Coburg
Weihnachtsspende

Neuseser Schulkinder lernen Weltsprache

Was wäre eine musikalische Grundschule ohne professionelle Musikpädagogen? Die Experten erzählen, was der Chor- und Instrumentalunterricht Kindern bringt.
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Das Trompetentrio: Sophia, Fine und Maria sind mit Begeisterung dabei und proben fleißig für Weihnachten.Christiane lehmann
Das Trompetentrio: Sophia, Fine und Maria sind mit Begeisterung dabei und proben fleißig für Weihnachten.Christiane lehmann
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Die Weihnachtszeit ist eine ganz besondere Zeit. Das spürt auch Hedwig Emmerich vom Orchester des Landestheaters. Sie sitzt im Werkraum der Neuseser Grundschule und bringt den Grundschülern das Trompetenspielen bei. "Die Mädchen sind ganz heiß auf die Weihnachtslieder", sagt sie. Anders als sonst werde daheim eifrig geübt. Es habe sie der Ehrgeiz gepackt, am Heiligenabend der Familie ein Lied vorzuspielen. "Erstaunlich, was die Kinder in so kurzer Zeit gelernt haben", betont die junge Frau, die auch in der Musikschule Unterricht gibt. Im Vergleich dazu würden die Kinder in Neuses fast genauso schnell lernen, wie beim Einzelunterricht.
Die musikalische Grundschule in Neuses gibt es mittlerweile im zweiten Jahr. Jedes Kind singt im Chor und erlernt ein Instrument seiner Wahl. Der zusätzliche Unterricht wird von Fachkräften übernommen und ist kostenlos. Finanziert wird er über den Förderverein der Schule, den Elternbeirat und verschiedenen Spendern. Für das laufende Schuljahr sind die Kosten allerdings noch nicht gedeckt. Deshalb unterstützt die Initiative "Franken helfen Franken" den Förderverein mit der Weihnachtsspende des Coburger Tageblatts.
Ilone Antonius Jones, die den Keyboard-Unterricht gibt, ist erst seit September dabei. Nach 30 Jahren kehrte sie von England nach Coburg zurück. Die Musiklehrerin war entsetzt, wie wenig wichtig Musik in der Grundschule sei. "Entweder es fehlt an Zeit oder am Geld", stellt sie im Gespräch fest. Das Modell, wie sie es jetzt an der Grundschule in Neuses kennengelernt hat, werde auch in England praktiziert - "leider in viel größeren Gruppen". Dabei sei es so wichtig, dass Kinder Erfahrungen mit einem Instrument sammeln, Noten lernen und sich beide Hände gleichermaßen entwickeln. Als eine Herausforderung sieht Ilone Antonius Jones, die Schüler in der Gruppe auf ein Level zu bekommen. Schließlich spielen die Mädchen und Jungen von der 1. bis zur 4. Klasse zusammen und sind unterschiedlich begabt.
Das findet auch die Geigenlehrerin Gerda von Wechmar. Gerade der Anfang sei beim Geigenunterricht nicht einfach. Jedes Kind habe ein anderes Gehör, das geschult werden müsse. Auch könnten die Erstklässler ja noch gar nicht schreiben, wenn es beispielsweise um die Hausaufgabe gehe. "Es ist schön, wie sich die Kinder gegenseitig helfen und unterstützen." Die Geigengruppe entwickle sich richtig gut. Vor allem: Die Kinder verlieren mit jedem Auftritt mehr ihre Angst vorm Vorspielen.
"Sie entwickeln mehr Selbstbewusstsein", ergänzt Tobias Schick, der Gitarrenlehrer. In seinen Gruppen haben die Kinder sogar schon eigene kleine Lieder komponiert - wohlgemerkt für die spanische Gitarre. "Das ist die Spielart, bei der die Gitarre singt", klärt Schick lachend auf. Für den Musikschullehrer aus Kronach ist es kein Thema, auch schon einem Erstklässler das Gitarrespielen beizubringen. Die Größe der Hände oder die zarte Haut an den Fingerspitzen spielen dafür keine Rolle.
Übrigens: 15 Minuten tägliches Üben gehört neben dem Unterricht dazu. Da sind sich alle Musiklehrer einig. "Wenigstens", betont Tobias Schick. Wer mehr erreichen möchte, der spielt auch daheim länger.
Einer, der die Kinder motivieren kann, ihnen aber auch Disziplin und Konzentration abverlangt, ist Vladimir Sigarev von der benachbarten Schlagzeugschule. Bei ihm lernen die Kinder Cajon. "Musik ist eine Weltsprache", sagt der leidenschaftliche Sigarev. Mit der Musik werde eine Basis fürs ganze Leben gelegt. Für die Flüchtlingskinder sei die Musik der beste und schnellste Weg zur Integration. Von den 70 Schülern in Neuses haben 15 einen Migrationshintergrund. Das Gemeinschaftserlebnis fördere zudem das Sozialverhalten.
Dem kann Stefan Schunk vom Fränkischen Sängerbund nur zustimmen. Er ist für den Chorunterricht in Neuses zuständig und hat es sich zur Aufgabe gemacht, dem musikalischen Bruch, den es nach dem Kindergarten oft gibt, entgegenzuwirken. Immer mehr Chöre sterben aus. Deshalb sei die Nachwuchsförderung so wichtig. Und für Schunk müsse die eben unbedingt in den Grundschulen ansetzen. Kinder könnten ein Empfinden für Harmonie durchaus erlernen, meint er. Durch das Singen bekommen sie ein Gespür für Rhythmus und Intonierung. "Auftritte bleiben ein Leben lang in Erinnerung", ist Schunk überzeugt. Die Freude, die er empfindet, wenn Kinder nach dem Unterricht singend und pfeifend durch die Schulgänge gehen, ist ihm anzumerken.



Spendenaktion Das Coburger Tageblatt und "Franken helfen Franken" möchten in diesem Jahr die Grundschule Neuses unterstützen und bitten um Spenden für "Die muskalische Grundschule".

Idee Die Mediengruppe Oberfranken erreicht über ihre Zeitungen sowie ihre Internetangebote viele Menschen. Das will sie nutzen, um mit Hilfe des Spendenvereins "Franken helfen Franken" Geld für diejenigen zu sammeln, die dringend auf Hilfe angewiesen sind.

Empfänger Die Spenden kommen genau da an, wo sie benötigt wird: Sie gehen ausschließlich an gemeinnützige Initiativen, Projekte oder Vereine in der Region. Jeder für "Franken
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