Heilgersdorf
Nahversorgung

Neuer Schwung für den Dorfladen in Heilgersdorf

In nur sechs Tagen haben in Heilgersdorf 30 Helfer ihrem Geschäft ein Facelifting verpasst. Auch das Sortiment hat sich verändert.
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Die ursprüngliche Ladentheke wurde zerlegt und neu zusammengesetzt. So haben Kunden jetzt beim Bezahlen mehr Platz, was nicht nur Gudrun Popp, Lieselotte Baumstark und Martina Hartmann (rechts, von vorn), sondern auch Lisa Bäurle und Rosi Senger (von links) freut. Im Hintergrund Andrea Jahn und Geschäftsführer Bertram Rippl Fotos: Bettina Knauth
Die ursprüngliche Ladentheke wurde zerlegt und neu zusammengesetzt. So haben Kunden jetzt beim Bezahlen mehr Platz, was nicht nur Gudrun Popp, Lieselotte Baumstark und Martina Hartmann (rechts, von vorn), sondern auch Lisa Bäurle und Rosi Senger (von links) freut. Im Hintergrund Andrea Jahn und Geschäftsführer Bertram Rippl Fotos: Bettina Knauth
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Dass sich am Heilgersdorfer Dorfladen etwas getan hat, merken bereits Passanten: Wo letzte Woche noch eine weiße Fassade optisch kaum auf den Nahversorger aufmerksam machte, zieht jetzt ein leuchtendes Terrakotta die Blicke auf sich. Die Erdfarbe passt gut zu den bunten, einzeln aufgehängten Buchstaben "Dorfladen", die das Geländer am barrierefreien Zugang säumen. Die größeren Veränderungen haben sich während der kurzen Schließzeit im Innern vollzogen: "Wir haben unsere Dorfladen-Welt in sechs Tagen umstrukturiert", sagte Geschäftsführer Bertram Rippl anlässlich der Wiedereröffnung am vergangenen Donnerstag sichtlich stolz.

Bis in die Nacht hinein hatte das laut Rippl "hochmotivierte Team" aus 26 Ehrenamtlichen und den vier Damen des Dorfladens gewirkt. Ob Maurer, Putzer, Maler, Schreiner oder Handlanger: Alle arbeiteten unentgeltlich, viele Materialien konnten verbilligt bezogen werden. "Wahnsinn, wie viel Ehrenamt hier reingesteckt wurde", zollte Bürgermeister Maximilian Neeb (FW) dem Ergebnis Anerkennung. Es zeige, welch wichtiger Baustein der Laden für die Infrastruktur und das dörfliche Zusammenleben darstelle.

Nach elf Jahren seien "erste Abnutzungserscheinungen" sichtbar gewesen, schilderte Jürgen Schramm, Mann der ersten Stunde in der Projektgruppe. Den durch die Insolvenz der LHG Eibelstadt bedingten Lieferantenwechsel hätten die Initiatoren zum Anlass genommen, dem Dorfladen "in Eigenleistung wieder ein neues, frisches Erscheinungsbild zu geben". Die beiden Geschäftsführer Volker Hahn und Rippl hatten sich nach offensichtlichen Lieferschwierigkeiten von LHG bereits im März um einen alternativen Versorger bemüht. Igros, ein auf Nahversorgung und Dorfläden spezialisiertes Familienunternehmen aus Salz ("Wir haben zwar nicht alles, aber alles, was man braucht"), versorgt die Heilgersdorfer nun mit Rewe-Artikeln. Damit kann der Laden auch deren aktuelle Angebote anbieten und je nach Bedarf nur halbe Paletten einer Ware bestellen.

