Coburg

Musikfreunde Coburg: Besondere Künstler an besonderen Orten erleben

Mit welchen Programmen die Musikfreunde Coburg in der Saison 2019/2020 neue Zuhörer locken wollen.
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Ein Wiederhören mit dem Pianisten Benjamin Moser gibt es am 17. Februar 2020 bei der Gesellschaft der Musikfreunde CoburgFoto: Archiv/Jochen Berger
Ein Wiederhören mit dem Pianisten Benjamin Moser gibt es am 17. Februar 2020 bei der Gesellschaft der Musikfreunde CoburgFoto: Archiv/Jochen Berger
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Mit der Aufteilung in zwei Konzertreihen für klassische Kammermusik einerseits und Crossover-Begegnungen andererseits hat die traditionsreiche Gesellschaft der Musikfreunde Coburg in der vergangenen Saison den vor einigen Jahren begonnenen Kurs der inhaltlichen Erneuerungen konsequent fortgesetzt. Mit welchen Künstlern er in der neuen Spielzeit auch jüngere Zuhörer anlocken will, verrät Musikvorstand Joachim Rückert im Interview.

In den letzten Jahren hat die "Gesellschaft der Musikfreunde Coburg" bereits einige Änderungen eingeführt, um dem Negativ-Trend bei den Mitgliederzahlen zu begegnen. In der vergangenen Saison 2018/2019 gab es erstmals das doppelte Angebot der "Gelben Reihe" mit Klassik-Konzerten und der "Green Line" mit Crossover-Formaten. Wie fällt im Rückblick Ihre Bilanz aus?

Joachim Rückert: Sehr positiv. Wir haben genau das Richtige gemacht: Mit unserer bewährten "gelben Reihe - Lust auf Klassik" konnten wir den Klassik-Interessierten in gewohnter Qualität sieben hochwertige Konzerte anbieten, von zwei Solo Klavierabenden über Duo Recital und Streichquartett bis zu Nonett und Sinfoniekonzert. Die "green line - Neue Perspektiven und Lust auf mehr" hat - abgesehen vom allerersten Konzert - unsere Erwartungen erfüllt bis übertroffen. Der Zuspruch war so groß, dass wir diese sieben grünen Konzerte, die ja finanziell nicht durch die Mitgliedsbeiträge getragen werden, mit einer schwarzen Null über die Bühne bringen konnten.

Wie haben Ihre treuen Abonnenten auf die Veränderungen reagiert?

Eigentlich hat sich für die Abonnenten, sprich: Mitglieder der Musikfreunde erst mal nicht viel geändert. Die zahlen einen moderaten Mitgliedsbeitrag und haben dafür sieben hervorragende Konzerte - wie gehabt. Zusätzlich besteht für sie die Möglichkeit, zu reduzierten Preisen Karten für Konzerte der "green line" zu erwerben, die der Qualität der "Gelben Reihe" ja in nichts nachstehen. Hier ist aber von Seiten der Mitglieder noch gewaltig "Luft nach oben". Aber ich denke, es spricht sich rum, dass man auch die "green line" nicht versäumen sollte.

Wie groß war der Anteil neuer Besucher bei den Veranstaltungen der "green line"?

Das Publikum bestand bei der "green line" überwiegend aus Nicht-Mitgliedern. Aber genau das wollten wir ja im Ansatz erreichen, dass Menschen klassische Musik hören wollen, die der klassischen Kammermusikszene nicht so nahe stehen. Bewährt hat sich in diesem Zusammenhang die Kooperation mit anderen Veranstaltern wie den "Klanggrenzen" oder "Cultur im Contakt" oder auch die Vorstellungen in der Eingangshalle der HUK-Coburg. Hier ist man einfach gemeinsam in jeder Hinsicht breiter aufgestellt. Auch eine ungewöhnliche Lokalität, wie zum Beispiel das Gewölbe der Weinhandlung Oertel bietet einen zusätzlichen Anreiz.

Die Musikfreunde haben seit einigen Jahren neben dem angestammten Kongresshaus verschiedene weitere Konzertstätten erprobt - vom großen Pfarrsaal in St. Augustin über das "Münchner Hofbräu" bis zum "Haus Contakt". Könnte das noch zu bauende "Globe" mit seinem Platzangebot auch für die Coburger Musikfreunde zur Heimstatt werden?

