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Coburg
Kommunalwahl

Coburgs OB-Kandidaten im Portrait: Ina Sinterhauf

Ina Sinterhauf ist Oberbürgermeister-Kandidatin der Grünen in Coburg. Im Gespräch verrät sie, wie sich die Stadt in Zeiten des Klimawandels verändern sollte.
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Coburgs Orte mit Potenzial entdecken möchte Ina Sinterhauf, Oberbürgermeister-Kandidatin der Grünen - zum Beispiel den  Bereich rund um die Mohrenbrücke.Foto: Jochen Berger
Coburgs Orte mit Potenzial entdecken möchte Ina Sinterhauf, Oberbürgermeister-Kandidatin der Grünen - zum Beispiel den Bereich rund um die Mohrenbrücke.Foto: Jochen Berger

Vormittags auf der sanierungsbedürftigen Mohrenbrücke in Coburg. Heftige Windböen fegen durch die Mohrenstraße. Viel Bewegung in der Luft, der Straßenverkehr aber hält sich sehr in Grenzen - von den regelmäßig fahrenden Stadtbussen abgesehen.

"Eigentlich brauchen wir die Mohrenstraße gar nicht für den Durchgangsverkehr - auch nicht die obere Mohrenstraße", sagt Ina Sinterhauf, die für Coburgs Grüne erstmals als Oberbürgermeister-Kandidatin antritt: "Die Mohrenstraße könnte eine grüne Achse werden", eine Straße, die nur noch von Anwohnern genutzt wird.

Lieblingsorte in Coburg? Bei dieser Frage kommt Sinterhauf ins Grübeln - und muss am Ende passen. "Ich habe eigentlich keine Lieblingsorte in Coburg", sagt sie und erzählt lieber von "Orten mit Potenzial". Reichlich Potenzial jedenfalls sieht sie im Bereich rund um die Mohrenbrücke - vor allem dann, wenn die Mohrenstraße keine Straße mehr für den Durchgangsverkehr wäre. "Das kann ein wunderbarer Ort werden", sagt sie und lässt den Blick schweifen über die große freie Fläche rund um den seit Jahren leer stehenden Pavillon unmittelbar an der Brücke.

Mobilität neu definieren

"Wir wollen das Auto nicht verbieten, aber wir wollen die Art unserer Mobilität neu definieren", sagt sie. Was wäre alles möglich, wenn man den Menschen so viel Platz geben würde wie gegenwärtig dem Auto eingeräumt wird?

Für sich selbst hat die OB-Kandidatin der Grünen die Frage nach dem Auto schon beantwortet. Im letzten Sommer hat sie ihr Fahrzeug abgeschafft, nachdem es ein Jahr fast nur rumgestanden habe. Ein Leben ohne Auto? Für Sinterhauf ist das vor allem eine Frage der Organisation. "In der Stadt brauche ich ein Auto gar nicht", sagt sie: "Man muss sich seinen Alltag anders organisieren, zum Beispiel Transporte." In dieser Hinsicht gebe es durchaus Defizite beim ÖPNV.

Ideen für den Anger entwickeln

Auch der Anger vor den Toren der Stadt ist aus ihrer Sicht ein Ort mit Potenzial. "Man kommt aus der schön gestalteten Ketschenvorstadt heraus und steht vor einer Brache", sagt Sinterhauf: "Der Anger - das ist so undefiniert. Und ich frage mich, wird das diesem Ort gerecht?" Der Anger soll aus ihrer Sicht ein Gemeinschaftsplatz bleiben.

Aber dann stellt sich für sie die Frage: "Wie wird er genutzt, wenn er nicht für das Schützenfest genutzt wird?" Als Parkfläche sieht sie den Anger künftig nicht mehr: "Wenn wir den Straßenverkehr umbauen, wird die Kapazität der Parkhäuser völlig ausreichend sein."

