Coburg
Verkehr

Nach Michelbach-Kritik: Bahn nun gesprächsbereit

Noch in diesem Herbst soll in einem Treffen mit Bahn-Vorständen über weitere ICE-Halte und den Zustand des Bahnhofs gesprochen werden.
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Seit Dezember 2017 hält der ICE zwar regelmäßig in Coburg, ICE-tauglich ist am Coburger Bahnhof allerdings vieles noch nicht.CT-Archiv
Seit Dezember 2017 hält der ICE zwar regelmäßig in Coburg, ICE-tauglich ist am Coburger Bahnhof allerdings vieles noch nicht.CT-Archiv

Der Coburger Bahnhof müsste dringend auf Vordermann gebracht werden, doch es tut sich nichts. Im Juli hatte der Coburg-Kronacher Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach (CSU) nach einem Gespräch mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer die Deutsche Bahn für ihr "Desinteresse" an Coburg scharf kritisiert. Diese Kritik ist offenbar angekommen. Wie Michelbach am Montag in einem Gespräch mit dem Tageblatt ankündigte, soll es demnächst ein Treffen mit Verantwortlichen der Bahn geben.

Post vom Bahnvorstand

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Der Coburger Abgeordnete hat Post vom Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn AG, Richard Lutz erhalten. Darin bietet Lutz zur "abschließenden Klärung" ein Gespräch an, an dem unter anderem die beiden DB-Vorstände Roland Pofalla (Infrastruktur) und Berthold Huber (Personenverkehr) sowie Klaus-Dieter Josel (Bahn-Konzernbevollmächtigter für Bayern) teilnehmen werden.

Er sei Richard Lutz für dieses Angebot sehr dankbar, betonte Michelbach. Die derzeitigen Verhältnisse am Coburger Bahnhof seien untragbar - von der "Aufzugsmisere" bis zur fehlenden Gestaltung des gesamten Bereiches. Er sei entsetzt gewesen, mit welcher "Gleichgültigkeit" die Bahn auf die Kritik am Zustand des Bahnhofs reagiert habe, so Michelbach. Umso mehr freue es ihn, dass die Bahn-Verantwortlichen nun eine Delegation aus Coburg empfangen wollen. Ein Termin stehe zwar noch nicht fest, aber Michelbach schätzt, dass es im September oder Oktober so weit sein wird.

Die Hoffnungen will Michelbach aber nicht zu hoch hängen: "Das ist ein Anfang - nicht mehr, aber auch nicht weniger." Was Coburg brauche, seien "tiefgreifende Verbesserungen" - im Hinblick auf die baulichen Mängel, aber auch, was die Einbindung von Coburg in das ICE-Netz angehe. Hier müsse das Angebot dringend ausgebaut werden, "mit allen Möglichkeiten, um die Kundenfreundlichkeit zu erhöhen". Schließlich habe die Bahn seinerzeit zugesagt, die Zahl der ICE-Halte in Coburg bei entsprechend hohen Fahrgastzahlen anzupassen.

Wenn man sehe, dass Fahrgäste in Berlin und München mitten in der Nacht in den ICE steigen müssten, um am Morgen in Coburg einzutreffen, könne man schon ins Grübeln kommen. "Das Angebot war so angelegt, dass es nicht genutzt wird", mutmaßt der Abgeordnete. "Das waren klare Abwehrangebote!" Gesprächsbedarf sieht Michelbach auch in Bezug auf eine ICE-Direktverbindung von Coburg nach Wien, für die eine Direktverbindung nach München wegfallen würde. "Wir haben nichts gegen eine Anbindung nach Wien, aber München darf nicht ersatzlos gestrichen werden!"

Alarmglocken läuten

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Das Ende der Sommerpause in der Politik markiere gleichzeitig den Beginn einer intensiven Phase im Herbst, sagte Michelbach - zumal in knapp sechs Wochen die Landtagswahlen in Bayern stattfinden. Angesichts der derzeitigen Entwicklungen in Politik und Gesellschaft sei er durchaus besorgt und höre "die Alarmglocken für die Demokratie " läuten. "Die Volksparteien haben sicherlich Fehler gemacht", räumte Michelbach ein. "Aber sie haben eine gute Funktion." Eine Zersplitterung, die schlimmstenfalls zu "italienischen Verhältnissen" führen könnte, sei keine gute Entwicklung für die Stabilität der politischen Landschaft in Deutschland. Er sei sehr motiviert, mit den Menschen über extremes Wahlverhalten, über Polarisierung und Spaltung in der Gesellschaft zu reden, so Michelbach. "Denn, was das bewirkt, sehen wir gerade an Chemnitz!" Dazu müsse sich aber jeder "aus dem Sessel der Zurückhaltung erheben", forderte der Abgeordnete, denn: "Es ist ernst!"



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