Ich sprach ja gerade vom Reiz des besonderen Ortes. Diese Schiene wird auch in der neuen Saison konsequent weiter geführt: Wir werden Konzerte zusätzlich an neuen Lokalitäten anbieten: dem Kunstverein, dem Glasmuseum in der Rosenau und im Hofgarten. Das Globe wird mit Sicherheit ein sehr attraktiver Aufführungsort, mit der Aura des Besonderen. Es ist genau der Raum, auch von der Größe her, den wir uns schon lange wünschen. Unsere langjährige Konstante, der Festsaal des Kongresshauses ist von unseren Künstlern wie vom Publikum sehr geschätzt, allerdings für unser Format letztendlich zu groß. Allerdings wird es ja noch einige Jahre dauern, bis das Theater seine Interimsspielstätte Globe nicht mehr benötigen wird.

Vom Ella-Fitzgerald-Programm bis zum anspruchsvollen Streichquartett-Abend: welches Programm in der neuen Saison erwarten Sie mit besonderer Spannung?

Ich nehme unser Jahresprogramm mit der kreisrunden Zentralseite in die Hand und bin bei der Frage eigentlich etwas ratlos: das sind 14 Super Konzerte und ich habe mir meinen Urlaub so gelegt, dass ich kein einziges versäume. Aber vielleicht ist da doch etwas Besonderes, um nicht zu sagen Ungeheuerliches: das Sestetto Stradivari im Januar 2020: wunderschöne Musik mit sechs wunderschönen Instrumenten von Stradivari. Das hatten wir in Coburg noch nie und ich persönlich habe so etwas auch anderswo noch nie hören dürfen.

Wie weit sind bereits jetzt die konkreten Planungen für die Saison 2020/2021?

Die "Gelbe Reihe" ist fast komplett durchterminiert: Wir werden im Hinblick auf Beethovens 250. Geburtstag am 16. Dezember 2020 die drei Konzerte im Herbst vor allem mit Beethoven bestreiten. Da gibt es auch endlich das Finale zu unserem Beethoven Zyklus mit allen 32 Klaviersonaten. Ab 2021 folgt ein neues Klavierprojekt. Der Komponist wird noch nicht verraten. Ein junges Streichquartett führt unseren Bartok Zyklus weiter. Außerdem wird das weltberühmte Prazak Quartett aus Prag auf seiner globalen Abschiedstournee auch in Coburg Station machen - und das auf deren Wunsch hin! Bei der "green line" überschlagen sich die Angebote. Ungefähr die Hälfte der Konzerte ist schon eingetütet - und da sind wieder besondere "Highlights" dabei.

Konzert-Kalender der Gesellschaft der Musikfreunde Coburg

Samstag, 28. September ... Uhr: "Schubertiade", 16 Uhr, Haus Contakt (Green Line) Montag, 21. Oktober "Podium junger Künstler", Lazarus String Quartett", 19.30 Uhr, Kongresshaus (Gelbe Reihe) Montag, 4. November Minguet Quartett, Matthias Kirschnereit, HUK-Foyer (Gelbe Reihe) Donnerstag, 28. November Laura Mann (Gesang), Florian Bernd (Gitarre) "Ella - First Lady of Song", 19.30 Uhr, Kunstverein (Green Line) Sonntag, 22. Dezember Weihnachtskonzert Collegium musicum, 17 Uhr, St. Moriz (Gelbe Reihe) Montag, 27. Januar Sestetto Stradivari, 19.30 Uhr, Kongresshaus (Gelbe Reihe) Montag, 17. Februar: Klavierabend Benjamin Moser, 19.30 Uhr, HUK-Foyer (Gelbe Reihe) Sonntag, 8. März "Sher on a Shier", 19.30 Uhr, Haus Kontakt (Green Line, Zusammenarbeit mit "Cultur im Contakt") Donnerstag, 26. März Constanze Rückert (Schauspiel), Elias Conrad (Laute, Gitarre), 19.30 Uhr, Glasmuseum Rosenau, 19.30 Uhr (Green Line), Zusammenarbeit mit dem Coburger Literaturkreis) Montag, 20. April Philharmonisches Orchester, William Youn (Klavier), Leitung Roland Kluttig, 20 Uhr, Kongresshaus (Gelbe Reihe, Zusammenarbeit mit dem Landestheater Coburg) Montag, 11. Mai Zhuo Lu (Bratsche), Antonio Grimaldi (Klavier), 19.30 Uhr, Kongresshaus (Gelbe Reihe) Sonntag, 24. Mai Philharmonisches Blechbläser Quintett, 11 Uhr, Wandelkonzert im Hofgarten Montag, 6. Juli Musik und Graffiti-Kunst, 19.30 Uhr (Zusammenarbeit mit "Klanggrenzen") Sonntag, 19. Juli Serenade Collegium musicum, Schloss Ahorn, 19 Uhr Eintritt frei zu den Konzerten der "Gelben Reihe" für Mitglieder, die Konzerte der "Green line" finden im freien Verkauf statt (Tickets im Vorverkauf: Buchhandlung Riemann)ct

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