Coburg
Fasching

Närrische Vision: Wird Coburgs OB Kastner Baggerfahrer?

Die Coburger Narrhalla beschäftigt sich bei ihrer Prunksitzung auch mit der Frage, was das aus dem Amt scheidende Stadtoberhaupt künftig beruflich machen kann.
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"Was der Kastner kann, kann ich auch" singen das Trio "Don Promillo" und die versammelten Kandidaten für die Oberbürgermeister-Wahl bei der 33. Prunksitzung der coburger Narrhalla im kongresshaus.Fotos: Albert Höchstädter
"Was der Kastner kann, kann ich auch" singen das Trio "Don Promillo" und die versammelten Kandidaten für die Oberbürgermeister-Wahl bei der 33. Prunksitzung der coburger Narrhalla im kongresshaus.Fotos: Albert Höchstädter
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Die entscheidende Botschaft dieses Abends ist nicht zu übersehen. "Narren in den Stadtrat" - dieser Slogan begrüßt die Gäste bei der 33. Prunksitzung der Coburger Narrhalla schon im Foyer des Kongresshaus. Die in wenigen Wochen anstehende Kommunalwahl liefertdas Stichwort für gar manchen Beitrag des mehr als vierstündigen Programms.

Ein wenig Nachhilfe in Sachen OB-Wahl bietet der spezielle Narrhalla-Stimmzettel, der überall ausliegt. Denn darauf finden sich nicht nur die Namen des Kandidaten-Septetts von Norbert Tessmer bis Birgit Weber. Dort findet sich auch das Narrhalla-Oberbürgermeisterpaar. Dahinter verbirgt das alte scheidende Prinzenpaar Thorsten I. und Petra II., derweil sich Martin I. und Elke I.
als neues Prinzenpaar auf ihren ersten Auftritt vorbereiten.


Wahlkampf-Fähnchen

Einen närrischen Abschiedsgruß gibt es für den abwesenden Oberbürgermeister Norbert Kastner, der im Frühjahr nach 24 Jahren aus dem Amt scheiden wird. Seit Kastner vor 15 Jahren samt Gefolge die Prunksitzung der Narrhalla verlassen hatte, ist das Verhältnis zwischen dem Stadtoberhaupt und den Narren der Vestestadt angespannt.

Zu Kastners Abschied aus dem Rathaus gibt es an diesem Abend gleich von mehreren Seiten allerlei Anspielungen und Tipps für die Zukunft - so auch von dem Trio "Don Promillo". Dessen Vision: Kastner als Baggerfahrer, der überall in Coburg Baustellen aufreißt. Doch nicht nur Kastner wird verbal aufs Korn genommen - auch das Septett der Möchte-gern-Nachfolger darf sich manche Spitze anhören und gemeinsam mit "Don Promillo" auf der Bühne Wahlkampf-Fähnchen schwingen.


Flirt mit Amanda

So richtig punkten kann aus dem Kandidaten-Septett an diesem Abend eigentlich nur Coburgs derzeit Zweiter Bürgermeister Norbert Tessmer (SPD). Denn er ist nicht nur (wie sein CSB-Mitbewerber Christian Müller) Narrhalla-Elferrat, sondern zugleich der neue Favorit von Amanda. Stewardess Amanda, die kommunikationsfreudige Handpuppe von Bauchredner Pierre Ruby, flirtet jedenfalls mit Tessmer ausdauernd auf offener Bühne.

Die Prunksitzungen der Narrhalla sind seit nunmehr 33 Jahren immer auch ein Podium für Talente aus der Region, von denen viele fast schon zum lebenden Inventar zählen. Das gilt für Volker Weigand, von Sitzungspräsident Thomas Eck als "einer unserer ältesten Recken" angekündigt, der in diesem Jahr als Bestatter auf die Bühne kommt. Für seine Ansprache unter dem Motto "Liebe Neukunden" gibt's an manchen Stellen nur verhaltenen Beifall.

Reichlich Beifall dagegen verdienen sich die Gäste aus den Reihen anderer Coburger Vereine. Das gilt für die achtköpfige Solistenschar vom "Coburger Mohr" ebenso wie für die Jugendgruppe der Effect's. Beinahe frenetischen Beifall erntet die Königsgarde des "Coburger Mohr" für ihren höchst akkuraten Auftritt.


Taxi und Tatort

Im unvermeidlichen Taxi, seit Jahren fester Bestandteil der Prunksitzungen, kommentieren Pitt Kammerscheid und Thomas Eck den Kommunalwahlkampf. Der Abschied von Carl-Christian Dressel (SPD) von Coburgs Polit-Bühne ("Den Dicken gibt es nicht mehr") nimmt das lästernde Duo ebenso ins Visier wie die arg gebeutelten Liberalen ("Wer kennt denn die FDP überhaupt noch?").

Wer zu vorgerückter Stunde kurz vor Mitternacht auf Kalauer der etwas derberen Art wartet, ist bei Stefan Eichner "(Das Eich") an der richtigen Adresse. Dabei ist der aus Kulmbach stammende Kabarettist eigentlich gar nicht auf zotige Eskapaden angewiesen. Seine satirische Vorschau auf den demnächst zum Dreh anstehenden ersten "Tatort" aus fränkischen Landen gelingt jedenfalls mit lapidarer Treffsicherheit.

Was aber bleibt in Erinnerung von der Jubiläumsprunksitzung, wenn der letzte Rest Konfetti aus den Anzugtaschen gefischt, die letzte Luftschlange entsorgt ist? Neben den nicht allzu scharfen kommunalpolitischen Anspielungen zählt dazu der Auftritt von Jockel Müller. Der Sitzungspräsident des TSV Scherneck beweist als "Alte Klofrau" Mut zur Persiflage und intoniert mit gut dosierter Selbstironie "Mein stilles Leben diente einem guten Zweck".

Nach dem höchst effektvollen Showtanz "Deine Welt" der Röttenbacher Besenbinder lässt der Fanfarenzug den offiziellen Teil des Abends ausklingen.

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