Neustadt
Neuerscheinung

Neustadter Autor: Hartes Leben auf dem Lande

Der Neustadter Hans-Dieter Krug hat einen umfangreichen Roman geschrieben: "Die Kinder des Waldes"
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Ein frühes Aquarell von dem in Untersiemau lebenden Künstler Gerd Kanz prägt das Cover von Hans-Dieter Krugs Roman "Die Kinder des Waldes". privat
Ein frühes Aquarell von dem in Untersiemau lebenden Künstler Gerd Kanz prägt das Cover von Hans-Dieter Krugs Roman "Die Kinder des Waldes". privat
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Hans-Dieter Krug ist Diplom-Sozialarbeiter, staatlich anerkannter Gärtnermeister, war 30 Jahre selbstständig mit seinem Betrieb für Garten- und Landschaftsbau, ist Lehrkraft für Deutsch als Zweitsprache - und hat jetzt einen dicken Roman veröffentlicht. Nicht dass er damit gleich den Literaturnobelpreis verdienen würde, aber bemerkenswert ist das schon. "Die Kinder des Waldes" heißt sein umfangreicher, bei Books on Demand veröffentlichter Erstling. Tatsächlich hat Krug schon weitere Ideen.

Würde er den Roman nicht selbst gleich ein "Märchen oder einen historisch-utopischen Roman" nennen, könnte man die Geschichte um den Bauernbuben Jonas, der mit Prinzessin Amelie aus dem ortsansässigen kleinen Herzogtum durch die "allumfassende Kraft der Liebe" die herrschenden Standesgesetze überwindet, schnell als puren Kitsch abtun. Wir befinden uns in der Zeit um 1850.

Die schlichte, aber - seien wir ehrlich - in ihrer Grundkonstellation ewig zum Träumen verführende Geschichte ist dem 1961 am dörflichen Rande von Bayreuth geborenen Krug jedoch Anlass, minutiös in die bäuerliche Welt eines fiktiven kleinen Herzogtums am Rande eines fiktiven Mittelgebirges einzudringen. Er lässt nichts aus in der Beschreibung der harten Arbeitsabläufe, in die bereits die Kinder umfassend eingebunden sind, bis hin zur Wäsche der Kuheuter, dem Quietschen der Mistkarre, in der Beschreibung von Landschaft und Rückbindung der Menschen an die Natur: "Der eigene Lebensrhythmus, abhängig von den Vorgaben der Natur, pulsierte durch das Jahr. Erfolg war Vorrat. Er war messbar im Grad des Hungers, den man im Winter zu erleiden hatte. Gelang die Arbeit nicht, weil man zum Beispiel das Wetter nicht richtig eingeschätzt hatte, so war das nicht nur bedauerlich, es war auch lebensgefährlich. Demut oder Hochmut, Verstand oder Vertrauen, Gefühl oder Rationalität, das war und ist das Geheimnis eines erfolgreichen Landwirts nicht nur in der damaligen Zeit."

Wobei Krug bei der Beschreibung des liebevollen Umgangs im familiären Miteinander wohl bereits mit seiner rückprojizierten Utopie beginnt. Im ständigen Kampf ums Überleben war der Ton, soviel weiß die ländliche Soziologie, rau, das Miteinander eher gnadenlos, erst recht in eher ärmlichen Mittelgebirgsgegenden. Kinder waren vor allem Arbeitskräfte. Man hing sein Herz nicht an sie; Mitte des 19. Jahrhunderts lag die Säuglings- und Kindersterblichkeit in Deutschland bei 60 Prozent. Doch Krug wollte ja erklärter Maßen "ein Märchen" verfassen. In denen steckt bekanntlich durchaus viel Wahrheit.

Später ist es dann die höfische Welt, deren Gesetze am Beispiel der Handelnden aufgezeigt wird und aus der die junge Amelie ausbricht. Gerade auch, weil sie ihren uneingeschränkt herrschenden Vater Ernst August mit seiner Mätresse erwischt hat.

Eine positive Geschichte

Hans-Dieter Krug hat eine gemächliche Art des Erzählens, dafür braucht man Geduld. Im weiteren Verlauf wird er dialogreicher. Es ist allerdings dann durchaus auch so, als ob der Zeitlauf der Vergangenheit nach einem griffe, und dabei vermittelt sich viel an Wissen und Gespür für die Zusammenhänge.

Hans-Dieter Krug hat keinen den Leser fressenden Thriller verfasst. Ihm ging es darum, wie er im Gespräch mit dem Tageblatt selbst sagt, "eine positive, warme Geschichte für die Seele zu schreiben". Und selbstverständlich will man dann irgendwann unbedingt wissen, was aus Jonas und Amelie wird.

Krugs grundsätzliche Kritik am deutschen Adel, der im 19. Jahrhundert vollkommen versagt habe, wird offensichtlich. "Warum dem Adel heute weiterhin so gehuldigt wird, kann ich absolut nicht verstehen", sagt Krug, der 2008 "einfach angefangen" hat, diese Geschichte zu schreiben.

Seinen herkömmlich miesen Herzog Ernst August lässt er dann "in einen grandiosen Anfall von Menschlichkeit und Demut" verfallen und zum Retter werden. - Es handelt sich um einen "historisch-utopischen" Roman.

Hans-Dieter Krug: Die Kinder des Waldes. Roman. Books on Demand, Norderstedt 2018, 628 Seiten, 21,99 Euro, per Kindle 12,99. Erhältlich im Buchhandel oder per Internet direkt bei Books on Demand.



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