Beim Rundgang erläuterten Rippl und Schramm die einzelnen Maßnahmen: Innen sorgen hellere Farben für eine einladende Atmosphäre. Regale wurden umgebaut, ein großzügigerer Durchgang geschaffen. Links rückten die Molkerei- und Tiefkühlprodukte weiter nach vorn, ganz im Rückraum befindet sich nun die Abteilung Tiernahrung. Auf der rechten Seite lockt eine Ecke mit vielen frischen und regionalen Produkten. Wo sich früher Türen und Geldautomat der Raiffeisenbank Ebern befanden, sind nun Nischen entstanden, die für Regale genutzt werden. Im Eingang sind diese mit hübschen Blumen bestückt. "Eine tolle Arbeit!", lobte Schramm das Ergebnis.

Theke zersägt

Besonderes Kopfzerbrechen bereitete die Ladentheke im vorderen Bereich. Sie musste in drei Teile zersägt und so umgestellt werden, dass die Kasse von der rechten Seite in die Mitte wandern sowie Wurst- und Backwarenbereich die Seiten tauschen konnten. "Hier haben erst unsere Schreiner und dann unsere Elektriker eine Meisterleistung vollbracht", betonte Schramm. Die Kunden hätten jetzt mehr Raum beim Bezahlen, fügte Rippl hinzu, und das ohne neue Theke, "denn die konnten wir uns nicht leisten!" Außerdem wurde das eigens von Igros entwickelte Kassensystem für Dorfläden installiert.

Den Initiatoren zeigt die große Hilfsbereitschaft beim Umbau, "dass die Heilgersdorfer zu ihrem Dorfladen stehen, ihn unterstützen und erhalten wollen", wie es Schramm formulierte. Nicht nur er machte sich in den zurückliegenden Monaten mit sinkenden oder stagnierend niedrigen Umsätzen Sorgen. Deshalb wird der 65-Jährige nicht müde, die Bedeutung der Einrichtung zu betonen: Als Einkaufsmöglichkeit biete er ein Stück Lebensqualität, durch Liefer-, Post- und Paketdienst und Bankgeschäfte übernehme er soziale Aufgaben, zudem diene er als Kommunikationszentrum und bilde einen Baustein für einen attraktiven Wohnort. "Mit der Renovierung und Umgestaltung haben wir nun eine Wohlfühlatmosphäre geschaffen, in der es sich gut einkaufen lässt", bilanzierte Schramm. Die Voraussetzungen für ein Weiterbestehen, ja einen Aufschwung, seien geschaffen. Seine Forderung: "Jetzt muss ein Ruck durch Heilgersdorf gehen!" Die Bürger könnten - ebenso wie die Bewohner der Nachbarorte - ihren Beitrag dazu leisten, dass der Dorfladen eine Zukunft hat.

Und wie kommt der neue Look bei den Kunden an? "Jetzt fällt der Dorfladen endlich auf", freute sich Lilo Baumstark über die Fassadenfarbe. Auch die "bessere Aufteilung" im Innern findet sie "super". Gudrun Popp und Martina Hartmann, mit denen die Heilgersdorferin nach dem Einkauf noch einen Kaffee im angrenzenden Dorfgemeinschaftsraum trank, nickten zustimmend. "Nun müssen nur noch die Kunden kommen", teilte Hartmann die Hoffnung der Verantwortlichen. "Ich bitte die Bewohner und die Vereine, unseren Dorfladen durch regelmäßige Einkäufe zu unterstützen", so Schramms Appell. Rippl machte sich keine Illusionen, dass die Einheimischen weiterhin ihre Großeinkäufe im Supermarkt tätigen werden, "aber selbst wiederkehrende Einkäufe in unserem Laden würden viel zum Überleben beitragen." Angesichts des steten Kampfs um die schwarzen Zahlen bereitet Geschäftsführern wie Unterstützern noch ein Schreckgespenst große Sorgen: die geplante und notwendige Sanierung der CO 6. "Während der Sperrung muss die Zufahrt zum Dorfladen unbedingt gewährleistet sein", forderte Schramm vom Rathauschef Hilfe ein. Neeb versprach, die Stadt werde alle Möglichkeiten ausschöpfen und sich gemeinsam mit dem Landkreis um eine Lösung bemühen. "Das könnte sonst das Ende des Dorfladens bedeuten", war sich auch der Bürgermeister der Gefahr bewusst.

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