Neustadt bei Coburg
Fußball

Wie 4 Oberfranken Schalkes 0:7-Pleite in Manchester erlebten

Schalke-Fan Andreas Otten aus der Bayerischen Puppenstadt fieberte in England mit seinen Kumpels für Königsblau.
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Martin Engel (mit Hut), Thomas Hanft und Andreas Otten waren am Dienstagabend Augenzeuge der historischen 0:7-Champions-League-Pleite des FC Schalke 04 im Etihad Stadium von Manchester City. Foto: privat
Martin Engel (mit Hut), Thomas Hanft und Andreas Otten waren am Dienstagabend Augenzeuge der historischen 0:7-Champions-League-Pleite des FC Schalke 04 im Etihad Stadium von Manchester City. Foto: privat
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Andreas Otten ist ein ehemaliger Ringer. Er hat Kraft. Kraft, die er in diesen Tagen gut gebrauchen kann. Denn Otten ist Schalke-Fan. Ein ganz treuer. Gemeinsam mit seinen "Leidensgenossen" Thomas Hanft, dessen Sohn und Martin Engel war der Neustadter unter der Woche in Manchester. Gemeinsam sahen sie das 0:7 ihrer Nullvierer im Etihad Stadium. Aber nicht nur das Spiel bleibt den vier "Vollblut-Knappen" in Erinnerung!

Prickelnde Stimmung

"Das Ergebnis war bitter, aber ich habe trotzdem keine einzige Sekunde von unserem Trip bereut", sagt Otten drei Tage nach dem Debakel wieder zurück in Neustadt. Das Quartett aus der Bayerischen Puppenstadt flog bereits am Sonntag nach England und erlebte die prickelnde Stimmung in den Straßen von Manchester hautnah. Im Gegensatz zu ihrer Mannschaft hinterließen die rund 3000 Fans, die teilweise 17-Stunden-Busfahrten hinter sich hatten, aber einen bleibenden Eindruck.

Am Piccadilly Square Garden, also mitten im Zentrum von Manchester, versammelten sich die Königsblauen. Friedlich, dennoch von vielen Polizeibeamten begleitet, ging es dann zu Fuß Richtung Etihad Stadium. "Es war unglaublich. Gänsehaut-Stimmung. Wir haben gesungen und gefeiert", schwelgt Otten jetzt schon in Erinnerungen. Erinnerungen, die er nicht so schnell vergessen wird. Immer wieder hielten Autofahrer mitten auf der Straße an und filmten das Fan-Spektakel mit ihren Handys. Auch aus den Häusern schauten Leute zu, wie sich die wohltuend friedlichen Schalke-Anhänger zeigten und sich - nicht wie ihr Team am späten Abend - als echte Einheit präsentierten.

Unterstützung eingestellt

Offiziell waren 51518 Zuschauer im Etihad Stadium. Und die Hoffnung auf ein spannendes Spiel war trotz und gerade wegen der knappen 2:3-Hinspielniederlage nicht nur bei den vier Neustadtern groß: "Wir waren jedenfalls bestens gelaunt", sagt Otten. Zumindest bis Mitte der zweiten Hälfte, ehe der Support nach dem fünften Gegentreffer kollektiv eingestellt wurde.

Als die Spieler nach dem Abpfiff Richtung Kurve gingen, gab es wenige Reaktionen. Der Stachel der Enttäuschung saß tief. Zu tief. Mit einer Niederlage hatten die Neustadter gerechnet, aber nicht mit einer derartigen Demütigung: "Sieben Stück sind schon ein wenig viel", ärgert sich Otten.

"Die Null muss stehen"

Den Trainerwechsel kann er jetzt natürlich nachvollziehen: "Es war die richtige Entscheidung. Das Interimsduo Stevens und Büskens ist aber nur eine Übergangslösung. Wir werden ab Samstag sehen, ob sie auch erfolgreich ist. Ich nehme an, dass erst mal die Null hinten stehen muss und das ist bei der Anzahl an Gegentreffern, die Schalke zuletzt kassierte, sicher auch die beste Marschroute."

Apropos Marschroute! Nach der peinlichen Pleite bei der haushoch überlegenen Guardiola-Truppe mussten einige Fans der Königsblauen auch noch mit einem ganz besonderen Flieger die Rückreise aus London antreten: Die Fluggesellschaft Eurowings schickte nämlich ausgerechnet die Maschine des Erzfeindes Borussia Dortmund auf die Insel, um rund 100 Fußballfans wieder zurück nach Düsseldorf zu bringen.

"Lüdenscheid-Nord-Flieger"

Die vier Neustadter saßen nicht in diesem unbeliebten gelb-schwarzen Flugzeug, denn sie hatten einen Flug nach Nürnberg gebucht. Doch für die betroffenen Fans begann mit dem Heimflug der zweite Albtraum binnen kürzester Zeit. Otten und seine drei Kollegen bekamen mit, dass es großen Unmut unter den Anhängern gab, einige hätten zwischenzeitlich sogar gesagt, sie wollten diesen Flieger nicht betreten. "Wir mussten diese Schmach Gott sei Dank nicht annehmen und im Lüdenscheid-Nord-Flieger mit BVB-Logo fliegen. Wir sind mit einer Standardmaschine nach Nürnberg gekommen."

Der pikante Einsatz des Fliegers sei "purer Zufall" gewesen, versicherte derweil Eurowings-Pressesprecher Florian Gränzdörffer offiziell. Der umlackierte Airbus sei "ein ganz normales Linienflugzeug unserer Flotte". Gleichwohl erklärte Gränzdörffer: "Wir beobachten natürlich, dass Fluggäste auf dieses Flugzeug besonders reagieren. Wir nehmen es mit Humor, nehmen es sportlich." Auch Otten und seine Mitstreiter nahmen ihren außergewöhnlichen England-Trip sportlich. Mehr noch: Für sie war trotz des 0:7-Debakels von S04 Manchester auf jeden Fall eine ganz besondere Reise.

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