Ebersdorf
Bahnverkehr

Nun doch keine Streckensperrung zwischen Coburg und Lichtenfels

Drei Wochen Sperrung zwischen Coburg und Lichtenfels waren mit der Bahn nicht zu machen. Deshalb gerät eine Baustelle in Ebersdorf unter Zeitdruck.
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Der Bahnübergang in der Garnstadter Straße in Ebersdorf bei Coburg wird aufgelöst und durch eine Fußgängerunterführung ersetzt. - Foto: Berthold Köhler
Der Bahnübergang in der Garnstadter Straße in Ebersdorf bei Coburg wird aufgelöst und durch eine Fußgängerunterführung ersetzt. - Foto: Berthold Köhler

Jürgen Alt und seine Kollegen von der Tiefbauabteilung im Coburger Landratsamt brauchen derzeit gute Nerven, wenn es um den Bau der Fußgängerunterführung in der Garnstadter Straße geht. Denn nach langen und komplizierten Verhandlungen mit der Bahn steht für die kommenden Monate ein Zeitplan, der - Jürgen Alt wählt erstmal die diplomatische Formulierung - "relativ eng gesteckt ist". Nach einem kurzen Zögern ergänzt er dann doch offen: "Passieren darf eigentlich nichts."

Das liegt in erster Linie schon einmal daran, dass es - entgegen ursprünglicher Pläne - jetzt es aus Sicht der Bahn doch keine Sperrung der Strecke zwischen Coburg und Ebersdorf während der Bauzeit geben darf. Drei Wochen Schienenersatzverkehr standen im Raum, inzwischen ist klar: Ein Gleis muss immer zur Verfügung stehen. Dass die Bauarbeiten für die Fußgängerunterführung damit gleich groß teurer werden, davon geht man im Landratsamt gar nicht einmal aus. Aber organisatorisch sind nun dicke Bretter zu bohren: Wenn zum Beispiel ab dem 25. April die alten Entwässerungsleitungen aus der Bahnstrecke entfernt und insgesamt neun Bohrungen für die Baugrube durchgeführt werden, dann geht das nur nachts. Da ruht der Bahnverkehr. Viel Zeit bleibt da nicht, ahnt Alt: "Da wird es Spitz auf Knopf zugehen." Aber so sei das halt auf einer Baustelle, bei der die Bahn involviert ist, sagt der Fachbereichsleiter für den Tiefbau schulterzuckend: "Es wird eine knappe Sache, aber wir sind guter Dinge."

1,5 Meter dicker Beton

Die Vorbereitungen für die komplexe Baumaßnahme laufen seit November: Trenner gewährleisten inzwischen, dass über der Baustelle kein Strom mehr durch die Oberleitung fließt, der Verkehr auf der Strecke aber weiterlaufen kann; alte Versorgungsleitungen, Laderampen und Beleuchtungseinrichtungen sind schon weg. Seit ein paar Wochen dürfen Fußgänger die Gleise nicht mehr queren. Weil dies viele nicht wahrhaben und sich den Weg vor zur nächsten Gelegenheit in der Canterstraße mit einem Marsch durch/über die Baustelle ersparen wollen, warnt Jürgen Alt: "Wer hier drüber marschiert, begeht einen gefährlichen Eingriff in den Bahnverkehr." Und der kann, wenn man erwischt wird, teuer werden.

Sichtbar an Tempo zulegen werden die Bauarbeiten dann im Mai. Erst (ab dem 13. Mai) wird die gut fünf Meter gute Baugrube ausgehoben, dann (am 17. Mai) die erste von zwei Hilfsbrücken für die Bahngleise über die Baustelle hinweg eingeschoben. Während oben die Züge dann mit reduzierter Geschwindigkeit weiterfahren können, werden unten gewaltige Massen bewegt: Anderthalb Meter ist laut Plan zum Beispiel die Betonplatte für das Fundament stark. Im Herbst kommen die Aufzüge, mit denen Radfahrer und Fußgänger barrierefrei zur Unterführung gelangen können. Und trocken auch, wie Jürgen Alt betont. Im Gegensatz zu den ursprünglich geplanten Rampen findet die komplette Unterführung Platz in einer Einhausung, die technische Anlagen und Nutzer schützt. Bürgermeister Bernd Reisenweber (BG), dessen Gemeinde Ebersdorf den Unterhalt der Unterführung übernehmen muss, ist zufrieden mit der Aufzugslösung: "Bei Rampen hätte es immer die Gefahr gegeben, dass bei Starkregen alles unter Wasser steht."

"Im Dezember", da ist Jürgen Alt fest überzeugt, "können wir hier Einweihung feiern". Und damit die größte Straßenbaumaßnahme in der Geschichte des Landkreises Coburg abschließen. Denn baurechtlich und finanziell gehört die Unterführung zum Umgehung für die Kreisstraße CO 13 an Ebersdorf vorbei. Die wird, davon geht man im Landratsamt jedenfalls aus, trotz der erschwerten Bedingungen beim Bau der Unterführung finanziell auf den Punkt bei knapp unter 23 Millionen Baukosten herauskommen.



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