Neukirchen
Jugendbildungsstätte

Neukirchen: Millionen-Lücke als Hausaufgabe

Warum der Landeskirchenrat Neukirchen im Landkreis Coburg als Standort für die Jugendbildungsstätte der Landeskirche favorisiert.
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Auf einem guten Weg:  Bis die Landessynode  Ende November über den Standort der einzigen  evangelischen Jugendbildungsstätte  in Bayern entscheidet,  müssen die Partner der Bildungsregion Coburg  aber noch eine satte Lücke bei der Finanzierung decken.Berthold Köhler
Auf einem guten Weg: Bis die Landessynode Ende November über den Standort der einzigen evangelischen Jugendbildungsstätte in Bayern entscheidet, müssen die Partner der Bildungsregion Coburg aber noch eine satte Lücke bei der Finanzierung decken.Berthold Köhler
Erfreuliche Nachricht fürs evangelische Dekanat Coburg: Wenn es nach dem Landeskirchenrat geht, soll die einzige landeskirchliche Jugendbildungsstätte Bayerns künftig in Neukirchen angesiedelt werden. Dies haben die Oberkirchenräte Michael Martin und Hans Peter Huber in einem Schreiben den Mitgliedern der Landessynode empfohlen. Allerdings: "Ein Selbstläufer", warnt Martin Finzel (Ahorner Bürgermeister und Mitglied der Landessynode), "wird die Entscheidung in der Landessynode damit nicht". Der zweite Kandidat für die zentrale Jugendbildungsstätte, die Weihermühle im Landkreis Kulmbach, ist noch nicht gänzlich aus dem Rennen.
Die Empfehlung des Landeskirchenrates birgt eine große Herausforderung für die Bildungsregion Coburg: Während nach Berechnungen der Landeskirche für die Weihermühle bauliche Investitionen 8,5 Millionen Euro nötig sind, braucht es in Neukirchen wohl 11,5 Millionen Euro, um das ehemalige Jugendhaus fit für die Herausforderung als Jugendbildungsstätte zu machen. Angesichts dieser Lücke formuliert der Landeskirchenrat klar eine Aufgabe an Politik und Wirtschaft im Coburger Land: "Aus Sicht des Landeskirchenrates rechtfertigen die Vorteile am Standort Neukirchen jedoch diesen Unterschied, wenn alle Beteiligten und Interessierten entsprechende Anstrengungen unternehmen, diese Differenz zu reduzieren."
Aber Neukirchen hatte offensichtlich trotz allem Investitionsbedarf immer noch genügend Argumente, um beim Landeskirchenrat zu punkten: An erster Stelle steht die Tatsache, dass eine Jugendbildungsstätte dort nahtlos mit dem bestehenden Personal weiterarbeiten kann. Ein Konzept dafür liegt schon vor, die nötigen Umbauarbeiten können im laufenden Betrieb erfolgen.
Martin Finzel, einer der treibenden Kräfte bei den Unterstützern von Neukirchen, freut sich über die Stellungnahme des Landeskirchenrates: "Sie eröffnet nun die Möglichkeit gemeinsam in die Zukunft zu schauen und an Lösungen zu arbeiten." Wobei man, warnt Finzel, nicht außer Acht lassen dürfe, dass die Landessynode als Parlament in seinen Entscheidungen frei sei und es bei zurückliegenden Sitzungen durchaus auch kritische Stimmen zum Standort Neukirchen gegeben habe.
Die Bildungsregion Coburg, die sich öffentlich mehrfach hinter Neukirchen als Jugendbildungsstätte gestellt hat, muss nun die wichtigsten finanziellen Fragen klären. Martin Finzel kann sich gut vorstellen, wer mit ins Boot geholt werden könnte: der bayerische Jugendring, die Oberfrankenstiftung und, nicht zuletzt, die Partner aus der Bildungsregion Coburg. Damit dürfte sich eine Bezuschussung des Jugendhauses, da ist sich der Ahorner Bürgermeister, "auch im Kreistag und dem Coburger Stadtrat bald auf der Tagesordnung wiederfinden".