Leute zum Nachdenken bringen

Ideen dadurch verbessern, dass man mit anderen Menschen darüber redet - auch deshalb findet Sinterhauf Wahlkampf auf der Straße so spannend: "Ich mache gerne Wahlkampf, ich rede gerne mit Leuten, das bringt Leute ins Nachdenken."

Wahlkampf freilich ist eine zeitaufwändige Beschäftigung. Das weiß Sinterhauf aus den Erfahrungen bei ihrer ersten Kandidatur für den Stadtrat 2014 und bei der Landtags-Kandidatur 2018. Sie weiß aber auch, dass sie in ihrer Tätigkeit an der Hochschule Coburg im Rahmen des Projekts "MUT - Mädchen und Technik" mit einem flexiblen Arbeitszeitmodell gute Rahmenbedingungen vorfindet: "Meine Tätigkeit an der Hochschule orientiert sich sehr an den Studierenden. Da wir jetzt bis zum 15. März Semesterferien haben, passt das sehr gut."

Umsetzungsdefizit

Ihre persönlichen Erfahrungen im Kommunalwahlkampf sind durchweg positiv. Denn "die Klimawandel-Leugner toben sich auf unserer Facebook-Seite aus". Vielen Menschen sei klar, dass das "eine entscheidende Wahl ist: Wir haben beim Thema Klimawandel kein Wissensdefizit, sondern ein Umsetzungsdefizit."

Einen Sinneswandel spürt sie inzwischen auch bei Senioren, obwohl sich Senioren sagen könnten, sie wären persönlich von den gravierendsten Auswirkungen des Klimawandels nicht mehr betroffen: "Aber vielleicht fragen sie sich auch: Welche Welt hinterlasse ich? Und vielleicht sehen sie auch die Verantwortung für ihre Enkel."

"Ich arbeite sehr gerne"

Angst vor den Herausforderungen im Arbeitsalltag eines Stadtoberhaupts hat sie nicht - auch nicht vor einem dicht getakteten Kalender. "Ich arbeite sehr gerne. Politische Arbeit ist Selbstverwirklichung. Ich arbeite auch jetzt schon sehr viel und habe auch jetzt schon Führungsverantwortung - wenn auch in anderem Maßstab."

Kampf gegen Bequemlichkeit

Populismus als Mittel, um im Wahlkampf Mehrheiten zu erringen? "Davon halte ich nichts. Politiker haben auch die Aufgabe, das Unbequeme anzusprechen." Themen verständlich formulieren, aber nicht inhaltlich vereinfachen - das ist ihre Maxime. Veränderung, sagt sie, ist der "Kampf gegen die eigene Bequemlichkeit".

"Am 15. März wählen gehen!"

Dann steigt sie wieder auf ihr Fahrrad mit dem metallenen Einkaufskorb auf dem Gepäckträger, den sie in einen Werbeträger mit politischer Botschaft umfunktioniert hat. Die Werbung in eigener Sache ist noch versehen mit einer unmissverständlichen Aufforderung: "Am 15. März wählen gehen!"

In zehn Jahren wieder hier: Ina Sinterhaufs Vision von "Coburg 2030"

Coburg hat den Sprung gewagt und die Herausforderungen von Klimawandel, Verkehrswende und Strukturwandel erfolgreich bewältigt: Mobilität, Bauen und Energieversorgung sind klimaneutral und nachhaltig, die Mohrenstraße ist zur verkehrsberuhigten grünen Zone geworden, im Steinweg locken Werkstätten der Studierenden, und auf dem begrünten Anger parken längst keine Autos mehr."

Eine starke Zivilgesellschaft und innovative Unternehmen haben diesen Wandel getragen und mitgestaltet - und davon profitieren jetzt alle Coburger*innen.

Zur Person

Ina Sinterhauf, Angestellte im öffentlichen Dienst, 44, tätig an der Hochschule Coburg in der oberfrankenweiten Nachwuchsförderung, kandidiert für Die Grünen.

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