Coburg
Vor der Premiere

Neuer Operettenspaß auf der Waldbühne Heldritt

Neustart auf der Waldbühne: Am Freitag hat Carl Michael Zellers "Die Landstreicher" Premiere.
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Agnes Palmisano  wird ab Freitag die Landstreicherin Berta Fliederbusch  auf der Waldbühne Heldritt spielen. Weil sie den aussterbenden Wiener Dudler retten will, wird es in dieser ersten Produktion der neuen Sommeroperette  dazu Extraeinlagen geben. Carolin Herrmann
Agnes Palmisano wird ab Freitag die Landstreicherin Berta Fliederbusch auf der Waldbühne Heldritt spielen. Weil sie den aussterbenden Wiener Dudler retten will, wird es in dieser ersten Produktion der neuen Sommeroperette dazu Extraeinlagen geben. Carolin Herrmann

Landstreicher, sehr spezielle, ziehen am Freitagabend ins Coburger Land, singende und in höchsten Tönen jodelnde, nein dudelnde, denn diese Landstreicher kommen aus Wien, wo der Dudler eine ganz besondere Kunst war. Und eine besondere atmosphärische Kunst soll am Freitag, 9. August, in Heldritt wiederbelebt werden, die der Sommeroperette auf der durchaus einmalig zu nennenden Waldbühne.

Mit Carl Michael Zellers Operette "Die Landstreicher" gibt es nach den schmerzhaften Wirren und der Pleite um die 25-jährige Coburger Sommeroperette einen Neuanfang, jetzt Sommeroperette Heldritt genannt und gestemmt von den Ursprünglichen der Coburger Sommeroperette um den musikalischen Leiter Reinhard Schmidt in Kooperation mit dem Heimatverein Heldritt und der Stadt Bad Rodach.

"Die Landstreicher" sind auch insofern wandernde Gesellen, als diese Produktion direkt von der Pramtaler Sommeroperette aus dem österreichischen Zell an der Pram kommt. Seit Montag wird auf der Waldbühne Heldritt geprobt, den Örtlichkeiten angepasst, mit ein bisschen lokalem Flair geimpft.

"Diese Landstreicher sind zwei Menschen, die sich nicht mit den Konventionen der bürgerlichen Gesellschaft abfinden", erklärt die Sopranistin Agnes Palmisano den Hintergrund der amüsanten Gaunerkomödie Zellers aus dem Jahr 1899. "Berta und August haben ihr Außenseitertum bewusst gewählt und irritieren zutiefst, werden dann auch gleich als Gesindel abgetan."

Da wir uns schließlich in der heiteren Operette befinden, wird daraus ein großer Spaß, denn das Landstreicherpaar Berta und August, das eigentlich nur das gefundene, wertvolle Collier zurückgeben wollte, führt die gar zu gute Gesellschaft mit ihren eigenen Mitteln an der Nase herum.

"Die beiden könnten auch Künstler sein", identifiziert sich die österreichische Sängerin mit durchaus ungewöhnlichem Werdegang und Standpunkt. In Heldritt ist sie jetzt nach üblichem Sommer-"Wanderzirkus" angekommen. Sie trat bei Festivals auf, hatte Konzerte, hat zwei noch jüngere Kinder. Die Wienerin, die heute Engagements an der Wiener Volksoper, dem Wiener Burgtheater und der Bayerischen Staatsoper hat, war ursprünglich Sonderschullehrerin, hat Gesang studiert und sich vor allem des aussterbenden Wiener Dudlers angenommen, des Wiener Koloraturjodlers, der mittlerweile immaterielles Kulturerbe der Unesco ist.

Der Wiener Dudler

Als sie vor gut vier Wochen mit ihrem Bühnenpartner Harald Wurmsdobler bei einer Pressekonferenz in Bad Rodach eine Kostprobe des auf der Waldbühne zu Erwartenden gab, da konnte man schon mal ein bisschen Staunen über die wilden Sprünge zwischen schwindelnden Höhen und gesanglichen Tiefen, durch die Agnes Palmisano zu ziehen fähig ist, wobei dann auch noch melodisch sehr Einnehmendes herauskam. In "Die Landstreicher" hat sie extra so ein besonderes Gesangsstück einbauen lassen, entliehen von Carl Millöcker.

