LKR Coburg
Beruf

Norbert Seitz will nach oben

Als Baumkletterer setzt ihn der Forstbetrieb Coburg der Bayerischen Staatsforsten ein, wenn Gefahr im Verzug ist. Als Job für Draufgänger würde er seine Aufgabe allerdings selbst auf keinen Fall bezeichnen.
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Beim Klettern an Bäumen verlässt sich Norbert Seitz auf seine Ausrüstung und auf die Erfahrung, die der Forstmeister seit der Ausbildung zum Baumkletterer bei vielen Einsätzen erworben hat.Foto: Rainer Lutz
Beim Klettern an Bäumen verlässt sich Norbert Seitz auf seine Ausrüstung und auf die Erfahrung, die der Forstmeister seit der Ausbildung zum Baumkletterer bei vielen Einsätzen erworben hat.Foto: Rainer Lutz

Wenn man nach oben will, braucht man den Willen", sagt Norbert Seitz. Kraft auch - und Technik. Alles abgesehen von der richtigen Ausrüstung. Es geht um Bäume. Norbert Seitz ist Baumkletterer. Zurzeit ist er unter rund 20 Beschäftigten des Forstbetriebs Coburg der Bayerischen Staatsforsten (BaySf), der einzige, der ganz offiziell nach oben darf.

"Die Ausbildung hat zwei Stufen", erklärt er. Ein Grundkurs vermittelt die Kenntnisse in Knoten und Stiche und im Klettern. "Du lernst alles über die Ausrüstung, Sicherheitsüberprüfung, Bestimmungen und so weiter", erzählt Norbert Seitz. Mit dem Erlernten gehen die künftigen Baumkletterer zurück in den Betrieb.

Die Säge kommt später

"Da musst du 200 praktische Stunden sammeln, aber noch ohne Motorsäge", betont er. Die kommt später, im Aufbaukurs "Seilklettertechnik". Klettern ist gefährlich. Klettern und mit der Säge arbeiten ist ungleich gefährlicher. Daher die 200 Stunden. "Sicherheit kommt mit Erfahrung und die muss man erst einmal sammeln", weiß Norbert Seitz. Immer wieder muss auch er üben, wie es nach oben geht. So bleibt er sicher. "Mit einem Baumpfleger, der das jeden Tag macht, kann ich mich nicht vergleichen", weiß er und passt entsprechend auf sich und seine Ausrüstung auf. Die muss übrigens größtenteils nach fünf Jahren in die Tonne. Sicherheitsbestimmung.

Ehrlich zu sich selbst sein

Für Leute mit Höhenangst ist der Job nichts. Manche merken erst während der Ausbildung, dass sie beim Baumklettern Probleme bekommen. "Da fallen im Grundkurs schon ein paar raus", sagt Norbert Seitz. Es sei wichtig, da ehrlich mit sich zu sein. Schließlich hängt später viel Verantwortung am Kletterer - nicht nur, weil er möglicherweise auch einmal hinauf muss, um einen Kollegen zu retten, der sich womöglich bei der Arbeit in der Krone eines Baumes verletzt hat. Aber: "Mit Draufgängerei hat das nichts zu tun. Hier muss alles wohl überlegt sein, jeder Schritt, jeder Griff", betont er nach Jahren Erfahrung im Metier derer, die eben nach oben wollen.

Vertrauen in die Ausrüstung

"Die Ausbilder arbeiten viel mit Psychologie, um einem Vertrauen in die Ausrüstung und in das eigene Können zu geben", erinnert sich Norbert Seitz an seinen Kurs. "Alles ist doppelt gesichert", sagt er und zeigt einen Karabinerhaken, der nur durch zwei Bewegungen geöffnet werden kann. Gurte und Seile sind geprüft bis zweineinhalb Tonnen. "Das musst du dir bewusst machen, dann lehnst du dich da oben zurück und bist entspannt", sagt er und grinst. Dann macht er sich auf den Weg nach oben. Mit Steigeisen. Die Esche, auf die er steigt, wird später gefällt. Da muss er keine Rücksicht auf Verletzungen der Rinde nehmen. Müsste er das, käme andere Ausrüstung zum Einsatz.

Mit Körpergewicht plus Schutzausrüstung, Kletterzeug und Säge muss er weit über 100 Kilo mitnehmen, auf seinem Weg nach oben. "Ich bin mit meiner Statur nicht der optimale Kletterer", weiß er. Aber er sei ja auch eher die Feuerwehr, der Kletterer für Notfälle und Einsätze, die zu klein sind, als dass ein externer Unternehmer sie übernehmen würde. "Was planbar ist, vergeben wir an eine Firma", bestätigt Albert Schrenker. Als Leiter des Forstbetriebs ist er der Chef von Norbert Seitz. Bei Bedarf aber auch mal der Handlanger, der ihm benötigte Ausrüstung unten ans Seil hängt, damit er sie zu sich hinauf in die Krone ziehen kann. Dabei ist Albert Schrenker selbst erfahrener Kletterer. Allerdings im Fels und er weiß: "Das ist etwas völlig anderes."

Mann für den Notfall

Norbert Seitz wird beispielsweise gerufen, wenn Gefahr im Verzug ist oder etwas in einem Baum gelandet ist, das jemand gerne wieder haben möchte: "Einen Wetterballon habe ich mal geholt und auch schon eine Drohne, die mit Wärmebildkamera nach Wild suchen sollte und im Baum gelandet ist."

Auf dem Weg nach oben gibt es immer mal Hindernisse. Nicht nur im bildhaften Sinn einer Karriere. Äste zum Beispiel. Sie stehen dann der um den Stamm gelegten Kurzsicherung im Weg. Sie werden abgesägt, oder - wenn das nicht sein soll - mit einer zweiten Kurzsicherung umstiegen.

Runter geht es schöner

Irgendwann ist dann alles erledigt, weswegen Norbert Seitz nach oben wollte. Es geht wieder nach unten. Wer als Kind auf Bäume gestiegen ist, erinnert sich vielleicht, dass gerade der Abstieg manchmal mehr Mut erforderte, als der Aufstieg. Eine bildhafte Parallele zum richtigen Leben.

Aber nicht zum richtigen Klettern. "Runter", sagt Norbert Seitz nämlich, "runter ist definitiv das Angenehmste dabei". Er befestigt sein Seil am nahe stehenden Nachbarbaum, weil der sich gerade dafür so schön anbietet, hakt ein paar Haken um und schwebt sehr entspannt zum Erdboden herunter.

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