupt nicht von mir", erklärt Nicole Brehm, als sie kurz zum Stehen kommt. Aber nur kurz. Von allen Seiten wird ihr Name gerufen, überall muss sie mitanpacken. Logisch, sie ist schließlich für die Gesamtorganisation der Gastronomie zuständig. Für sie ist es das erste Mal bei der Sommeroperette, aber Erfahrung als Küchenleitung hat sie schon im Heimatverein gesammelt. Auf der Waldbühne kümmert sie sich nun um das leibliche Wohl der Künstler und Gäste. "Ich bin die Erste, die kommt, und die Letzte, die geht", sagt sie.

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Die Anstrengung lässt sie sich aber nicht ansehen. Sie wuselt umher, immer mit einem Lachen im Gesicht. "Das hier ist etwas Besonderes für mich, etwas, womit ich sonst im Alltag nicht so viel zu tun habe", erklärt sie. Nicht nur für Nicole Brehm, nein, für viele Helfer ist die erste Saison der neuen Sommeroperette Heldritt etwas ganz Besonderes. Denn nun wird sich zeigen, ob sich die Mühe und Hoffnung gelohnt hat, ob die Tradition der Operette auf der Waldbühne weitergeführt wird.

Fünf Vereine helfen mit

Insgesamt fünf Ortsvereine teilen sich die Arbeit rund um die Sommeroperette Heldritt: Der TSV, die Feuerwehr, der Obst- und Gartenbauverein, der Kleintierzuchtverein und der Gesangsverein. Mehr als 20 ehrenamtliche Helfer sind allein für die Gastronomie zuständig. Dazu kommen pro Abend noch drei Techniker und fünf Parkplatzeinweiser. Nicht zu vergessen der Verein Coburger Operetten-Freunde, dessen Mitglieder sich für den Neustart der Sommeroperette einsetzen. "Eigentlich sind abgesehen vom Ensemble alle hier ehrenamtlich tätig", berichtet Friederike Möbus, Pressereferentin der Sommeroperette. Für sie ist es selbstverständlich, sich hier zu engagieren. "Schon als Kind stand ich hier auf der Bühne, später habe ich als Regieassistentin geholfen. Ich bin einfach verbunden mit diesem Ort", sagt sie lächelnd.

Die meisten Helfer haben bereits Erfahrung auf und hinter der Waldbühne - und das sieht man. "Wir sind hier wie eine Familie", sagt ein Helfer, "da weiß jeder, was er zu tun hat und was der andere gut kann".

Wenig Nachwuchs im Ehrenamt

So viel Einsatz bleibt auch den Gästen nicht verborgen, die vor Premierenbeginn langsam eintrudeln. "Schön, dass es solche Leute gibt", lobt eine Besucherin aus Konstanz. Leider werde es immer schwerer, ehrenamtliche Helfer zu finden, so Matthias Stampf, 3. Vorsitzender des TSV Heldritt. "Wir sind hier zwei Wochen voll eingespannt, noch dazu in der Urlaubszeit", erklärt er, "da springen natürlich viele ab".

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Nicht so die "Gebrüder Schindler", wie Franz und Anton liebevoll von allen genannt werden. "Wir standen früher als Statisten und in kleinen Nebenrollen auf der Bühne", erzählt der 17-jährige Franz aus Wüstenahorn. Als sie erfuhren, dass es mit der Operette nun doch weitergeht, fragten sie sofort, ob noch Hilfe gebraucht wird. Jetzt sind sie jeden Abend dabei, helfen beim Bühnenbau, verkaufen Programmhefte. "Mittlerweile finde ich die Arbeit hinter den Kulissen sogar interessanter", sagt Franz, "es ist echt spannend, ein ganzes Bühnenbild aufzubauen und handwerklich mitzumachen".

Gelungener Neustart auf der Waldbühne - vier weitere Aufführungen

Neustart Sommeroperette auf der Waldbühne Heldritt hat seit 25 Jahren Tradition. Der zunächst dafür verantwortliche Verein Coburger Sommeroperette ist aber vor zwei Jahren nach Bad Staffelstein umgezogen und mittlerweile pleite. Für einen Neustart auf der Waldbühne hat sich der Trägerverein Coburger Operetten-Freunde gegründet. Nach einem Galakonzert im vergangenen Jahr zeigt die neue Sommeroperette Heldritt jetzt Carl Michael Ziehrers "Die Landstreicher". Termine Nach der umjubelten Premiere am vergangenen Wochenende gibt es noch vier weitere Aufführungen: Freitag, 16. August, 19.30 Uhr; Samstag, 17. August , 15 und 19.30 Uhr; Sonntag, 18. August, 16 Uhr

Kartenverkauf Sommeroperette Heldritt, Hauptstraße 9, Bad Rodach (Telefon: 09564/ 800441) oder unter www.waldbuehne-heldritt.de

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