OB Kastner antwortet auch in seiner Eigenschaft als Aufsichtsratsvorsitzender der städtischen Wohnbau, die mit der Sanierung des Quartiers beauftragt ist: Die Wohnbau habe in der Vergangenheit immer wieder Gebiete und Einzelobjekte "in vorbildlicher Weise saniert". Für die Ketschenvorstadt sei in über zehn Jahren ein "integriertes Planungskonzept" geschaffen worden. Ziele seien Barrierefreiheit, Gestaltung des öffentlichen Raumes, Sicherung von Nahversorgung und Stärkung des Einzelhandels sowie preisgünstiger Wohnraum für alle Bevölkerungsgruppen einschließlich der Stellplätze. "Dabei ist es uns in erfreulicher Weise gelungen, dass im gesamten Quartier lediglich zwei Häuser zur Zielerreichung abgebrochen werden müssen, um die Gesamtziele zu erreichen."
Laut Kastner sind alle mit den Planungen befassten Architekturbüros zu dem Schluss gekommen, dass "die Gebäude Goethestraße 9, 9 a und Albertsplatz 4 aus guten Gründen nicht erhalten werden können". Beim Gebäude Albertsplatz 4 handele es sich nicht um ein Einzeldenkmal. Der an dieser Stelle geplante Neubau werde "den städtebaulichen Anforderungen eines Ensembles" Rechnung tragen. Dies sei auch mit dem Landesamt für Denkmalschutz abgestimmt. Das Gebäude Goethestraße 9 sei um 1910 herum errichtet und, nachdem es zur Hälfte abgebrannt war, neu aufgebaut worden. Erst im Zug des Planverfahrens gelangte es in die Denkmalliste. Lediglich einige Zimmer in einer der Wohnungen würden über "bauhistorische Qualität" verfügen, schreibt Kastner.
Der OB verweist auf den Zustand des gesamten Quartiers Ketschenvorstadt, das zur Hälfte aus Denkmälern besteht. Vor der Festlegung als Sanierungsgebiet sei dieser Stadtbereich "marode geworden und bot weder für Wohnen noch für den Einzelhandel eine Zukunftsperspektive". Eine Befragung der Eigentümer habe ergeben, dass von privater Seite innerhalb von zehn Jahren lediglich 180 000 Euro investiert werden sollten. Deshalb habe sich der Stadtrat "trotz einer nicht einfachen Haushaltssituation" entschieden, die Ketschenvorstadt zum Sanierungsgebiet zu erklären und die Wohnbau als Sanierungsträger zu beauftragen. "Auch wenn Sie dem Abbruch des Grundstückes Goethestraße 9, 9 a nicht zustimmen können, bitte ich Sie dennoch um Verständnis für diese notwendige Entscheidung." Die Wohnbau sei "gerne bereit, Ihnen vor Ort den Planungsprozess und den Stand zur Umgestaltung des Quartiers zu erläutern".
Kastner verweist sodann darauf, dass in der Ketschenvorstadt "ein vielfältiges Wohnungsangebot für alle Bevölkerungsgruppen und Lebensphasen geschaffen" werde. Die Wohnbau werde 23 "neue bezahlbare Wohnungen, weitgehend barrierefrei" errichten.
13 Gebäude in der Ketschenvorstadt seien stark sanierungsbedürftig. Eins - Goethestraße 9 - wird abgerissen. Vier weitere werde die Wohnbau demnächst instand setzen, drei die privaten Eigentümer. Weitere vier Grundstücke sollen laut Kastner von Privatinvestoren mit Sanierungsauflagen entwickelt werden. Bei einem "intensiv genutzten Gebäude im Privatvermögen" sei die Sanierung noch nicht abschließend geklärt.
"Des Weiteren soll durch die Wohnbau eine nachhaltige Entwicklung von drei Gebäuden im Ensemble vorangetrieben werden. Eine Zerstörung der Stadt vermag ich in diesem Handeln nicht zu erkennen", schließt Kastner.