Coburg
Sanierung

Neuer Glanz für die Steinweg-Vorstadt in Coburg

Eine Fahrradscheune, mehr Grün, ein "neuer Lohgraben" und ein Besuchermagnet "Nordpol" sollen dass Quartier in den nächsten Jahren attraktiver machen.
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Der Lohgraben wird in den nächsten Jahren ein Schwerpunkt der Stadtsanierung sein. Mehr Grün, die Aktivierung der Erdgeschosse der historischen Gerberhäuser und ein wieder erlebbarer Hahnfluss sollen den Lohgraben aufwerten. Der Hahnfluss wurde vor mehr als 40 Jahren verrohrt.Foto: Christoph Winter
Der Lohgraben wird in den nächsten Jahren ein Schwerpunkt der Stadtsanierung sein. Mehr Grün, die Aktivierung der Erdgeschosse der historischen Gerberhäuser und ein wieder erlebbarer Hahnfluss sollen den Lohgraben aufwerten. Der Hahnfluss wurde vor mehr als 40 Jahren verrohrt.Foto: Christoph Winter
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Mehr Grün, bessere Querverbindungen für Fußgänger zwischen den Hauptachsen und ein Besuchermagnet "unter dem Arbeitstitel "Nordpol" am Ende des Steinwegs, um mehr Menschen anzuziehen - das sind einige Ziele für die Aufwertung der Steinwegvorstadt in den nächsten Jahren.

Fingerdick ist der Abschlussbericht für die vorbereitende Untersuchung der Stadtsanierungsgebiete "Nördliche Innenstadt" und "Steinwegvorstadt". Auf 113 Seiten sind Handlungsempfehlungen zusammengefasst, die Schwächen, Stärken und Möglichkeiten sowie die Historie des Gebietes. In den nächsten 14 Jahren, so erklärten Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD), Bau-Bürgermeisterin Birgit Weber (CSU) und Wohnbau-Geschäftsführer Christian Meyer, würden geschätzt rund 38 Millionen Euro investiert werden. 14 Millionen Euro davon entfallen auf die Stadt, mehr als 23 Millionen Euro, so die Erfahrung aus der Stadtsanierung, werden wohl von den Immobilienbesitzern aufgebracht. Vorgestellt wurde der Bericht am Samstag in der sogenannten Sanierungswerkstatt "Schlick 29" im Steinweg anlässlich des "Tages der Städtebauförderung 2018".

Bürgermeisterin Birgit Weber erklärte: "Wir müssen alle zusammenhelfen, denn die Steinweg-Vorstadt ist etwas Besonderes, das Quartier muss sich zum begehrten Wohn und Ausgehviertel entwickeln."

Für OB Norbert Tessmer erweist es sich als "Glücksfall", dass die Stadt ihre eigene Wohnbaugesellschaft mit der Stadtsanierung beauftragen könne. "Geduld und Ausdauer werden zum Erfolg führen", zeigte sich Wohnbau-Geschäftsführer Christian Meyer zuversichtlich.

Vieles aus dem Bericht ist schon seit Langem bekannt, manches wird Theorie bleiben. Das Gebiet zwischen Spitaltor und dem Ende des Oberen Bürglaß, zwischen dem Bürglaßschlösschen und der Seifartshofstraße hat sich in den vergangenen Jahrzehnten unterschiedlich entwickelt. Da gibt es große Gebäude, etwa die frühere Hauptpost und das Parkhaus Post sowie den Kaufhof, andererseits viele kleine, dicht an dicht stehende Wohn- und Geschäftshäuser in unterschiedlichem baulichen Zustand aber auch villenartige einzelstehende Häuser, wie etwa in der Seifartshofstraße.

Die Befragung der Hausbesitzer hat ergeben, dass der energetische Standard oft mangelhaft ist, was wiederum mit dem Zustand von Fassaden, Fenstern und Dächern zu tun hat. In der Steinwegvorstadt werden die Erdgeschoss-Etagen vorwiegend durch Einzelhandel genutzt, wobei der Handel immer mehr abnimmt, je weiter der Besucher Richtung Norden (Richtung Freibad) gelangt. "Das Profil als ‚Straße der kleinen Fachgeschäfte‘ hat der Steinweg in den letzten 20 Jahren zunehmend verloren", heißt es in dem Bericht. Hingegen habe sich der Steinweg und angrenzende Gassen als Gastronomie- und Kneipenmeile im Bewusstsein verankert.

Diese Nutzung schaffe mitunter Probleme. Trotzdem verzeichne der Steinweg eine positive Bevölkerungsentwicklung. Dort wohnten viele Studenten und Auszubildende, viele Bewohner haben eine ausländische Staatsangehörigkeit. Ältere Bewohner störten sich an der nächtlichen Lärmbelastung durch die Gastronomie und an den fehlenden Einkaufsmöglichkeiten für Lebensmittel.

Um das Gebiet städtebaulich aufzuwerten, soll am Ende des Steinweges ein "Nordpol" geschaffen werden, um mehr Laufkundschaft in das Viertel zu ziehen. Im Lohgraben sehen die Stadtplaner Entwicklungschancen durch ein Mehrgenerationen-Wohnen und eine attraktivere Gestaltung des Lohgraben selbst. Die Mauer zum alten Posthof, der Bauzustand und die Versiegelung haben eine "abweisenden Charakter", heißt es in dem Bericht. Der Hinterhofcharakter soll einem grünen Naherholungsbereich weichen, der durch einen Wasserlauf aufgewertet wird. "Das wird kein vier Meter breiter Fluss", so Reiner Wessels von der Wohnbau.

Wichtig für die Stadtplaner ist das Projekt "Nordpol" am Ende des Steinwegs. Das könnte eine Wohnhaus für Studierende sein, mit Café, Ateliers oder einem Ausstellungsraum. Das soll auch am Tag Menschen in den Steinweg bringen. Ein weiteres Projekt ist die denkmalgeschützte Scheune in der Schenkgasse. Dort könnte nach Ansicht der Stadtplaner eine Fahrradstation entstehen.

Weiter erachten die Stadtplaner eine bessere Verkehrsanbindung, Anlieferung und Radfahrstreifen in der Hindenburg-Straße und Oberen Bürglaß als erforderlich.


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