Tambach
Auftritt

Niedeckens BAP begeistern in Tambach

Das Gastspiel der Kult-Band zum Auftakt des Open-Air-Sommers lockt mehr als 1500 Besucher an und weckt bei den Interpreten wie bei den Zuhörern im barocken Schlosshof viele Erinnerungen.
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Wolfgang Niedecken beim Auftritt im Tambacher Schlosshof.Fotos: Albert Höchstädter
Wolfgang Niedecken beim Auftritt im Tambacher Schlosshof.Fotos: Albert Höchstädter
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Klingt so die Gelassenheit des Alters? "Wenn mir nicht dieser blöde Schlaganfall dazwischen gekommen wäre, hätten wir diese Tour noch immer nicht gemacht", sagt BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken beim Gastspiel im Tambacher Schlosshof. Mehr als nur ein Hauch Nostalgie schwebt durch den barocken Schlosshof. "Zosamme alt" hat Niedecken sein neues Album genannt, das im Herbst auf den Markt kommen wird. Zusammen alt - so lässt sich auch die Beziehung zwischen Niedeckens BAP und zumindest einem beträchtlichen Teil des Publikums beschreiben.

Glockenläuten tönt aus den Lautsprechern, bevor Niedecken mit seiner Band die Bühne betritt. Und das erste Stück des Programms schlägt auch gleich den Grundton des ganzen Abends an. Nachdenklich, da und dort vielleicht sogar ein wenig melancholisch - so klingt vieles, was Niedecken seinen Fans zum Auftakt des "Tambacher Sommers" serviert. Was bedeutet es denn, wieder ein Jahr älter geworden zu sein? Wo steht jemand im Leben wie Wolfgang Niedecken, Kölner des Jahrgangs 1951? "Irgendwo zwischen Start und Ziel", singt Niedecken, während das Cello eine zart erinnerungsvolle Melodie spielt: Man weiß, wo man hingehört.


Eine musikalische Weltreise verspricht Niedecken seinen mehr als 1500 Fans, die beileibe nicht nur aus Oberfranken zwischen Coburg und Bayreuth stammen, sondern auch aus Würzburg oder Meiningen, München oder sogar aus Hamburg angereist sind. Wer nach stilistischen Einflüssen sucht, kann das Programm tatsächlich als musikalische Weltreise empfinden - mit Anklängen an Amerika, Marokko oder die Türkei. Doch zugleich ist diese musikalische Weltreise eine Reise durch die Zeit, eine klingende Reise der Erinnerung durch fast vier BAP-Jahrzehnte.

Liegt es an der zumeist sehr dezenten Instrumentierung mit akustischen Gitarren und Kontrabass, mit Geige, Cello und sanft intonierter Posaune? Wer die BAP-Hits aus fast vier Jahrzehnten hört, stellt zwangsläufig fest, wie treu sich Niedecken und seine Band geblieben sind. Selbst ein früher Titel aus dem Jahr 1976 lässt schon den markanten BAP-Tonfall erkennen, der eher zum balladesken Gestus als zum brachialen Zwischenruf neigt. In Septett-Besetzung entfalten Niedecken und seine Mitstreiter ein weites Spektrum an akustischen Instrumenten - passend zum Titel dieser "Zieht den Stecker-Tour".


Ein Abend der leisen Töne, bisweilen dezent mit Ironie gewürzt. Denn mit Ironie lässt sich die Erkenntnis, dem unaufhaltsamen Prozess des Alterns ausgeliefert zu sein, vielleicht doch leichter ertragen. Im Grunde ist Wolfgang Niedecken ein unermüdlicher Weltverbesserer - freilich ein Weltverbesserer, der sich nicht zum Ideologen macht, Niedecken ist ein Weltverbesserer, der sich nicht bei bei der zornigen Klage über das Leid auf Erden aufhält, sondern ganz konkret nach Möglichkeiten sucht, Hilfe zu leisten wie in seinem Song "Noh Gulu" (Nach Gulu) über Kindersoldaten in Uganda.



So geht es weiter beim Tambacher Sommer

ABBA gold, 25. Juli: Die Produktion will authentisches ABBA-Feeling mit heutigen technischen und musikalischen Mitteln reproduzieren.

Smokie, 26. Juli, special guest: The Silhouettes. Smokie gehörte zu den populärsten Gruppen der 70er Jahre und ist "still alive".

voXXclub und Elaiza, 27. Juli:
Das Trio Elaiza verbindet alte Traditionen des osteuropäischen Folk mit modernen Popmelodien. voXXclub steht für anarchistische Volkmusik, die auch zum Wiesn-Hit reicht ("Rock Mi"). Für den ursprünglichen Elaiza-Auftritt erworbene Karten berechtigen zum Eintritt ins Doppelkonzert am 27. Juli.

Haindling, 1. August, Hans-Jürgen Buchners Weltmusik verarbeitet die unterschiedlichsten Einflüsse zu seinem eigenen Sound.

Die CubaBoarischen, 2. August. Angesteckt von den lateinamerikanischen Rhythmen, verschwurbeln die versierten "Dorfmusiker" Salsa mit Polka, Cha Cha Cha mit alpenländischen Hochzeitsmärschen.

Die Konzerte beginnen um 20.30 Uhr, Kinder bis 14 Jahre haben in Begleitung eines Erziehungsberechtigten bei fast allen Veranstaltungen freien Eintritt.


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