Bei allem zu erwartenden Operettenspaß ist für Agnes Palmisano und Harald Wurmsdobler, dem Intendanten der Pramtaler Sommeroperette und 1. Vorsitzenden des neu gegründeten Vereines Coburger Operetten-Freunde, eben auch das Doppelbödige der Operette so reizvoll, die früher ja in nicht geringem Maße auch sozialkritisch zu verstehen war. "So hat man sich zu verhalten, zu benehmen", bringt Agnes Palmisano den Stoff in die Gegenwart. "Dieser Zwang hat doch eher noch zugenommen. Heute gibt es noch viel mehr Schubladen, wehe, du greifst in die falsche. Es gibt so viele verschiedene Korrektheiten."

Sommeroperette Heldritt "Die Landstreicher" - Operette von Carl Michael Ziehrer auf der Waldbühne Heldritt. Koproduktion mit der Pramtaler Sommeroperette im österreichischen Schloss Zell, geleitet von Harald Wurmstobler. Textfassung von Bernhard Maxara

Regie: Manuela Kloibmüller,

Ausstattung A.Daphne Katzinger, Musikalische Leitung Reinhard Schmidt. Es spielt das Salonorchester siNNfonietta aus Oberösterreich

Eigene Fassung Die ursprünglich im Bayerischen angelegte Operette ist in dieser Produktion im Wiener Schmäh angesiedelt, rückbezogen auf die Urgründe der Operette in den Possen mit Gesang, etwa von Johann Nestroy. Bernhard Maxara hat aus der ausufernden Nummernrevue von Zierer eine komprimierte, plausiblere Fassung geschaffen. Alle wichtigen Gesangsnummern, couplethaft angelegt, sind vorhanden, die bekannteste ist "Der Zauber der Montur".

Darsteller Agnes Palmisano (Bertha Fliederbusch), Harald Wurmsdobler (August Fliederbusch), Eva-Maria Kumpfmüller (Mimi, eine Sängerin), Erich J. Langwiesner (Fürst Adolar), Christine Ornetsmüller (Anna Gratwohl), Christian Engelhardt, Philipp Gaiser, Michael Zallinger, Tobias Engelhardt, Karl Glaser, Stefan Ingnaz, Wolfgang Krautwig

Premiere Freitag, 9. August, 19.30 Uhr

Weitere Termine 11. August, 15 Uhr, 16. August, 19.30 Uhr, 17. August, 15 und 19.30 Uhr, 18. August, 16 Uhr; Matinee "Alte Hüte", Sonntag, 18. August, 11 Uhr Vorverkauf Geschäftsstelle Sommeroperette Heldritt, Montag bis Freitag, 9.30 bis 11.30 und 17 bis 19 Uhr, Hauptstraße 9, Bad Rodach (Telefon: 09564/ 800441) oder über www.waldbuehne-heldritt.de

Der Komponist Carl Michael Ziehrer ( 1843 - 1922 ) war ein Wiener Komponist. Er schrieb rund 600 Tänze und 23 Operetten. Ziehrers wichtigster Lehrer war der Wiener Komponist Johann Emanuel Hasel, der wesentlichen Anteil am Erfolg Zierers hatte, was der zeit seines Lebens verschwieg. Nach Differenzen mit seinen Förderern in Wien zog Ziehrer nach Berlin, übernahm die Kapelle der Reichshallen und agierte als Variété-Dirigent. Im Jahre 1885 erhielt Ziehrer den Posten als Kapellmeister des berühmten K.u.k. Infanterie-Regimentes Hoch- und Deutschmeister Nr. 4. Ziehrer gab Konzerte in ganz Europa und 1893 auch in Chicago im Rahmen der Weltausstellung. Carl Michael Ziehrer verlor während des Ersten Weltkrieges sein Vermögen und starb verarmt 1922.

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