Coburg
Landgericht

Nutzte ein Coburger Arzt seine Patientinnen aus?

Ein Verteidiger eines Coburger Allgemeinarztes zwingt das Gericht mit seiner Forderung gleich am ersten Verhandlungstag zu einer Entscheidung. Die Richter brauchen allerdings Bedenkzeit.
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Elf Verhandlungstage sind im Prozess gegen einen Coburger Arzt angesetzt worden. Symbolfoto: Patrick Seeger/dpa
Elf Verhandlungstage sind im Prozess gegen einen Coburger Arzt angesetzt worden. Symbolfoto: Patrick Seeger/dpa

Gleich zwei Anklagen sieht sich der 62-jährige Hausarzt vor dem Coburger Landgericht ausgesetzt. Schon länger bekannt ist der Vorwurf des Abrechnungsbetrugs. Der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns soll zwischen 2013 und 2015 ein Schaden von fast 50 000 Euro entstanden sein.

Zwei Frauen sind betroffen

An dieses Verfahren ist nun die Anklage des sexuellen Missbrauchs geknüpft. Dem Hausarzt wird vorgeworfen, ein Verhältnis zu zwei seiner Patientinnen unterhalten zu haben. Diese waren bei ihm in psychotherapeutischer Behandlung, weshalb eine Beziehung dem Gesetz nach als sexueller Missbrauch unter Ausnutzung eines Behandlungsverhältnisses gilt. Die Frauen seien durch ihre Krankheit nicht in der Lage gewesen, Entscheidungen bezüglich ihrer sexuellen Selbstbestimmung zu treffen.

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Laut Anklage geht es um mindestens neun Treffen zwischen dem Hausarzt und seinen Patientinnen zwischen November 2015 und Mai 2016 sowie Januar und September 2016, bei denen es zum Geschlechtsverkehr gekommen sein soll.

Keine Aussage des Arztes

Der 62-jährige Angeklagte äußerte sich am Montag vor der Ersten Großen Strafkammer des Landgerichts Coburg nicht zu den Anschuldigungen. Dagegen überraschte Pflichtverteidiger Johann Schwenn (Hamburg) mit seiner Forderung, den zweiten Verteidiger, Albrecht Freiherr von Imhoff (Coburg), von seiner Aufgabe zu entbinden. Dieser war zunächst als Pflichtverteidiger für die Anklage des Betrugs zugeteilt worden. Das Gericht dehnte die Zuständigkeit jedoch auf beide Anklagen aus.

Schwenn begründete seinen Antrag damit, dass Freiherr von Imhoff in einem Loyalitätskonflikt stehe. Zwischen Imhoffs Frau und einer Nebenklägerin im Fall des sexuellen Missbrauchs bestehe eine freundschaftliche Beziehung . Bei der Zeugenbefragung der Nebenklägerin und möglicherweise seiner Frau wäre Freiherr von Imhoff befangen, führte Schwenn weiter aus.

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Es wäre eine "entlegene Vorstellung" zu glauben, dass Freiherr von Imhoff anständig seiner Arbeit nachgehen könne. Auch die Befragung Freiherr von Imhoffs als Zeuge selbst sei nicht ausgeschlossen. "Das würde das Verfahren nachhaltig beschädigen", bekräftigte Schwenn sein Anliegen.

Staatsanwalt Martin Dippold sah keinen Anlass, dem Antrag stattzugeben, während Freiherr von Imhoff keine Einwände gegen den Antrag hatte. Zu den Ausführungen Schwenns äußerste er sich nicht. Die endgültige Entscheidung muss das Gericht unter dem Vorsitzenden Richter Christoph Gillot treffen.

Gutachten kann wichtig werden

Ein weiteres Anliegen Schwenns war der Gutachter, der für die Verhandlung entscheidend werden kann. Er soll zu der Frage Stellung nehmen, ob bei den Geschädigten psychische Ausnahmezustände vorgelegen hätten. Schwenn wies in diesem Zusammenhang das Gericht darauf hin, dass dem Sachverständigen Chatverläufe zwischen dem Angeklagten und den Frauen nicht zur Verfügung gestanden hätten. Ein vollständiges Gutachten lasse sich somit nicht erstellen. Hier muss sich das Gericht mit der Frage befassen, wie relevant die Chatverläufe für das Gutachten sind.

Der Prozess wird am Dienstag, 23. Oktober, um 9 Uhr fortgesetzt.



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