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Coburg
Unser Thema der Woche // Gesundheit

Neue Fakultät Gesundheit an der Hochschule Coburg

Die Hochschule Coburg will zum Wintersemester 2021/22 mit zwei neuen Studiengängen an den Start gehen: Hebammen- und Pflegewissenschaften. Bis es losgehen kann, sind noch einige Hürden zu nehmen.
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In Deutschland sind Pflegefachkräfte mit Hochschulausbildung noch deutlich in der Minderheit. Das soll sich nun ändern, denn fast überall in den europäischen Nachbarländern ist die Pflegeausbildung bereits ausschließlich an Hochschulen angesiedelt.Tom Weller/dpa
In Deutschland sind Pflegefachkräfte mit Hochschulausbildung noch deutlich in der Minderheit. Das soll sich nun ändern, denn fast überall in den europäischen Nachbarländern ist die Pflegeausbildung bereits ausschließlich an Hochschulen angesiedelt.Tom Weller/dpa
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Die Hochschule Coburg erhält aus den Fraktionsreserven des Bayerischen Landtags rund eine halbe Million Euro. Das Geld wird für den Aufbau der Fakultät Gesundheit verwendet, die voraussichtlich im Wintersemester 2021/22 mit den Studiengängen Hebammen- und Pflegewissenschaften starten soll. Im Interview berichtet Hochschul-Präsidentin Christiane Fritze, wie das Geld des Freistaats eingesetzt werden soll und wie weit die Vorbereitungen bereits fortgeschritten sind.

Die Landtagsfraktionen der CSU und der Freien Wähler stellen eine halbe Million Euro für den Aufbau der Fakultät Gesundheit an der Hochschule Coburg zur Verfügung. Können Sie schon konkret sagen, wie das Geld verwendet werden soll?

Christiane Fritze: Wir verwenden das Geld, um die inhaltlichen, rechtlichen und organisatorischen Voraussetzungen für die neuen Lehrangebote zu schaffen. Das Hebammenstudium ist beispielsweise ein duales Studium. Hier haben wir mehrere Kooperationspartner, wie beispielsweise die Sozialstiftung Bamberg und die Krankenhäuser, in denen die Hebammen praktisch angeleitet werden. Diese Zusammenarbeit muss abgestimmt, geplant und organisiert werden. Wir müssen Studieninhalte und Studienpläne konzipieren und die räumlichen Voraussetzungen schaffen.

Warum ist es so wichtig, dass die Hochschule Coburg den Bereich Gesundheit ausbaut?

Wir haben bereits vor 15 Jahren den Bachelorstudiengang "Integrative Gesundheitsförderung" gegründet. Das heißt, wir haben in den letzten Jahren auf dem Gebiet viel Know-how erworben. Da ist es nur folgerichtig, den Bereich auszubauen. Zumal der Bedarf an gut ausgebildeten Fach- und Führungskräften in der Region steigt und wir hier in der Gesundheitsregion viele starke Partner haben.

Ein Teil des Geldes ist für den Aufbau der Ausbildungen Hebammenwesen und Pflegewissenschaften vorgesehen. Wie werden diese Ausbildungsrichtungen konkret aussehen?

Wir haben eine Programmkommission zusammengestellt, die die Studienprogramme entwickelt. Dazu werden wir auch Gespräche mit unseren Kooperationspartnern in der Region führen. Und wir haben eine Cluster-Managerin eingestellt, die unterstützt und koordiniert.

Wie viele Studienplätze werden in diesen beiden Ausbildungsrichtungen geschaffen?

Wir gehen von 20 bis 25 Studienplätzen bei den Hebammen und circa 30 in der Pflege aus.

Wie schwierig wird es, für die neuen Studiengänge Ausbilder zu finden?

Das wird insbesondere in den Hebammenwissenschaften schwierig werden. Denn zum einen wird dieser Bereich in Deutschland erst jetzt akademisiert. Zum anderen entstehen derzeit in Deutschland überall entsprechende Studiengänge, die Professorinnen und Professoren brauchen.

Ist bereits Nachfrage für die neuen Studienrichtungen da?

Ja, bei unserer Studienberatung gehen schon entsprechende Anfragen ein.

Ist schon abzusehen, wann die ersten Studierenden ihre Ausbildung an der Hochschule Coburg aufnehmen können?

Unser Ziel ist es, bereits im Wintersemester 2021/22 zu starten. Allerdings muss der Freistaat Bayern dafür noch die erforderlichen Stellen schaffen.

MdL Martin Mittag betonte, es sei wichtig, auch den Bereich Physiotherapie zu "akademisieren". Mit der Medau-Schule hat Coburg bereits einen renommierten Ausbilder in diesem Bereich. Wie wird sich die Ausbildung an der Hochschule Coburg davon unterscheiden, beziehungsweise wird die Hochschule mit der Medau-Schule zusammenarbeiten?

Es gibt Gespräche mit der Medau-Schule über ein duales Physiotherapie-Studium, denn auch dieser Gesundheitsbereich wird sich über kurz oder lang akademisieren. Das ist seit Jahren ein europaweiter Trend.

Akademisierung ist auch das Stichwort in der Hebammenausbildung. Warum ist es so wichtig, diese künftig über ein Hochschulstudium laufen zu lassen?

In allen EU-Mitgliedstaaten außer Deutschland findet die Hebammenausbildung an Hochschulen statt. Die EU legte bereits 2005 in einer Richtlinie fest, dass die Abschlüsse europaweit gleichwertig sein sollen. Diese Richtlinie hat Deutschland jetzt umgesetzt und Ende letzten Jahres das Gesetz zur Reform der Hebammenausbildung verabschiedet. Damit soll auch gewährleistet sein, dass die deutschen Abschlüsse im europäischen Ausland anerkannt werden und die Menschen beruflich mobil sein können.

Welches Alleinstellungsmerkmal bietet die Hochschule Coburg, das andere Hochschulen im Bereich Gesundheit nicht bieten können?

Die Hochschule Coburg versteht sich als Vorreiterin in der Gesundheitsförderung. Wir verbinden verschiedene Fachdisziplinen miteinander und nehmen sowohl die Gesundheitsvorsorge als auch die Gesundheit der Menschen in den Pflegeberufen in den Blick. Diese Erfahrungen in der Salutogenese können wir bei der akademischen Ausbildung von Hebammen und Pflegekräften in die Waagschale werfen.

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