Coburg

Nun ist Wolfgang Schott selbst auf Himmelfahrt

Der Seßlacher Bildhauer und Restaurator ist im Alter von nur 66 Jahren gestorben.
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Wolfgang Schott mit all seinen Holztrümmern und Halbfertigem in seinem Hof. Carolin Herrmann
Wolfgang Schott mit all seinen Holztrümmern und Halbfertigem in seinem Hof. Carolin Herrmann
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Er war ein Brockenkerl. Mit wallendem Haar, einem gutmütigen Lächeln. Wie kann der jetzt tot sein? Wolfgang Schott. Der Seßlacher Bildhauer. Er starb am Sonntag gerade mal 66 Jahre alt. Ein Baum, gefällt in kurzer Zeit.

Seine Kunst, seine wuchtigen Riesenköpfe, seine Tiere, seine abstrakteren Skulpturen holte er mit der Kettensäge aus den Holzstämmen, aber nicht nur: Seine Werke blieben massiv bodenständig und haben doch auch jenen irritierenden feinen Zug, der "ins Andere" verweist, geschaffen mit dem feineren Werkzeugen des Herrgottschnitzers, der Wolfgang Schott nicht war und dann doch.

Als gefragter Restaurator von Christusfiguren und Heiligen aller Art steckte er durchaus in der katholischen Bilderwelt, auch wenn er selbst nicht meinte, aus religiösem Impetus heraus zu handeln. Wie so eine Himmelfahrt konkret gehen könnte, das aber fragte er schon. Dabei entstand jene in den Himmel fahrende Maria, die er in einen Glasrahmen zwängte und dann hoch an den Giebel über seinem Hof hing. Hängt sie da noch?

Dass Wolfgang Schott jetzt selbst schon seine eigene Himmelfahrt unternommen hat...

Was geschieht nun mit all den Holzstücken und Strünken und gesammelten Teilen in seinem Handwerkerhof, seinem Atelierhof direkt hinter dem Geyersberger Tor, die in Zwiesprache mit ihm lebten. Sie warteten auf ihn und er auf sie, bis sie ihm sagten, was sie werden wollten. So hat er es selbst dargestellt, wieder mit diesem ein bisschen verlegenen Augenzwinkern, aber keineswegs satirisch gemeint. Oder wenigstens nicht nur, auch wenn manchmal schon Schräges herauskam aus den Bäumen.

1984 hat der ursprünglich aus Dörfles-Esbach stammende Künstler den Bauernhof an der Stadtmauer gekauft, den Stall hinten abgerissen. Er hat renoviert und renoviert und ist mit seinem Werk und seinem Wirken in das Städtchen hineingewachsen, die Touristen hier am "Einfallstor" gleich mit Großköpfen empfangend. Und weitere Künstler in dieses einmalige Städtchen ziehend, das gerade auch durch ihn seinen besonderen Kunstcharakter, im Heute andauernd, behaupten konnte. Zum Stadtjubiläum 2010 hatte Schott namhafte Kollegen aus ganz Europa geholt, um bei einem Symposium ein weiteres Stück Skulpturen-Pilgerweg von Seßlach über Untermerzbach nach Vierzehnheiligen zu schaffen.

Rundum aktiv

Wolfgang Schott lebte hier und von hier aus und war in Coburg präsent bei vielerlei Kunstaktionen. Bei Heiko Bayerliebs Kunstmesse vor zwei Wochen, da hätte er nicht nur ausstellen, sondern abends auch noch Musik machen sollen. So einer war er nämlich auch. Schott war zudem gefragter Dozent der Coburger Sommerakademie, wo Interessierte aus ganz Deutschland seine Kunst der Kettensäge kennenlernen wollten.

Schott und sein Zwillingsbruder waren als Kinder sichtlich handwerklich begabt. Als bei Albrecht in Weitramsdorf zwei Lehrstellen frei wurden, so erzählte er es einmal gegenüber dem Tageblatt, nahm Wolfgang die als Bildhauer, weil er etwas besser malen konnte als sein Bruder. Der lernte Schreiner.

Der künstlerische Sinn und ein leiser Humor trieben Schott nach der Meisterprüfung in München auch auf den Weg der freieren Gestaltung und Suche nach individuellem, dabei allgemeingültigem Ausdruck im Kunstwerk. Den er bei Gelegenheit auch in großen Eisblöcken suchte, was er beispielsweise einmal auf dem Coburger Albertsplatz tat.

Die Trauerfeier für Wolfgang Schott findet am Samstag, 13. Juli, um 12 Uhr im Ruhewald Schloss Tambach statt.

Ein Holzbildhauermeister

Wolfgang Schott wurde 1953 in Dörfles-Esbach geboren. 1967 bis 1970 Ausbildung zum Holzbildhauer, 1979 bis 1981 Meisterschule München, 1981 Preisträger der Dannerstiftung. 1984 Eröffnung der eigenen Werkstatt in Seßlach. Wolfgang Schott arbeitete als Holzbildhauermeister und Restaurator. Zu seinen namhaften Projekten gehören die Restaurierungen des Hirsvogelsaals in Nürnberg und des Fürstenzimmers im Rathaus Augsburg. Beteiligung an zahlreichen Symposien und Ausstellungen. Kirchenrestaurierung und

-neugestaltung unter anderem in Untersiemau, Seßlach, Schottenstein und im Dekanat Michelau.

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