Coburg
Tourismus

Nichts gegen ein Kongresshotel, aber...

Die Coburger Mitglieder des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands fordern eine genaue Analyse, bevor die Stadt Baurecht für ein Kongresshotel schafft.
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Dieses Modell zeigt beide Varianten auf einmal: Ein Kongresshotel am Anger (oberer Bildrand), wie es nach dem noch gültigen Bebauungsplan möglich wäre, und ein Hotel im Rosengarten (unten), wie es Michael Stoschek für erforderlich hält. Dass diese Baufläche - rund 1300 Quadratmeter - reicht, wird von Hotelfachleuten allerdings bezweifelt. Foto: Simone Bastian/CT-Archiv
Dieses Modell zeigt beide Varianten auf einmal: Ein Kongresshotel am Anger (oberer Bildrand), wie es nach dem noch gültigen Bebauungsplan möglich wäre, und ein Hotel im Rosengarten (unten), wie es Michael Stoschek für erforderlich hält. Dass diese Baufläche - rund 1300 Quadratmeter - reicht, wird von Hotelfachleuten allerdings bezweifelt. Foto: Simone Bastian/CT-Archiv

Barbara Glauben-Woy verweist auf die noch unveröffentlichte Studie zum Kongress- und Veranstaltungswesen, die die Stadt bei dem Karlsruher Unternehmen Symbios in Auftrag gegeben hat: "Die bundesweite Tendenz zu Großveranstaltungen kann Coburg nicht bedienen. Große Hallen für über 1000 Teilnehmer sind in der nahen Umgebung vorhanden und decken auch die Nachfrage ab", sagt die stellvertretende Vorsitzende des Kreisverbands des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) mit Blick auf Bamberg.

Abgesehen davon sei Coburg auch zu klein für derartige Kongresse - und die heimischen Hotels könnten die Teilnehmer gar nicht unterbringen. 986 Hotelbetten hat Coburg derzeit zu bieten; 135 sollen in absehbarer Zeit mit dem Ibis-Hotel am Sonntagsanger hinzukommen, 80 weitere werden in einem Boarding-Haus am ehemaligen Brockardtgelände (Kanonenweg) entstehen. Entsprechende Pläne hatte der Geschäftsführer der Bauträgerfirma Projekt Bauart, Thomas Siebenhaar, diese Woche am Rande eines Pressegesprächs bestätigt.

Coburg wird also, wenn alles wie geplant läuft, künftig 1199 Hotelbetten zu bieten haben. Aber schon die vorhandenen sind nicht ausgelastet, wie Barbara Glauben-Woy betont: 140000 Übernachtungen pro Jahr bedeuten eine Bettenauslastung von 38 Prozent und eine Zimmerauslastung von 45 Prozent oder 33 Vollbelegungstage. "Da ist noch Luft nach oben", sagt Glauben-Woy, und ihre Kollegen aus der Coburger Hotellerie in der Runde am Freitag nicken bestätigend.

Unternehmen drücken Preise

"Unternehmen sollten aber auch bereit sein, einen angemessenen Preis für ein Vier-Sterne-Zimmer zu bezahlen", sagt die frühere Chefin der "Goldenen Traube". "Die Erfahrungen unserer Kollegen zeigen ein anderes Bild. Einige Unternehmen möchten den Firmenpreis jährlich lieber nach unten korrigiert haben."

Grundsätzlich stehen die Coburger Hoteliers einem Kongresshotel positiv gegenüber, sagen sie. Aber: "Bevor so ein Millionen-Projekt umgesetzt wird, bedarf es einer kompetenten Bedarfsanalyse!" Vor allem müsse klar sein, was mit dem vorhandenen Kongresshaus passiert, sagt Glauben-Woy: Wird es abgerissen? Oder saniert? Bleibt es ein Kongresshaus, oder wird ein Hotel angebaut? Letzteres werde Auswirkungen auf das Coburger Veranstaltungsgeschehen haben, sagt Barbara Glauben-Woy: Werden Kongresshaus und Hotel aus einer Hand betrieben, "dann finden da keine Schulverabschiedungen mehr statt". Das heutige Kongresshaus habe auch die Funktion einer Stadthalle.

Die Wünsche und Bedürfnisse der Coburger haben auch die übrigen Hoteliers im Blick: Jens Platsch ("Goldener Anker") gibt zu bedenken, dass der Anger derzeit ein öffentlicher Parkplatz sei. Bleibe er das auch bei einem Kongresszentrum? Peter Henzel (Hotel Stadt Coburg) bezweifelt, dass ein Kongresshotel im Rosengarten Platz finden könne. Michael Stoschek (Vorsitzender der Gesellschafterversammlung von Brose), der ein solches Kongresshotel verficht, habe von 1300 Quadratmetern Grundfläche gesprochen. Das dürfte für 160 Zimmer nur reichen, wenn diese Zimmer auf sechs Etagen verteilt werden, sagt Henzel. In der Podiumsdiskussion zum Thema Kongresshotel am vergangenen Montag habe der Geschäftsführer der Welcome-Hotel-Gruppe, Karl Schattmaier, einen Flächenbedarf von 8000 Quadratmetern für ein Kongresshotel genannt. "Das wäre ein Drittel des Rosengartens. Wollen die Coburger das?"

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