Die Freiheitsstrafe, die das Landgericht Coburg verhängte, beträgt neun Jahre und sechs Monate. Nach zwei Jahren und neun Monaten soll der drogenabhängige Mann für 24 Monate in den Maßregelvollzug, um sich einer Therapie zu unterziehen. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Mann, der im Darknet als Mister Drogenkommandant auftrat, erwerbsmäßig und im großen Stil mit Drogen gehandelt hat.


"Von der Polizei beobachtet"

Die Verhandlung, so der Vorsitzende Richter Klaus Halves, habe mehrere erstaunliche Erkenntnisse ans Licht gebracht. "Für die hiesige Region war es ein bisher unbekanntes Ausmaß", sagte Halves. Aber der Fall habe auch gezeigt, dass das Darknet eben keine abgeschirmte Parallelwelt sei, sondern überwacht werde. Dies hätten die Aussagen der Beamten des Bundeskriminalamtes (BKA) deutlich gemacht. "Die scheinbar bunte schöne Drogenwelt spielt sich nicht unbeobachtet, sondern mitten im Leben ab und sie wird von der Polizei verfolgt." Der 29-jährige Mann hatte seine kriminellen Geschäfte über verschiedene Handelsplattformen im Darknet abgewickelt, aber auch persönlich die heiße Ware an Abnehmer in Deutschland geliefert. Zu seinen Kunden gehörten auch die Neustadter Jugendlichen, die ihrerseits ein florierendes Drogen-Unternehmen aufgebaut hatten, zumindest so lange, bis die Handschellen klickten. An die Gruppe aus Neustadt sind laut Halves unter anderem zehn Kilogramm Marihuana verkauft worden, große Mengen an Ecstasy-Tabletten und 100 Gramm lupenreines Kokain. "Erschreckend ist der Reinheitsgrad der Betäubungsmittel", sagte Halves.


Gefährliches Manöver

In der Wohnung des Mannes in den Niederlanden seien unter anderen 1000 Ecstasy-Tabletten und Heroin im Kilogrammbereich sicher gestellt worden. Als der Mann in Bocholt (Nordrhein Westfalen) ein Paket mit Drogen verschicken wollte, erfolgte der Zugriff durch das Mobile Einsatzkommando (MKE). Die Strafkammer glaubte allerdings den Ausführungen des Angeklagten nicht. Der hatte nämlich behauptet, dass er das MEK nicht als Polizei erkannt habe und aus Angst geflüchtet sei. Bei der Flucht hatte der Mann ein Einsatzfahrzeug der Polizei gerammt, wofür er sich ebenfalls verantworten musste. "Das Rammmanöver war ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr", so Halves.

Dem Angeklagten kam zugute, dass er nach einem Verständigungsgespräch ein umfangreiches Geständnis abgelegt hatte. Demnach wurde ein Strafrahmen zwischen neun und zehn Jahren vereinbart. Der Psychiater Christoph Mattern hatte dem Mann eine Drogen-und Alkoholabhängigkeit bescheinigt und zu der Unterbringung in den Maßregelvollzug geraten. "Er wirkt plausibel therapiemotiviert", sagte Mattern. Rechtsanwalt Uwe Grabner aus Straubing hatte für eine Strafe von unter neun Jahren plädiert.
Gegen das Urteil können Rechtsmittel eingelegt werden.