Rödental
Leergut

Fränkische Brauerei verlangt 9 Euro Pfand für einen Kasten: Was hinter der drastischen Erhöhung steckt

Was Brauereien und Getränkehersteller für das Verleihen von Flaschen und Kästen verlangen, deckt bei weitem nicht ihre Ausgaben, wenn die Behälter verloren gehen. Die Brauerei Grosch aus Rödental macht sich zum Vorreiter einer Pfand-Erhöhung.
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Christof Pilarzyk will die Lage nicht dramatisieren. Er muss. Wenn das Pfand auf Flaschen und Kästen des Bieres aus der Brauerei Grosch in Rödental (Landkreis Coburg) nicht drastisch erhöht wird, ist die Brauerei in ihrer Existenz bedroht, sagt er.

Brauerei Grosch ist in ihrer Existenz bedroht

Das Problem ist nicht neu. Viele - vor allem kleine - Brauereien haben damit zu kämpfen. Zuletzt äußerte Georg Rittmayer, der nicht nur Inhaber der gleichnamigen Brauerei in Hallerndorf im Landkreis Forchheim ist, sondern zugleich auch Präsident des Verbands privater Brauereien in Bayern, seinen Unmut über die Mangelware Leergut. Und bereits im vergangenen Jahr gab es im Sommer einen Pfandflaschen-Engpass bei den Bierbrauern.

Brauerei aus Rödental verlangt neun Euro Pfand für einen Kasten

Christof Pilarzyk von der Brauerei Grosch geht jetzt in die Offensive. Für den Kasten Malztrunk in der 0,33 Liter-Flasche und das Victoria Pils in der gleichen Flasche verlangt er jetzt neun Euro Pfand.

"Wenn wir es den Kunden erklären, verstehen alle, warum wir das tun. Die Reaktionen sind durchweg positiv", sagt Pilarzyk. Für Kunden ist das Pfand auch eigentlich kein Problem. Sie bekommen ihr Geld ja wieder. Die Brauerei Grosch ihre Flaschen aber nicht. Und das schlägt auf den Ertrag ihrer Arbeit durch.

Die Mehrwegpfandflasche ist anerkanntermaßen die umweltfreundlichste Getränkeverpackung. Bis zu 50 Mal wird so eine Euroflasche verwendet, rechnet Pilarzyk vor. Dafür muss er sie aber immer wieder bekommen.

Kasten ohne Flaschen? "Da hätte ich das Bier auch gleich in die Itz schütten können"

Das ist aber nicht der Fall. "Wir bekommen leere Kästen zurück. Da hätte ich das Bier auch gleich in die Itz schütten können, dann hätte ich weniger Verlust gemacht", sagt er.

Ein anderes Problem entsteht im Handel. Vor allem in Supermärkten werden oft Einzelflaschen verkauft. Der Pfandautomat wird mit einer bunten Mischung beschickt. Die landet dann auch in Grosch-Kästen und die landen in der Brauerei. "Wir haben dann die Arbeit, die ganzen Fremdflaschen auszusortieren und wegzubringen", erklärt Christof Pilarzyk. Das Pfand bekommt er dann übrigens nicht. Für die Euro- und die etwas schlankeren ebenfalls häufigen NRW-Flaschen gibt es acht Cent Pfand. Im Einkauf kostet die Flasche aber 20 Cent. Für den Kasten gibt es 1,50 Euro Pfand bei Anschaffungskosten von fast sieben Euro. Ein Kasten mit 20 leeren Bierflaschen kostet so rund 11 Euro bei 3,10 Euro Pfand. Bekommt die Brauerei ihn nicht wieder, bleibt sie auf der Differenz sitzen.

Rund 1000 Kästen mit Flaschen kauft die Brauerei Grosch im Jahr zu, um den Stand von 8000 Kästen im Umlauf zu halten. "Früher haben wir alle fünf oder sechs Jahre mal 500 Kästen gekauft", sagt Christof Pilarzyk. Ein Wandel in der Einstellung der Verbraucher, wie er meint. Kästen werden behalten, um Deko daraus zu bauen oder für welche Zwecke auch immer. "Dabei ist das unser Eigentum. Um es ganz hart zu sagen, eigentlich werden wir bestohlen."

Verband der privaten Brauereien unterstützt: Pfandpreis muss rauf

"Durch Einwegpfand wird die Mehrwegflasche immer mehr verdrängt", stellt Georg Rittmayer fest. Er ist Präsident des Verbandes der privaten Brauereien in Bayern. Das Pfandsystem gibt es seit Jahrzehnten. Der Preis ist kaum gestiegen. Die Kosten für Flaschen und Kästen aber dagegen deutlich. Rittmayer sieht das vor allem als Problem für kleine Handwerksbrauereien, wie sie in Franken noch zahlreich sind. Industriebrauereien hätten weniger Probleme damit.

Für Rittmayer steht fest: "Zum Jahresende muss der Preis rauf." Den Vorstoß der Brauerei Grosch sieht er als hilfreich, um die Notwendigkeit dieses Schrittes bei den Verbrauchern zu erklären.

43 Brauereien - vor allem in Franken - haben bereits erklärt, dass sie dabei sein werden. Probleme im Handel, etwa mit unterschiedlichem Pfand, sieht Rittmayer als lösbar an. Etiketten und QR-Codes würden es möglich machen, damit umzugehen.

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