Coburg
Auftritt

Musikalischer Urknall fasziniert in Coburg

Wie das Ensemble Neobarock das Coburger Publikum in der Morizkirche mit stilsicherem Musizieren beeindruckte.
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Das Ensemble Neobarock beeindruckte die Zuhörer in der Coburger Morizkirche mit stilsicherem Musizieren und Werken des 17., und 18. Jahrhunderts.Foto: Jochen Berger
Das Ensemble Neobarock beeindruckte die Zuhörer in der Coburger Morizkirche mit stilsicherem Musizieren und Werken des 17., und 18. Jahrhunderts.Foto: Jochen Berger
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"Musica artificiosa", virtuose Kammermusik des 17. Jahrhunderts mit Komponisten aus Österreich und Süddeutschland brachte ein Sonderkonzert der Coburger Gesellschaft der Musikfreunde in Zusammenarbeit mit der Reihe "Musica Mauritiana" in der Morizkirche.

Zu Gast war das Ensemble Neobarock mit Maren Ries und Volker Möller (Violinen) sowie Ariana Spiegel (Violoncello) und Stanislav Gres (Cembalo).


Aus Italien kam der musikalische "Urknall" des Barock und breitete sich in kurzer Zeit über ganz Europa aus. Prachtvoll, üppig, affektgeladen und bildhaft war diese neue Art der Musik und mit einer bis dahin nicht gekannter Virtuosität. Viele Komponisten machten sich nach Italien auf, um an Ort und Stelle sich den Stil anzueignen.


Beseeltes Msuizieren

Eine Reihe früher Früchte dieser Stilwende in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts hatte das Ensemble Neobarock für sein Coburg-Debut mitgebracht und bot es lupenrein und fesselnd dar.
Die Zuhörer waren beeindruckt von dem geschmeidigen, beseelten und hochvirtuosen Musizieren der vier Protagonisten, die auch äußerlich in ihrer schwarz-gelben Kleidung eine harmonische Einheit bildeten.


Dass Barockmusik nicht nüchtern, akademisch gespielt werden muss, zeigte Neobarock eindrucksvoll mit seinem lebendigen, die Klangmöglichkeiten der neuen Aufführungspraxis stets ausnutzenden Spiel, was besonders Stricharten, Betonungen und dynamische Effekte anbelangt.
Werke von Heinrich Ignaz Franz Biber bildeten die Eckpfeiler des Programms mit zwei Partiten aus "Haramonia artificioso-ariosa", deren zu Beginn erklungene dritte zwei skordierte, das heißt in der Stimmung veränderte Violinen erfordert.


Was man aus einem einzigen Durakkord alles machen kann, zeigt Biber zu Beginn des technisch anspruchsvollen Stücks, famos und überlegen von den vier Künstlern dargeboten.


Faszinierendes Wechselspiel

In der abschließenden 6. Partita, dem umfangreichsten Werk des Abends, erlebte man hochvirtuoses Wechselspiel der Violinen nebst verinnerlichten, mit zartem Staccato wiedergegebenen Passagen.


Zwei Werke stammten von Rupert Ignaz Mayr, wobei seine Solo- Sonata in D von Maren Ries mit flexibler Tongebung und schlackenlosem Ton wie Strich interpretiert wurde.


Virtuos und expressiv

Eine umfangreiche Passacaglia für Cembalo solo von Johann Caspar Kerll erklang unter den Händen von Stanislav Gres sicher und fingerfertig. Auch Geiger Volker Möller präsentierte sich virtuos und expressiv in einer Sonata a-Moll von Johann Baal.
In weiteren Sonaten von Biagio Marini, dem einzigen Italiener des Abends und Johann Heinrich Schmelzer zeigte das komplette Ensemble lebendiges Musizieren und nahtloses Zusammenspiel. Nach anhaltendem Beifall gab es noch eine besinnliche Zugabe in Gestalt einer Pastorale von Christoph Schaffrath.




So geht es weiter

Musica Mauritiana 28. April bis 8. September - jeden Samstag um 11 Uhr "30 Minuten Musik zur Marktzeit, St. Moriz - Eintritt jeweils frei. - Pfingstsonntag, 20. Mai, 17 Uhr, St. Moriz: Blechbläserquintett und Orgel - Philharmonisches Blechbläserquintett Coburg, Markus Ewald (Orgel).
Musikfreunde Coburg Montag, 7. Mai, 19.30 Uhr, HUK-Foyer - Gesprächskonzert mit dem Pianisten Michael Leslie, Werke von Ludwig van Beethoven; Samstag, 2. Juni, 16 Uhr: Schubertiade, Haus Contakt; Mittwoch, 4. Juli, 19.30 Uhr: Flex Ensemble "Tango trifft Video", Pfarrzentrum St. Augustin
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