Es gibt gute Argumente

Wie die finanzielle Unterstützung aussehen könnte, steht noch nicht fest. Diese kann Finzels Einschätzung nach durch einen jährlichen Baukostenzuschuss erfolgen, wie dies beim Bau des Tierheims in Coburg gehandhabt wurde. Einmalige finanzielle Zuschüsse seien aber genauso möglich.
Die IHK zu Coburg will sich jedenfalls dafür einsetzen, dass das Angebot der Jugendbildungsstätte zukünftig noch stärker von der Wirtschaft genutzt und damit ein steigender Beitrag zur Deckung der Betriebskosten geleistet wird. "Gemeinsam mit dem verantwortlichen Träger werden wir die vielfältigen Möglichkeiten und Konzepte, die die Bildungsstätte bei der Ausbildung von Mitarbeiter bietet, bekannter machen und bei den Firmen dafür werben, diese noch intensiver zu nutzen", erläutert IHK-Präsident Friedrich Herdan. Auch die IHK prüft derzeit, wie die Bildungsstätte Neukirchen enger in das eigene Aus- und Weiterbildungskonzept eingebunden werden könnte.
Es war eine schwere Entscheidung für den Landeskirchenrat. Michael Martin wird in einer Pressemitteilung der evangelisch-lutherischen Kirche mit den Worten zitiert, dass "die Standortentscheidung alles andere als einfach" gewesen sei. Das kann sich Andreas Kleefeld, Dekan in Coburg, gut vorstellen: "Der Landeskirchenrat hat die Standorte sehr gewissenhaft und gründlich geprüft." Wie die Millionen-Euro-Lücke geschlossen werden kann, weiß der Dekan am Tag nach der "sehr erfreulichen" Entscheidung noch nicht. Man sei ja erst am Anfang eines Weges, erklärt der Dekan: "Jetzt sind wir in der Lage, die Gespräche zur Finanzierung zu führen." Dass eine Jugendbildungsstätte in Neukirchen ein "sehr finanzaufwendiges Projekt" wird, steht auch für Andreas Kleefeld außer Frage. Aber Neukirchen habe eben auch gute Argumente, mit denen es bei der Standortentscheidung punkten könne - insbesondere dem Know-how und der guten Vernetzung. Beide seien Grundlagen, um die erfolgreiche Arbeit der Jugendbildungsstätte nahtlos fortzusetzen.


Das sagen Coburger Politiker zur Entscheidung

Sebastian Straubel (CSU/Bürgermeister Lautertal): "Mir ist ein großer Stein vom Herzen gefallen, als ich die Nachricht am Dienstagabend von Dekan Kleefeld übermittelt bekommen habe. Es freut mich sehr, dass der Landeskirchenrat diese Entscheidung getroffen hat. Danke an dieser Stelle auch an alle Beteiligten, die sich in den vergangenen Wochen und Monaten für die Jugendbildungsstätte eingesetzt haben. Ich bin guter Dinge, dass die Landessynode dem Beschluss des Landeskirchenrates folgen wird."
Michael Busch (SPD/Coburger Landrat): "Ich bedanke mich sehr herzlich beim Landeskirchenrat und allen, die sich gemeinsam für Neukirchen eingesetzt haben und ein deutliches Signal für eine starke Bildungsregion und damit auch für einen starken Bildungsstandort Oberfranken gesetzt haben. Wir werden alles in unserem Einfluss stehende unternehmen, um den Standort zu sichern."


So geht die Suche nach dem richtigen Standort weiter

23. Juli: Regionalbischöfin Dorothea Greiner, Hans Peter Hübner, Michael Martin und Kirchenrätin Andrea Heußner kommen nach Neukirchen, um dort in nichtöffentlicher Sitzung mit Vertretern der Bildungsregion Coburg über die Zukunft der Jugendbildungsstätte zu diskutieren.

31. Juli: Bei der Erstberatung im Finanzausschuss der Landessynode werden die Eckwerte des Haushalts 2019 festgezurrt. Dabei wird es auch um die Investitionen für/in eine zentrale Jugendbildungsstätte gehen. Ende September findet eine weitere Haushaltssitzung statt.

25. November: In Garmisch-Partenkirchen findet bis zum 29. November die nächste Landessynode statt. Dort wird voraussichtlich die endgültige Entscheidung über den Standort einer Jugendbildungsstätte unter Trägerschaft der evangelischen Landeskirche fallen.


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