Neustadt bei Coburg

Neustadter Gastwirtschaften haben Konkurrenz von allen Seiten

Die traditionellen Gastwirtschaften haben Konkurrenz von vielen Seiten. Samstags zum Kaffee in die Fastfood-Kette, oder zum Mittagessen in die Metzgerei zu gehen ist heutzutage normal. Auch in Neustadt ist der Wandel zu spüren.
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Wirtschaftsförderin Sandra Franz und dritter Bürgermeister Martin Stingl stehen am "Coburger Tor" vor verschlossener Tür. Fotos: Thomas Heuchling
Wirtschaftsförderin Sandra Franz und dritter Bürgermeister Martin Stingl stehen am "Coburger Tor" vor verschlossener Tür. Fotos: Thomas Heuchling
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Coburger Tor, Jägersruh, Leuchtturm oder Goldene Au. Diese Liste ließe sich noch weiter fortführen. Es sind Gastwirtschaften und Wirtshäuser, die in den vergangenen Jahren und Monaten in Neustadt ihren Betrieb eingestellt haben. Aber: "Von einen massiven Rückgang in der Gastronomie zu sprechen ist falsch. In einigen Region, auch bei uns, bricht das traditionelle Wirtshaus und sein kultureller Aspekt zwar weg, aber die blanken Zahlen sagen etwas anderes", sagt zumindest Martin Stingl (SPD), dritter Bürgermeister und in Neustadt zuständig für Kultur, Sport und Tourismus.

Die Schließungen einiger großer und bekannter Wirtschaften in seiner Stadt sind Fakten, die auch Stingl und seine Kollegin Sandra Franz von der Wirtschaftsförderung nicht abstreiten. "Gastwirtschaften, wie das Coburger Tor oder die Jägersruh, sind natürlich im Stadtbild präsent.
Die Schließung solcher Lokalitäten erregt bei den Menschen Aufmerksamkeit, aber sorgt auch für ein verzerrtes Bild", sagt Stingl.

Er sieht eine Ursache für die Veränderung der Gastronomielandschaft im veränderten Konsumverhalten der Menschen. Stingl bezieht in seine Argumentation alle konzessionierten Betriebe mit ein. Das waren vor drei Jahren rund 120. "Da sind aber auch Döner-Läden und Gaststätten in Gartensiedlungen mit drinnen", sagt Stingl.

Aber die Gastwirtschaften haben nicht nur Konkurrenz von Fastfood-Läden, sondern auch von der Bäckerei oder Metzgerei um die Ecke, die an Tischen warme Speisen anbieten. "Nimmt man alle diese Betriebe in den Gastronomiebereich mit auf, dann ist Neustadt überdurchschnittlich gut versorgt", sagt der Kulturbürgermeister.
Die direkte Nähe zum Nachbarn Thüringen scheint laut Stingl und Franz auch eine Rolle für den Gastronomiebereich zu spielen. "Viele machen ihre privaten Veranstaltungen lieber in Sonneberg, weil es dort vermeintlich günstiger ist und der Nichtraucherschutz weniger streng ist", sagt Stingl. Tatsächlich gibt es in Thüringen andere Regeln zum Raucherschutz.

Ein anderes Problem mit den leer stehenden Traditionshäusern, sind die Besitzverhältnisse. Sandra Franz erklärt: "Die Objekte sind in Privatbesitz, da kann die Stadt nicht viel machen. Die Besitzer bestimmen den Preis für einen möglichen Verkauf. Aber es liegt der Stadt natürlich am Herzen etwas gegen den Leerstand zu unternehmen."


Rückgang von Busreisen

Dass das traditionelle Wirtshaus überleben kann, weiß Martin Stingl auch aus eigener Erfahrung. Denn seine Frau ist die Besitzerin der Gastwirtschaft Eckstein im Herzen von Neustadt. "Als Ehemann einer Gastwirtin ist man auch selbst Gastwirt", sagt Stingl. Das Lokal seiner Frau bietet neben Veranstaltungen auch Saalbetrieb und einen Catering-Service an. "Wir sind hochzufrieden mit der eigenen Geschäftsentwicklung, aber es gibt keinen goldenen Weg. Alle Gastwirtschaften kämpfen ums Überleben", sagt Stingl.

Er betont, dass es auch andere Gastwirtschaften in der Neustadter Region gibt, die gute Geschäftsideen haben. "Der Lindenhof in Ketschenbach hat auch einen Partyservice und seine Klößereien. Manche haben den Wandel erkannt und andere verkannt", so Stingl.

Wirtschaftsförderin Sandra Franz fügt noch einen weiteren Punkt zur Diskussion hinzu: den Tourismus. "Städte und Regionen, die vom Fremdenverkehr abhängig sind, haben teilweise ein größeres Problem mit Leerständen", sagt Franz. Das Neustadt kein touristisches Zentrum ist, ist weithin bekannt. Auch hier kommen verschiedene Faktoren zusammen. So nennt Kulturbürgermeister Stingl den Rückgang von Busreisen, die in Gastwirtschaften Station machen und das Fehlen des Landschafts-Tourismus als zwei Faktoren, die einen negativen Einfluss auf die Gastronomie haben.

Betrachtet man das veränderte Konsumverhalten, die gestiegene Konkurrenzsituation und die vielen anderen Faktoren, die zur Gestaltung der Gastronomielandschaft beitragen, ist Wandel vielleicht ein besserer Begriff als Rückgang. Abhängig von der Auslegung des Gastronomie-Begriffes entsteht ein sehr unterschiedliches Bild.

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